Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Andere Sozialwissenschaften (20%); Philosophie, Ethik, Religion (10%); Rechtswissenschaften (50%)
Keywords
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Normalität und Pathologie,
Fallgeschichte & Fallstudie,
Kritische Geschlechterforschung,
Symptom & Symbol,
Subjekt & Narration,
Humanwissenschaftliche Wissensbildung
Dass kollektive Krankheitsbilder mit den kulturellen und sozialen Verhältnissen einer Zeit, den Wissenssystemen und Ideologieformen verwoben sind, kann als Erkenntnis vorausgesetzt werden. Auf welche Weise sich dieser Zusammenhang realisiert und wie er erfahrungsseitig organisiert ist, steht als Frage noch offen und soll hier angegangen werden. Die neuen wie die alten Leiden der Seele, die den weiblichen Körper als Austragungsort wählen, geben darüber Auskunft, was an sozialen und kulturellen Anforderungen in pathologischen Mengen in die Individuen eingezogen ist in Gestalt vielfach pathogenen KörperSprechens: in den Essstörungen ebenso wie im Borderline-Komplex, in den Angststörungen, ebenso wie in den depressiven Erschöpfungen. Darin ist der weibliche Körper Teil des reflexiven Projekts der Subjektbildung unter postmodernen Bedingungen und reflektiert die Klage des Subjekts (die Klage am Subjektverlust) auf symptomatische Weise. Historisch spezifisch agiert der weibliche Leib an der Wende zum 21. Jahrhundert - wie schon einmal - an der Wende zum 20. Jh. Allianzen und Differenzen zwischen der besprochenen und der sprechenden Frau. Was die psychopathologischen Beschreibungsformen und geschlechtstypischen Krankheitspanoramen um 1900 von denen um 2000 trennt und verbindet, ist Gegenstand der Untersuchung. Vor dem Hintergrund zweier machtvoller Normalisierungsprozesse, der Konstituierung des vernünftigen Subjekts im Gegenlicht des Wahnsinns im 18. Jh. und ihrer geschlechtsspezifischen Verengung in der Pathologisierung des Weiblichen im 19. Jh., werden die an der Wende zum 20. Jh. explodierenden bio-sozio-medizinischen Wissensbildungen als spezifische Besprechungen des weiblichen Köpers analysiert und auf ihre Wirkung für das 20. Jahrhundert hin überprüft. Im Zentrum der Untersuchung steht die Klinische Fallgeschichte, in der die verschiedenen humanwissenschaftlichen Geschlechterdiskurse zusammentreffen, sich profilieren und neu generieren (Bearbeitung des Materials auf Basis diskursanalytischer Interpretation). Für die Gegenwartsentwicklung werden Frauen mit dem Erfahrungshintergrund einer psychischen Erkrankung des Körpers um ihren sprechenden Beitrag gebeten ( Erstellung von Einzelfallstudien auf Basis hermeneutischer sowie szenisch-verstehender Interpretation der Erzählungen/Aussagen). Im Zentrum der Untersuchung stehen zuletzt die narrative Organisation der Selbst- und Fremderzählung und ihre Bedeutung für die Her- und Darstellung von Subjektivität.
- Universität Innsbruck - 100%