Koexistenz und Kooperation rivalisierender Paradigmen - von der Theorie zur Praxis. Begleitende vergleichende wissenschaftstheoretische und -methodologische Untersuchung
Koexistenz und Kooperation rivalisierender Paradigmen - von der Theorie zur Praxis. Begleitende vergleichende wissenschaftstheoretische und -methodologische Untersuchung
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Die gegenwärtigen `Nichtnaturwissenschaften` - darunter verstehen wir die Disziplinen außer den klassischen Naturwissenschaften Physik, Chemie, Biologie - sind von einem durchgehenden Theorienpluralismus geprägt. Darunter wird kein weltanschauliches`, sondern ein kognitiv ernstzunehmendes Phänomen verstanden: die langfristige Koexistenz rivalisierender Theorien. In geringerem Maße findet sich der Theorienpluralismus auch in den klassischen Naturwissenschaften, etwa in der Physik (z.B. Theorien der Entstehung des Universums) oder der Biologie. Der Theorienpluralismus wurde in der Wissenschaftstheorie bisher wenig untersucht. Wieso setzt sich hier nicht nach und nach eine überlegene vereinheitlichte Theorie durch - so wie es gemäß der wissenschaftstheoretischen Standardvorstellung zu erwarten wäre? Die Untersuchung des Theorienpluralismus ist das erste Hauptziel des SFB. Als Grund für den Theorienpluralismus in den Nichtnaturwissenschaften wird häufig die Tatsache geltend gemacht, dass die Theorien in diesem Bereich stark an Hintergrundparadigmen geknüpft sind, die aufgrund ihrer methodischen oder normativen Gegensätzlichkeit den Durchbruch zu einer Theorienvereinheitlichung nicht zulassen. Im Hintergrund des Theorienpluralismus steht also ein Paradigmenpluralismus. Die Untersuchung dieses Paradigmenpluralismus bildet daher das zweite Hauptziel dieses SFB. Durch die Untersuchung des Paradigmenpluralismus erhält die Problemstellung des SFB besondere Brisanz. Der Begriff des Paradigmas wurde ursprünglich von Kuhn (1967) in: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen mit Bezug auf die Naturwissenschaften entwickelt. Nun fand der Paradigmenbegriff jedoch erstens weitaus häufiger in den Nichtnaturwissenschaften Anklang, und zweitens trifft man in diesem Bereich zumeist - statt auf einen Kuhnschen Paradigmenwechsel - auf eine langfristige Koexistenz rivalisierender Paradigmen. Diese beiden Tatsachen - welche in der Wissenschaftstheorie ebenfalls bisher kaum untersucht wurden - stehen zum ursprünglichen Kuhnschen Paradigmenkonzept in gewissem Widerspruch und erfordern eine Neuinterpretation des Paradigmenbegriffs. Das Phänomen des Theorien- und Paradigmenpluralismus soll in den ersten vier Jahren des Gesamtprojekts in multi- und interdisziplinärer Weise, auf gegenwartsbezogener wie wissenschaftsgeschichtlicher Ebene, erforscht werden. Das nächste Etappenziel ist die Untersuchung der Koexistenzformen der rekonstruierten Theorien und Paradigmen der jeweiligen Fachlandschaft, wobei besonders die Frage des kognitiven Typs der Koexistenz im Vordergrund steht, wie etwa destruktive oder konstruktive Konkurrenz, wechselseitige Unvereinbarkeit oder Komplementarität und gegenseitige Ergänzung, gegenseitiger Ausschluss oder Kooperation? Alle diese Fragen wurden nicht nur auf wissenschaftstheoretischer Ebene, sondern auch auf wissenschaftssoziologischer Ebene von Scientific Communities bzw. Wissenschaftsschulen untersucht. Zugleich wird dadurch nach Antworten auf die allgemeine Frage nach (1) möglichen Ursachen des anhaltenden Theorien- und Paradigmenpluralismus gesucht, sowie (2) nach wissenschaftsorganisatorischen Konsequenzen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Ziel der Entwicklung von diszplinübergreifenden Kooperationsmodellen. Die Entwicklung dieser dsiziplinübergreifenden Kooperationsmodelle wird fortgesetzt, nämlich (1) im Sinne von integrativen Modellen und Brücken zwischen den einzelnen Projektteilen und (2) im Sinne von übergreifenden und vereinheitlichten Theorien und Paradigmen.
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Konsortiumsmitglied (03.05.1999 - 03.11.2002)
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