Klima-induzierte Migration in Afrika
Climate-Induced Migration in Africa and Beyond:
Belmont Forum
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (40%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (20%); Umweltingenieurwesen, Angewandte Geowissenschaften (40%)
Keywords
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Migration,
Remote Sensing,
Climate Change
Der Klimawandel verstärkt die Binnen- und zwischenstaatliche Migration, welche durch regionale Konflikte, Armut und Krankheiten oder andere Bedrohungen für das Wohlbefinden der Menschen vor Ort veranlasst werden. Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Migration ist jedoch kein geradliniger oder linearer, sondern steht in einem komplexen Wirkungsgefüge. Es ist naheliegend, dass Migration zunächst innerhalb von Staaten stattfindet. Makroanalytische Studien, die den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Migration auf interstaatlicher Ebene untersuchen, finden dahingehend oftmals nur wenig eindeutige Auswirkungen des Klimawandels auf Migration. Im CLIMB Projekt soll mittels verschiedener (insb. auch raumbezogener) Daten und Methoden das Phänomen der Migration in möglichst genauer raumzeitlicher Auflösung untersucht werden. Der verfolgte Ansatz wird erstmals für den Senegal entwickelt und getestet: Erstens wird in dieser Region eine Zunahme von Extremwetterereignissen erwartet, wodurch bis 2050 bis zu 1 Million Menschen zur Migration gezwungen werden könnten; zweitens gibt es über Sonatel, den führenden Mobilfunkanbieter im Senegal, Zugang zu anonymisierten und aggregierten Mobilfunkdaten. Daraus lassen sich Bewegungsprofile von Menschengruppen generieren. Zusätzlich werden Erdbeobachtungsdaten und Daten aus sozialen Medien analysiert und mit Umfragen und offiziellen Statistiken kombiniert. Dieser ganzheitliche Ansatz ermöglicht es, den Migrationsprozess aus einer mehrstufigen Perspektive synoptisch zu betrachten (z.B. von der anfänglichen Vertreibung bis zur Weiterwanderung bzw. Rückkehr), um somit mehr Einblicke in die Zeitlichkeit der klimabedingten Migration zu gewinnen. Wir werden dadurch auch besser verstehen, wie Migrationsprozesse durch mehrschichtige (makro-, meso- und mikro-) Faktoren geprägt sind: Klimarisiken, sozioökonomische Krisen, öffentliche Meinung, soziale Netzwerke, Wahrnehmung der Menschen zu Klimawandel und Migration, Bestrebungen und Fähigkeiten, etc. Dieser Ansatz erfordert die Bündelung von Expertisen unterschiedlicher Fachrichtungen in einem klar interdisziplinären Ansatz. Deshalb haben wir in unserem Team Datenwissenschaftler*innen, Statistiker*innen, Geograph*innen, Geoinformatiker*innen, Soziolog*innen , Politolog*innen und Demograph*innen . Soziale und ökonomische Perspektiven werden vom senegalesischen Institut Initiative Prospective Agricole et Rurale (IPAR) federführend betreut. Der Fachbereich für Geoinformatik an der Paris Lodron Universität Salzburg (PLUS) wird Methoden der Geodatenanalyse zur Katastrophenrisikominimierung, Klimaanpassung und humanitären Hilfe einbringen, sowie hybride KI-Ansätze zur Auswertung von Big-EO-Daten entwickeln. Zwei Institute der Harvard Universität forcieren die Auswertung Sozialer Medien und die Entwicklung eines Migrations-Vorhersagemodells; die Mobilfunkdaten werden von Data Pop Alliance verarbeitet und interpretiert. Die Leitung des Gesamtprojekts hat das Institute for Studies of Migration, Diversity and Welfare (MIM) der Malmö Universität in Schweden.
- Universität Salzburg - 100%
- Emmanuel Letouzé - Vereinigte Staaten von Amerika