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Die neuronalen Mechanismen individueller Unterschiede im arithmetischen Faktenlernen.

The neural mechanisms underlying individual differences in arithmetic fact learning.

Roland Grabner (ORCID: 0000-0003-0385-8910)
  • Grant-DOI 10.55776/I2425
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2016
  • Projektende 30.09.2019
  • Bewilligungssumme 189.326 €

Bilaterale Ausschreibung: Belgien

Wissenschaftsdisziplinen

Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (30%); Psychologie (70%)

Keywords

    Arithmetic Learning, Memory Interference, Mathematical Competencies, Developmental Dyscalculia

Abstract Endbericht

Die Fähigkeit, arithmetische Fakten (wie z.B. die Multiplikationstafel) zu lernen und abzurufen, stellt einen wichtigen Schritt in der erfolgreichen Entwicklung mathematischer Kompetenzen dar. In dieser Fähigkeit bestehen große interindividuelle Unterschiede, und Personen mit mathematischen Lernstörungen oder Dyskalkulie leiden vor allem unter Defiziten im arithmetischen Faktenlernen. Die Mechanismen, die diesen interindividuellen Unterschieden zugrunde liegen, sind jedoch bislang kaum verstanden. Kürzlich wurde eine neue Hypothese hierzu vorgeschlagen: die Hypothese der Interferenz-Sensitivität (IS) im Gedächtnis. Wenn arithmetische Fakten in der Schule gelernt werden, hängt die erfolgreiche Speicherung dieser Fakten im Gedächtnis davon ab, inwieweit die neu zu lernenden Fakten eine Ähnlichkeit (bzw. Interferenz) mit den bereits gelernten Fakten aufweisen. Je größer die Ähnlichkeit (bzw. Interferenz), desto schwieriger ist die Abspeicherung und desto geringer Lernerfolg. In dieser IS bestehen überdies interindividuelle Unterschiede: Je höher die individuelle IS ist, desto mehr Probleme wird er/sie beim Lernen dieser Fakten haben. Das vorliegende Projekt zielt darauf ab, die Mechanismen hinter der IS besser zu verstehen. Hierzu werden sowohl Verhaltensmethoden als auch neurowissenschaftliche Methoden eingesetzt und die Expertisen der Projektpartner in Leuven und Graz zusammengeführt. Das Projekt besteht aus 4 Arbeitspaketen (6 Studien), in denen kompetenzabhängige Unterschiede in der IS bei Kindern (mit und ohne Dyskalkulie) und Erwachsenen, die Entwicklung der IS im Rahmen einer Trainingsstudie bei Erwachsenen und einer Längsschnittstudie bei Kindern, und die Veränderbarkeit der IS durch non-invasive Beeinflussung der Gehirnaktivität von Erwachsenen untersucht werden.

Ein zentraler Grundstein in der Entwicklung mathematischer Kompetenzen ist der erfolgreiche Erwerb von arithmetischem Faktenwissen (wie dem Einmaleins). Sowohl Kinder als auch Erwachsene unterscheiden sich allerdings sehr stark in der Fähigkeit, dieses Faktenwissen zu erwerben und beim arithmetischen Problemlösen anzuwenden. Besondere Schwierigkeiten dabei haben Personen mit mathematischen Lernstörungen. Kürzlich wurde eine neue Hypothese über die Ursachen dieser individuellen Unterschiede und Probleme vorgestellt: die Sensitivität-gegenüber-Interferenz (STI) Hypothese. Wenn Kinder neue arithmetische Fakten in der Schule lernen, hängt die Abspeicherung dieses Wissens davon ab, inwieweit die neue Information eine Ähnlichkeit mit den bereits gelernten (alten) Fakten hat. Je ähnlicher sich neue und alte Fakten sind, desto stärker interferieren sie, und desto schwieriger ist das erfolgreiche Abspeichern der neuen Informationen. In der STI-Hypothese wird nun angenommen, dass sich Personen in der Sensitivität gegenüber solchen Interferenzen unterscheiden. Bislang war es allerdings unklar, wie sich diese Sensitivität in der Gehirnaktivität widerspiegelt und worin sich Personen mit unterschiedlichen arithmetischen Kompetenzen unterscheiden. Daher wurden in diesem internationalen Forschungsprojekt (Belgien-Österreich) die Mechanismen der STI mittels einer Kombination aus Verhaltensmethoden und neurowissenschaftlichen Verfahren (Magnetresonanztomographie und Elektroenzephalographie) untersucht. Insgesamt wurden 11 Studien in enger Zusammenarbeit der Projektpartner an der Universität Graz und der KU Leuven durchgeführt. In diesen Studien konnten erstmalig spezifische Aktivierungsmuster im Gehirn mit individuellen Unterschieden in der STI für arithmetische Fakten in Zusammenhang gebracht werden. Darüber hinaus wurde die Bedeutung von semantischen Kontrollnetzwerken für die Bewältigung von Interferenzen beim Abruf von arithmetischem Faktenwissen gezeigt. Allerdings wurde auch gefunden, dass sich die STI bei Erwachsenen mit geringeren arithmetischen Kompetenzen durch ein einwöchiges Faktentraining nicht einfach reduzieren lässt. Bei Kindern wurde die STI-Hypothese bestätigt, allerdings konnte kein neuronales Korrelat hierfür identifiziert werden. In den weiteren Studien wurden neue Einsichten in die Gehirnstrukturen gewonnen, die mit unterschiedlichen arithmetischen und mathematischen Kompetenzen assoziiert sind. Insgesamt haben die Ergebnisse aus dem Projekt unser Wissen darüber, wie unser Gehirn arithmetische Probleme löst und worauf die Variabilität in arithmetischen Kompetenzen zurückgeführt werden kann, substanziell erweitert.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Bert De Smedt, Katholieke Universiteit Leuven - Belgien

Research Output

  • 433 Zitationen
  • 13 Publikationen
  • 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2021
    Titel Oscillatory Electroencephalographic Patterns of Arithmetic Problem Solving in Fourth Graders
    DOI 10.31219/osf.io/tmhce
    Typ Preprint
    Autor Brunner C
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Revisiting the Role of Worries in Explaining the Link Between Test Anxiety and Test Performance
    DOI 10.1007/s10648-021-09601-0
    Typ Journal Article
    Autor Schillinger F
    Journal Educational Psychology Review
    Seiten 1887-1906
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Oscillatory electroencephalographic patterns of arithmetic problem solving in fourth graders
    DOI 10.1038/s41598-021-02789-9
    Typ Journal Article
    Autor Brunner C
    Journal Scientific Reports
    Seiten 23278
    Link Publikation
  • 2019
    Titel The neural substrates of the problem size and interference effect in children’s multiplication: An fMRI study
    DOI 10.1016/j.brainres.2019.03.002
    Typ Journal Article
    Autor Polspoel B
    Journal Brain Research
    Seiten 147-157
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Interference during the retrieval of arithmetic and lexico-semantic knowledge modulates similar brain regions: Evidence from functional magnetic resonance imaging (fMRI)
    DOI 10.1016/j.cortex.2019.06.007
    Typ Journal Article
    Autor Heidekum A
    Journal Cortex
    Seiten 375-393
    Link Publikation
  • 2019
    Titel The association of grey matter volume and cortical complexity with individual differences in children's arithmetic fluency
    DOI 10.1016/j.neuropsychologia.2019.107293
    Typ Journal Article
    Autor Polspoel B
    Journal Neuropsychologia
    Seiten 107293
    Link Publikation
  • 2016
    Titel The role of physical digit representation and numerical magnitude representation in children’s multiplication fact retrieval
    DOI 10.1016/j.jecp.2016.06.014
    Typ Journal Article
    Autor De Visscher A
    Journal Journal of Experimental Child Psychology
    Seiten 41-53
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Relating individual differences in white matter pathways to children’s arithmetic fluency: a spherical deconvolution study
    DOI 10.1007/s00429-018-1770-6
    Typ Journal Article
    Autor Polspoel B
    Journal Brain Structure and Function
    Seiten 337-350
  • 2018
    Titel Interference and problem size effect in multiplication fact solving: Individual differences in brain activations and arithmetic performance
    DOI 10.1016/j.neuroimage.2018.01.060
    Typ Journal Article
    Autor De Visscher A
    Journal NeuroImage
    Seiten 718-727
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Dyscalculia and dyslexia: Different behavioral, yet similar brain activity profiles during arithmetic
    DOI 10.1016/j.nicl.2018.03.003
    Typ Journal Article
    Autor Peters L
    Journal NeuroImage: Clinical
    Seiten 663-674
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Associations Between Individual Differences in Mathematical Competencies and Surface Anatomy of the Adult Brain
    DOI 10.3389/fnhum.2020.00116
    Typ Journal Article
    Autor Heidekum A
    Journal Frontiers in Human Neuroscience
    Seiten 116
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Arithmetic in the developing brain: A review of brain imaging studies
    DOI 10.1016/j.dcn.2017.05.002
    Typ Journal Article
    Autor Peters L
    Journal Developmental Cognitive Neuroscience
    Seiten 265-279
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Strategy over operation: neural activation in subtraction and multiplication during fact retrieval and procedural strategy use in children
    DOI 10.1002/hbm.23691
    Typ Journal Article
    Autor Polspoel B
    Journal Human Brain Mapping
    Seiten 4657-4670
    Link Publikation
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2019
    Titel Invited symposium at the paEpsy 2019
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2019
    Titel Member of the editorial board of "Open Education studies"
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
Weitere Förderungen
  • 2017
    Titel Non-invasive brain stimulation in mathematics learning
    Typ Other
    Förderbeginn 2017

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