Methodik zur Bewertung der Steuerungsfähigkeit gobaler Wertschöpfungsnetzwerke
Methodology for assessing the ability to control gobal value added networks
DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Informatik (30%); Wirtschaftswissenschaften (70%)
Keywords
-
Supply-Chain-Networks,
Performance Indicator,
Agent-Based-Simulation,
Decision Making Behavior
Bei durchschnittlichen Fertigungstiefen von etwa 20 - 30 % im verarbeitenden Gewerbe sind Unternehmen bei der Erstellung von Produkten auf die Zusammenarbeit mit anderen Firmen in Netzwerken angewiesen. In Konsequenz wird gefolgert, dass der Wettbewerb nicht mehr zwischen einzelnen Unternehmen, sondern zwischen konkurrierenden Supply Chains ausgetragen wird. Europäische Unternehmen sind vielfach zentraler Teil dieser Supply Chains oder Wertschöpfungsnetzwerke. Die Herausforderung für die beteiligten Unternehmen besteht darin, die Wertschöpfungsnetzwerke im Interesse der jeweiligen Firma bestmöglich zu steuern, zu beeinflussen und zu optimieren. Mit welchen Maßnahmen die Unternehmen ihre Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren des Wertschöpfungsnetzwerks steuern oder entwickeln sollten, ist jedoch bisher nicht eindeutig zu beantworten. Unternehmen können daher die Auswirkungen ihres Handelns oder des Handelns von Netzwerkpartnern nicht mehr objektiv beurteilen. Der vorliegende Ansatz betrachtet das zielsystembasierte Entscheidungsverhalten von Unternehmen in Netzwerken, die Beschreibung von unternehmensübergreifenden Produktionsprozessen an Hand von Kennzahlen sowie die Charakterisierung von Verbesserungsmaßnahmen im Rahmen des zu entwickelnden Beschreibungsgerüsts. Der Ansatz soll mit Hilfe der agentenbasierten Modellierung und Simulation validiert werden, die sich als geeignet erwiesen hat, die dargestellten Besonderheiten realer Wertschöpfungsnetzwerke abzubilden, bisher jedoch nicht genutzt wurde, um deren Steuerungsfähigkeit durch Einsatz unterschiedlicher Verbesserungsmaßnahmen zu bewerten. Mit diesem Forschungsvorhaben soll ein Beitrag zum grundlegenden Verständnis und zur Beherrschung von global verteilten Wertschöpfungsnetzwerken geleistet werden. Dadurch soll dem Sachverhalt begegnet werden, dass globale Wertschöpfungsnetzwerke in Bedeutung, Umfang und Komplexität weitaus schneller gewachsen sind als die zu ihrer Beschreibung notwendigen Hypothesen und Theorien.
Wertschöpfungsnetzwerke agieren zunehmend global. Sie sind gekennzeichnet durch vielfältige Liefer- und Leistungsverflechtungen zwischen einzelnen unternehmensinternen Standorten sowie externen Partnern. Durch diese steigende Komplexität wird es für beteiligte Unternehmen immer schwieriger, Netzwerke in ihrem Interesse zu gestalten und zu steuern. Bisher gibt es keine objektive Herangehensweise, um zu beurteilen, wie und in welchem Ausmaß Maßnahmen eines Akteurs im Netzwerk Auswirkungen auf sich und andere Netzwerkpartner haben.Zielsetzung des Forschungsprojekts war daher die Entwicklung einer Bewertungsmethodik für die strategische Steuerung von Produktionsprozessen in globalen Wertschöpfungs- netzwerken unter Abbildung der Entscheidungsstrukturen und dem Einsatz agentenbasierter Simulation.Dazu wurde eine Methodik zur Bewertung der Leistungsfähigkeit globaler Wertschöpfungsnetzwerke durch kennzahlenbasierte Modellierung unter Berücksichtigung von individuellen Zielsystemen entwickelt. Das entwickelte Kennzahlensystem beinhaltet die fünf Zieldimensionen Kosten Zeit Qualität Flexibilität und Nachhaltigkeit, denen strategisch relevante Kennzahlen zugeordnet und hierarchisch verknüpft wurden.Weiters wurde ein Ansatz zur Identifikation von Schwachstellen und Verbesserungspotenzialen in globalen Wertschöpfungsnetzwerken sowie zur Untersuchung der Effekte auf die Leistungsfähigkeit des Netzwerks entwickelt.Die entwickelten Beschreibungsmodelle wurden zur dynamischen Bewertung in ein agentenbasiertes, modularisiertes Simulationsmodell eingebettet. Durch die Modularisierung wurde die schnelle Adaptionsfähigkeit auf individuelle Konfigurationen von Produktionsnetzwerken ermöglicht.Die entwickelte Gesamtmethodik wurde zudem in zwei Use-Cases mit realen Unternehmensdaten und Netzwerkkonfigurationen validiert. Die Erkenntnisse daraus wurden in die Gesamtmethodik rückgespielt.Das Forschungsprojekt leistet damit einen Beitrag, um die Leistungsfähigkeit global agierender, durch individuelle Zielsysteme geprägte und durch komplexe Liefer- und Leistungsverflechtungen charakterisierte Wertschöpfungsnetzwerke zu messen, Verbesserungspotenziale zu identifizieren und dynamisch zu bewerten.
- Technische Universität Wien - 100%
- Gisela Lanza, Karlsruher Institut für Technologie - Deutschland
Research Output
- 4 Zitationen
- 3 Publikationen
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2017
Titel Amplification of supply chain performance measurement systems by sustainability key performance indicators. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Lemmerer C Konferenz Proceedings of the 8th International Scientific Conference - Management of Technology - Step to Sustainable Production, 5-7 April 2017, Dubrovnik, Croatia -
2017
Titel Managing global production networks: Integrating performance measurement into agent based simulation to support strategic decision making. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Biegler C Konferenz Proceedings of the 9th International Scientific Conference - Management of Technology - Step to Sustainable Production, 5-7 April 2017, Dubrovnik, Croatia -
2016
Titel Target System Based Design of Quality Control Strategies in Global Production Networks DOI 10.1016/j.procir.2016.04.167 Typ Journal Article Autor Arndt T Journal Procedia CIRP Seiten 336-341 Link Publikation