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Gute Sorgearbeit? Transnational Home Care Arrangements

Decent Care Work? Transnational Home Care Arrangements

Brigitte Aulenbacher (ORCID: 0000-0003-2281-1237)
  • Grant-DOI 10.55776/I3145
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.06.2017
  • Projektende 30.11.2021
  • Bewilligungssumme 285.625 €
  • Projekt-Website

DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz

Wissenschaftsdisziplinen

Soziologie (100%)

Keywords

    Decent Work, Home Care Agencies, Live-In Elderly Care, Gender, Transnational Migration, Commodification

Abstract Endbericht

In Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt sich die 24h-Betreuung zu einem wohlfahrtsstaatlich akzeptierten Weg, Sorgelücken dort zu füllen, wo der demographische Wandel neue Herausforderungen stellt und vormalige Sorge- und Arbeitsarrangements in der Familie, zwischen den Generationen und zwischen den Geschlechtern nicht mehr greifen. Das Projekt untersucht die transnationale Arbeitsvermittlung von meist weiblichen migrantischen Betreuungskräften durch Home Care Agencies als sogenannte live-ins in Privathaushalte. Die These ist, dass unter gegebenen Bedingungen Anforderungen und Ansprüche an gute Sorge und gute Arbeit in der 24-Stunden-Betreuung einander widersprechen und die Art und Weise, wie die Beteiligten damit umgehen, die transnationalen Home Care Arrangements in den drei Wohlfahrtsstaaten prägt. In den Global Cities Frankfurt/M., Wien und Zürich mehren sich die Arbeits- und Dienstleistungsangebote der Home Care Agencies und lässt sich damit die von ihnen vermittelte 24-Stunden-Betreuung in den Privathaushalten besonders gut erforschen. Das Projekt folgt den Home Care Agencies bei ihrer Arbeitskräfterekrutierung in die Sendeländer und den vermittelten 24-Stunden-BetreuerInnen in die Haushalte. Mit den VertreterInnen der Home Care Agencies werden ExpertInnengespräche geführt über ihre Angebote, die Anwerbung, Ausbildung und Arbeit der BetreuerInnen und die Anforderungen der Haushalte. Die PflegeempfängerInnen, ihre Angehörigen, die betreuenden MigrantInnen und ihre Angehörigen kommen in episodischen Interviews ausführlich zu ihren und den Anforderungen und Ansprüchen der anderen Beteiligten an gute Sorge und gute Arbeit, zur Arbeit in den Haushalten, zu Begründungen und Legitimationen der Arbeits- und Sorgearrangements, zu verletzten Ansprüchen, Widersprüchen und Konflikten zu Wort. Erstmalig werden Forschungsperspektiven, in denen es um Fragen legitimer Ansprüche an gute Arbeit geht, auf die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen in der 24-Stunden- Betreuung angelegt, in der zudem Ansprüche an gute Sorge von gleichermaßen großer Bedeutung sind. Erstmalig wird außerdem die Perspektive aller Beteiligten berücksichtigt und damit Aufschluss darüber gewonnen, wie die transnationalen Home Care Arrangements der drei Länder in der Arbeits- und Dienstleistungsvermittlung der Agenturen und in der Arbeit in den Haushalten unter Berücksichtigung der Situation in den Sendeländern ausgehandelt werden. Das Projekt gibt Aufschluss darüber, wie die transnationalen Home Care Arrangements eingebettet in die Wohlfahrtsstaatlichkeit Deutschlands, Österreichs und der Schweiz herausgebildet werden, vergleicht sie auf ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin und zeigt, inwiefern hier Anforderungen und Ansprüche an gute Sorgearbeit zum Tragen kommen, verletzt werden bzw. auch über dieses Arrangement hinausweisen.

Häusliche Altenbetreuung und -pflege wird zusehends marktvermittelt bereitgestellt und von Agenturen angeboten. Das D-A-CH-Projekt "Gute Sorgearbeit? Transnationale Home Care Arrangements" (http://decent-care-work.net/) befasst sich mit der Live-in-Care in Deutschland, Österreich und der Schweiz, in der meist osteuropäische Betreuer*innen in den Haushalten der Betreuten arbeiten und leben. In Regime- und Policy-Analysen und Webseiten-Analysen der Dienstleistungsangebote der Agenturen bietet es einen detaillierten Vergleich der drei Modelle: Sendearbeit (D), Selbstständigkeit (A) und Angestelltentätigkeit (CH). Es zeigt, wie sie in das jeweilige Care-Regime eingebettet sind, welche Dienstleistungen angeboten werden und in welcher Weise sie auf dem Wirtschafts- und Wohlstandsgefälle zwischen West-, Zentral- und Osteuropa aufbauen. Ferner arbeitet das Projekt heraus, wie die Live-in-Care durch soziale Ungleichheiten und Machtungleichgewichte geprägt ist und wie die Covid-19-Pandemie sich auswirkt. Die qualitativen vertiefenden Länder- und Fallstudien haben alle Beteiligten des Arrangements zu Wort kommen lassen: Stakeholder, NGOs, staatliche Stellen, Vertreter*innen von Vermittlungsagenturen, Betreuer*innen, Betreute, Angehörige und deren Organisationen. Sie erschließen, welche Anforderungen und Ansprüche alle Beteiligten an die Live-in-Betreuung stellen, wie sie ihnen nachkommen, welche Probleme und Konflikte auftreten und wie sie sie bearbeiten. In allen Länderstudien zeigt sich ein grundlegender Widerspruch: Dem Versprechen der Vermittlungsagenturen, gute Sorgeleistungen anzubieten, steht das Problem gegenüber, dass gute Arbeitsbedingungen in der Live-in-Care nicht zu gewährleisten sind. Im österreichischen Fall zeigt das Projekt, wie dieser Widerspruch das Live-in-Care-Arrangement durchzieht und, obwohl es als stabile Säule im Care-Regime etabliert worden ist, für seine anhaltende Umstrittenheit sorgt. Es gibt Einblicke in die Aushandlung und Regulierung des Selbstständigenmodells, in die Arbeit der Agenturen - Dienstleistungen, Rekrutierung, Matching, Vermittlung - und die Arbeit in den Haushalten. Wenngleich Live-in-Care zusehends formalisiert, standardisiert und professionalisiert wird, so erweist sich die informelle Aushandlung des Arrangements nach wie vor als bedeutsam und es kann gezeigt werden, dass soziale Ungleichheiten und Machtbeziehungen eine wichtige Rolle spielen. Ferner wird herausgearbeitet, wie Stakeholder, Agenturen, NGOs die Live-in-Care und alternative Betreuungsformen thematisieren. Schließlich werden Veränderungen der Live-in-Care unter den Vorzeichen der Pandemie betrachtet, was Aufgaben und Strategien der Agenturen ebenso wie Arbeitsbedingungen von Betreuer*innen angeht. Die Projektergebnisse sind für die Arbeits-, Care-, Geschlechter-, Migrations- und Wohlfahrtsstaatsforschung wie mit Blick auf die gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Ausgestaltung von Care von Belang.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Linz - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Helma Lutz, Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main - Deutschland
  • Karin Schwiter, University of Zurich - Schweiz

Research Output

  • 115 Zitationen
  • 26 Publikationen
Publikationen
  • 2021
    Titel Die Drei-Länder-Studie "Gute Sorgearbeit?": Das methodische Vorgehen im Überblick; In: Gute Sorge ohne gute Arbeit? Live-in Care in Deutschland, Österreich und der Schweiz
    Typ Book Chapter
    Autor Projektgruppe Gute Sorgearbeit
    Verlag Beltz Juventa
    Seiten 253-262
  • 2021
    Titel Gute Sorge ohne gute Arbeit? Live-in Care in Deutschland, Österreich und der Schweiz
    Typ Book
    Autor Aulenbacher B
    editors Aulenbacher B, Lutz H, Schwiter K
    Verlag Beltz Juventa
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Live-in-Care im Ländervergleich; In: Gute Sorge ohne gute Arbeit? Live-in Care in Deutschland, Österreich und der Schweiz
    Typ Book Chapter
    Autor Benazha A
    Verlag Beltz Juventa
    Seiten 20-45
  • 2021
    Titel Live-in-Betreuung - (k)ein Zukunftsmodell guter Sorge und guter Arbeit?; In: Gute Sorge ohne gute Arbeit? Live-in Care in Deutschland, Österreich und der Schweiz
    Typ Book Chapter
    Autor Aulenbacher B
    Verlag Beltz Juventa
    Seiten 238-251
  • 2021
    Titel Gute Sorge ohne gute Arbeit? Einleitung; In: Gute Sorge ohne gute Arbeit? Live-in Care in Deutschland, Österreich und der Schweiz
    Typ Book Chapter
    Autor Aulenbacher B
    Verlag Beltz Juventa
    Seiten 7-17
  • 2021
    Titel "Das Thema ist, die Menschen wollen zu Hause sein." Zum Nachdenken über Live-in-Care, Gütesiegel, staatliche Förderung und neue Betreuungsformen; In: Gute Sorge ohne gute Arbeit? Live-in Care in Deutschland, Österreich und der Schweiz
    Typ Book Chapter
    Autor Aulenbacher B
    Verlag Beltz Juventa
    Seiten 212-235
  • 2021
    Titel Anforderungen und Ansprüche in der Live-in-Betreuung. Oder: " ab und zu denken wir uns, das ist eigentlich unmöglich"; In: Gute Sorge ohne gute Arbeit? Live-in Care in Deutschland, Österreich und der Schweiz
    Typ Book Chapter
    Autor Aulenbacher B
    Verlag Beltz Juventa
    Seiten 147-171
  • 2021
    Titel Das umstrittene Selbstständigenmodell - Live-in-Care in Österreich; In: Gute Sorge ohne gute Arbeit? Live-in Care in Deutschland, Österreich und der Schweiz
    Typ Book Chapter
    Autor Aulenbacher B
    Verlag Beltz Juventa
    Seiten 66-78
  • 2020
    Titel <>? Legitimation und Kritik im Regulierungsprozess der Rund-um-die-Uhr-Betreuung betagter Menschen in Schweizer Privathaushalten
    DOI 10.5167/uzh-190323
    Typ Other
    Autor Steiner
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Care crises and care fixes under Covid-19: the example of transnational live-in care work
    DOI 10.48350/176261
    Typ Journal Article
    Autor Schilliger
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Völlig legal!? Rechtliche Rahmung und Legalitätsnarrative in der 24h-Betreuung in Deutschland, Österreich und der Schweiz
    DOI 10.1007/s11614-019-00337-4
    Typ Journal Article
    Autor Steiner J
    Journal Österreichische Zeitschrift für Soziologie
    Seiten 1-19
    Link Publikation
  • 2019
    Titel The "fictitious commodity" care and the reciprocity of caring: a Polanyian and neo-institutionalist perspective on the brokering of 24-hour care; In: Capitalism in Transformation: Movements and Countermovements in the 21st Century
    Typ Book Chapter
    Autor Aulenbacher B
    Verlag Edward Elgar
    Seiten 245-260
  • 2020
    Titel Promise of Decent Care and the Problem of Poor Working Conditions. Double Movements Around Live-In Care In Austria
    DOI 10.18753/2297-8224-160
    Typ Journal Article
    Autor Aulenbacher B
    Journal sozialpolitik.ch
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Impact of COVID-19 Policy Responses on Live-In Care Workers in Austria, Germany, and Switzerland
    DOI 10.31389/jltc.51
    Typ Journal Article
    Autor Leiblfinger M
    Journal Journal of Long Term Care
    Seiten 144-150
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Truly legal!? Legal framing and legality narratives in live-in care in Austria, Germany and Switzerland.; In: Towards a scarcity of care? Tensions and contradictions in transnational elderly care systems in central and eastern Europe.
    Typ Book Chapter
    Autor Steiner J
    Verlag Friedrich-Ebert-Stiftung
    Seiten 69-91
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Auswirkung der Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie auf Live-in-Betreuer*innen; In: Gute Sorge ohne gute Arbeit? Live-in Care in Deutschland, Österreich und der Schweiz
    Typ Book Chapter
    Autor Leiblfinger M
    Verlag Beltz Juventa
    Seiten 92-103
  • 2020
    Titel "Wie liebevoll kümmernde Angehörige": Die Vergeschlechtlichung von Care und deren Entnennung als Arbeit am Beispiel der 24-Stunden-Betreuung; In: Pflege und Betreuung - Who cares?
    Typ Book Chapter
    Autor Leiblfinger M
    Verlag Manz
    Seiten 1-13
  • 2020
    Titel "Jetzt kümmern sich zwei slowakische Frauen abwechselnd um meinen Vater" Institutionelle Logiken und soziale Ungleichheiten in der agenturvermittelten 24h-Betreuung; In: Intersektionalität, Arbeit und Organisation (Arbeitsgesellschaft im Wandel)
    Typ Book Chapter
    Autor Aulenbacher B
    Verlag Beltz Juventa
    Seiten 160-174
  • 2018
    Titel Elf Jahre 24-Stunden-Betreuung in Österreich: Eine Policy- und Regime-Analyse
    Typ Book
    Autor Leiblfinger M
    Verlag Katholische Privat-Universität Linz
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Ein neuer Sorgemarkt im Wohlfahrtsstaat: 24-Stunden-Betreuung in Österreich und Dienstleistungsangebote von Wiener Vermittlungsagenturen; In: Zur Zukunft von Arbeit und Wohlfahrtsstaat: Perspektiven aus der Sozialforschung (Sozialpolitik in Diskussion 19)
    Typ Book Chapter
    Autor Aulenbacher B
    Verlag ÖGB Verlag
    Seiten 47-56
  • 2020
    Titel <>? Legitimation and Criticism in the Regulation Process of Round-the-Clock Elderly Care in Swiss Private Households
    DOI 10.2478/sjs-2020-0015
    Typ Journal Article
    Autor Steiner J
    Journal Swiss Journal of Sociology
  • 2020
    Titel Autonomous Elderly People, Nursing Cases and Self-Employed Workers in Need of Supervision: Subject Constructions in the Context of 24-Hour Care in Austria
    DOI 10.2478/sjs-2020-0014
    Typ Journal Article
    Autor Prieler V
    Journal Swiss Journal of Sociology
    Seiten 259-280
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Care crises and care fixes under Covid-19: the example of transnational live-in care work
    DOI 10.1080/14649365.2022.2073608
    Typ Journal Article
    Autor Schilliger S
    Journal Social & Cultural Geography
    Seiten 391-408
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Care crises and care fixes under Covid-19: the example of transnational live-in care work
    DOI 10.5167/uzh-218694
    Typ Other
    Autor Schilliger
    Link Publikation
  • 2021
    Titel ‘The Good Live-in Care Worker’: Subject Formation and Ethnicisation in Austrian Live-in Care
    DOI 10.31577/sociologia.2021.53.5.18
    Typ Journal Article
    Autor Prieler V
    Journal Sociológia - Slovak Sociological Review
    Seiten 483-501
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Confronted with COVID-19: Migrant live-in care during the pandemic
    DOI 10.1177/14680181211008340
    Typ Journal Article
    Autor Leiblfinger M
    Journal Global Social Policy
    Seiten 490-507
    Link Publikation

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