Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (70%); Sprach- und Literaturwissenschaften (30%)
Keywords
Buddisthische Erkenntnistheorie,
Dharmakirti
Abstract
Im 6. Jahrhundert u.Z. entsteht im indischen Buddhismus eine Bewegung, die sich später in die von der modernen
Forschung "erkenntnistheoretisch-logische Tradition" des Buddhismus (kurz ELT) entwickeln wird.
Die ersten Hauptvertreter der ELT, Dignaga (ca. 480-540) und Dharmakirti (ca. 600-660), entwickeln eine
umfassende Theorie, die erkenntnistheoretische und logische Themen abdeckt. Dabei übernehmen sie aus früheren
Schichten buddhistischer Philosophie ein ebenso reichhaltiges wie subtiles Begriffsinventar zur Analyse des
Geistes und geistiger Funktionen, das sie mit neuen Problemen und Methoden konfrontieren. Diese werden
ihrerseits in lebhaftem Austausch mit den bedeutendsten nicht-buddhistischen Gelehrtentraditionen ihrer Zeit
entwickelt.
Das vorliegende Projekt beabsichtigt, zentrale Begriffe buddhistischer Erkenntnistheorie zu untersuchen. Im
Mittelpunkt steht die Frage, wie Dharmakirti zwei alternative Modelle zur Erklärung des Entstehens mentaler
Ereignisse interpretiert, anwendet und erweitert. In späteren Texten der Tradition werden diese Modelle als jeweils
charakteristisch für die Denkschulen des Yogacara und Sautrantika erachtet.
Auf der Grundlage hauptsächlich von Abschnitten aus den Kapiteln über Wahrnehmung in Dharmakirtis Werken
Pramanavarttika und Pramanaviniscaya strebt das vorliegende Projekt eine Fallstudie zur Umformung
übernommener Konzeptionen über das Entstehener geistiger Prozesse durch einen der bedeutendsten
buddhistischen Philosophen Indiens an. Diese Fallstudie beruht auf philologischer Grundlagenarbeit, insofern die
verwendeten Textmaterialien kritisch herausgegeben und übersetzt werden. Indem Dharmakirtis Behandlung der
beiden Modelle zu ihrer Behandlung in früheren buddhistischen Quellen in Beziehung gesetzt wird, soll ferner die
Geschichte zentraler erkenntnistheoretischer Ideen im Buddhismus beleuchtet werden, wodurch Dharmakirtis
Bemühungen und Leistungen letztlich in ihrem geschichtlichen Umfeld verständlich werden.