EUROCORES_LogiCCC: Counterfactual reasoning in children (LcpR)
EUROCORES_LogiCCC: Counterfactual reasoning in children (LcpR)
Wissenschaftsdisziplinen
Mathematik (10%); Psychologie (90%)
Keywords
-
Counterfactual Reasoning,
Developmental Psychology,
Causal Reasoning,
Theory Of Mind,
Mental Causation,
Logical Reasoning
Wichtige Einsichten in die logische Denkkompetenz Erwachsener kommen von der Untersuchung der Denkentwicklung. Die Entwicklung kontrafaktischen Denkens bei Kindern ist von besonderem Interesse wegen seiner Bedeutung für kausales Denken , "Theory of Mind" und nicht-monotone Logik. Die Forschung zur Entwicklung kontrafaktischen Denkens war vor allem von der Frage geleitet, wann diese Fähigkeit im Kinde erwacht. Jüngere Forschung, mit eigenen Beiträgen, zeigte jedoch, dass diese Fähigkeit schrittweise erworben wird. Zum Beispiel, die Fähigkeit an mögliche Zustände der Welt zu denken, die vom wirklichen Zustand der Welt abweichen, zeigt sich sehr früh. Die klare Einsicht, dass kontrafaktische Szenarien aber kontrafaktisch zu einem spezifischen wirklichen Vorfall gesehen werden müssen (in Anlehnung an das Kriterium der näheste möglichen Welt von David Lewis), tritt erst viel später in Erscheinung. Wir beabsichtigen nicht nur den Erwerbszeitpunkt dieser verschiedenen Komponenten zu dokumentieren, sondern versuchen auch den dahinter liegenden Entwicklungsantrieb zu klären: Handelt es sich um einen Fortschritt im kindlichen Begriffssystem oder um Änderungen genereller kognitiver Parameter (z.B.: Gedächtniskapazität)? Im weiteren untersuchen wir ob und wie kontrafaktische Denkfähigkeit sich auf kausales Denken und "Theory of Mind" auswirkt. Durch den Kontakt mit den Projektpartnern, die Experten auf dem Gebiet der Logik und der künstlichen Intelligenz sind, insbesondere IP1 (Schurz), IP2 (Kistler), IP4 (Kleiter) und der Entwicklung kontrafaktischen Denkens AP6 (Beck) sind, kann dieses interdiziplinäre Unterfangen optimal verfolgt werden. Diese Zusammenarbeit wird nicht nur die Entwicklung kontrafaktischen Denkens erhellen, sondern auch reichhaltige Einsichten in die kompetenz Erwachsener bringen, die für die logische Analyse und Erstellung künstlicher Modelle kontrafaktischen Denkens und nicht-monotoner Logik von Nutzen sein werden.
Täglich denken wir darüber nach, wie sich gewisse Situationen entwickelt hätten, wenn wir uns anders verhalten oder entschieden hätten. Diese Art des Denkens wird als kontrafaktisches Denken (CFR: counterfactual reasoning) bezeichnet und ist ein wichtiges Merkmal menschlichen Denkens; es hilft uns, unsere Entscheidungen zu evaluieren, unser Verhalten dementsprechend zu verbessern und Kausalverbindungen herauszufinden. Das vorliegende Projekt befasste sich mit der Entwicklung von CFR. In mehreren Studien zeigte sich, dass sich CFR im Alter zwischen 6 und 12 Jahren entwickelt. Frühere Studien hatten im Gegensatz dazu gefunden, dass bereits 3 jährige Kinder kontrafaktische Fragen richtig beantworten können. Diese Studien berücksichtigten jedoch nicht die Möglichkeit, dass Kinder mit alternativen Strategien zur selben Antwort gelangen können.Beispielsweise wenden Kinder typische Regularitäten (z.B.: Wenn es nicht regnet, ist die Straße trocken) an, um kontrafaktische Fragen (z.B.: Wenn es nicht geregnet hätte, wäre die Straße dann nass oder trocken?) zu beantworten. Dabei lassen sie jedoch aktuelle Gegebenheiten (z.B.: dass die Straße zuvor gewaschen wurde) außer Acht. CFR nimmt aktuelle Gegebenheiten in den schlussfolgernden Prozess auf. Im ersten Teil des vorliegenden Projektes wurden Aufgaben entwickelt, bei denen Kinder nur dann zu einer adäquaten Lösung kommen konnten, wenn sie CFR anwendeten. Es zeigte sich, dass sich CFR viel später entwickelt als zunächst angenommen wurde.Im zweiten Teil des Projektes wurden diese neuen Einsichten herangezogen, um die die Entwicklung von kontrafaktischen Emotionen (z.B.: Bedauern und Erleichterung) zu untersuchen. Im Speziellen zeigte sich, dass sich kontrafaktische Emotionen in einem ähnlichen Alterszeitraum entwickeln, wie CFR. Dies ist ein wichtiger Befund dahingehend, dass kontrafaktische Emotionen uns dabei helfen, adäquate Entscheidungen zu treffen und von früheren Fehlern zu lernen.Der dritte Teil des Projektes beschäftigte sich mit einem möglichen Zusammenhang zwischen CFR und der Fähigkeit, das Verhalten von anderen Menschen vorherzusagen. Es zeigte sich, dass eine enge Beziehung besteht, zwischen der Fähigkeit zu CFR und der Fähigkeit, innerhalb einer Fremdperspektive Schlussfolgerungen zu ziehen.
- Universität Salzburg - 100%
- Gernot D. Kleiter, Universität Salzburg , nationale:r Kooperationspartner:in
- Gerhard Schurz, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf - Deutschland
- Max Kistler, Unversity of Grenoble I - Frankreich
- Angelo Gilio, Universita di Roma "Tor Vergata" - Italien
- Radim Jirousek, National University La Plata - Tschechien
- Sarah Beck, The University of Birmingham - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 375 Zitationen
- 8 Publikationen
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2012
Titel Counterfactual reasoning: From childhood to adulthood DOI 10.1016/j.jecp.2012.10.010 Typ Journal Article Autor Rafetseder E Journal Journal of Experimental Child Psychology Seiten 389-404 Link Publikation -
2010
Titel Is reasoning from counterfactual antecedents evidence for counterfactual reasoning? DOI 10.1080/13546783.2010.488074 Typ Journal Article Autor Rafetseder E Journal Thinking & Reasoning Seiten 131-155 Link Publikation -
2014
Titel Counterfactual Reasoning: Sharpening Conceptual Distinctions in Developmental Studies DOI 10.1111/cdep.12061 Typ Journal Article Autor Rafetseder E Journal Child Development Perspectives Seiten 54-58 Link Publikation -
2019
Titel Children struggle beyond preschool-age in a continuous version of the ambiguous figures task DOI 10.1007/s00426-019-01278-z Typ Journal Article Autor Rafetseder E Journal Psychological Research Seiten 828-841 Link Publikation -
2010
Titel Counterfactual Reasoning: Developing a Sense of “Nearest Possible World” DOI 10.1111/j.1467-8624.2009.01401.x Typ Journal Article Autor Rafetseder E Journal Child Development Seiten 376-389 Link Publikation -
2011
Titel When the alternative would have been better: Counterfactual reasoning and the emergence of regret DOI 10.1080/02699931.2011.619744 Typ Journal Article Autor Rafetseder E Journal Cognition and Emotion Seiten 800-819 -
2011
Titel Counterfactual and Other Forms of Conditional ReasoningChildren Lost in the Nearest Possible World; In: Understanding Counterfactuals, Understanding CausationIssues in Philosophy and Psychology DOI 10.1093/acprof:oso/9780199590698.003.0005 Typ Book Chapter Verlag Oxford University Press -
2013
Titel Basic Conditional Reasoning: How Children Mimic Counterfactual Reasoning DOI 10.1007/s11225-013-9510-7 Typ Journal Article Autor Leahy B Journal Studia Logica Seiten 793-810 Link Publikation