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Die Alpen im Frühmittelalter (500 - 800)

Die Alpen im Frühmittelalter (500 - 800)

Katharina Winckler (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/D4287
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 12.000 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (80%); Soziologie (10%); Wirtschaftswissenschaften (10%)

Keywords

    Alps, Transformation of the Roman World, Early middle Ages, Culture, Economy, Power Structures

Abstract

Diese Arbeit wählte einen neuen Ansatz, um die Alpen in den Jahren 500 bis 800 zu beschreiben: Anstatt die einzelnen Regionen von Ost nach West - oder umgekehrt - durchzugehen und eine Herrschaftsgeschichte nach der anderen zu schreiben, wurden die relevanten Strukturen erfasst - also Zugriff, Grenzen, Verkehrsrouten, Christentum, Besiedlung, Wirtschaft, regionale Methoden der Machtentfaltung und Identitätsspuren der Bevölkerung. Diese Strukturen wurden miteinander verglichen. Dadurch war es möglich, einen neuen Zugang zu der Transformation der römischen Welt in eine frühmittelalterliche auf alpinem Gebiet zu erlangen. Um das Jahr 500 war die Bevölkerung der Alpen noch eine typisch provinzialrömische, die zwar regionale Unterschiede aufwies, sich aber in wesentlichen Punkten ähnelte: Sprache, Recht, Religion (Christentum) und Sozialstruktur. Ab dem 6. Jh. änderten sich diese Verhältnisse. Zunächst schufen die neuen politischen Bedingungen neue Zugehörigkeiten, die die Alpenprovinzen ab dem 6. Jh. an den Norden, an die Reiche fränkischer Herrschaft angliederten. Es entstanden zahlreiche Grenzpunkte Richtung Süden und später auch Osten, wo sich ab etwa 600 das awarisch-slawische Reich erstreckte. Zeuge der nun entstandenen Grenzen sind zahlreiche Höhenfestungen, eigens eingesetzte Grenztruppen und Talsperren zur Sicherung des Territoriums und der Bevölkerung. Der geänderte Blick brachte auch einige römische Alpen-Topoi zum Verschwinden, etwa den Topos der lebensfeindlichen Alpen oder von dem Gebirge als Mauern Italiens. Weitere Änderungen betrafen die Übergänge. Aus unterschiedlichsten Gründen entstanden neue Wege und alte verloren an Wichtigkeit. Ein Beispiel ist der Mont Cenis, der vor allem aufgrund der wachsenden Pilgerströme von den britischen Inseln den wichtigen römischen Alpenübergang Montgenèvre ersetzte. In den zentralen Alpen erfreute sich Churrätien, nicht zuletzt durch die stabilen politischen Verhältnisse, einer großen Beliebtheit, während Übergänge östlich davon lediglich als Nebenwege wahrgenommen wurden. Ein großer Bruch für die alpinen Menschen bedeuteten die spätantiken Veränderungen der Siedlungsstrukturen, die in allen Provinzen des ehemaligen römischen Reiches stattfanden und auch in den Alpen beobachtet werden können: die alten römischen Städte verloren ihre Substanz und verschwanden teilweise ganz, währenddessen neue Zentren erschaffen wurden, allen voran die Klöster. Einst weniger wichtige Siedlungen, wie das antike Iuvavum/Salzburg, gewannen massiv an Bedeutung, während andere römische Städte wie Teurnia, Aguntum aber auch Octodurum vergingen. Allerdings blieben die jeweiligen Siedlungskammern stets bedeutend - es ging nur die antike Stadtstruktur unter. Eine große Rolle in der Veränderung dieser Siedlungsmuster spielte die Kirche, da Bischofssitze und Kirchen von bedeutenderen Heiligen einen Anziehungspunkt für die lokale Bevölkerung darstellten. Die großen Umwälzungen der spätantiken Wirtschaft betrafen vor allem den transalpinen Handel, da viele Produkte, wie Olivenöl, hochwertige Keramik, Salz und Getreide kaum mehr über die Alpen gebracht wurden. Die lokale Landwirtschaft hingegen, die nur wenig Überschuss für Grundbesitzer und Reisende produzierte, änderte sich zunächst noch wenig. Die Bewirtschaftung mehrerer Höhenstufen bis hin zu den Almen oberhalb der Baumgrenze wurzelt in römischer und vorrömischer Zeit und blieb auch im frühen Mittelalter bestehen. Eine Spezialisierung betraf nur ganz wenige landwirtschaftliche Produkte, beispielsweise Wein und vielleicht Käse oder Wolle. Die lokalen Herrschaftsstrukturen konnten sich in den West- und Zentralalpen kontinuierlich aus ihren spätantiken Wurzeln weiterentwickeln. Im 8. und beginnenden 9. Jh. sprachen die Menschen aus diesem Teil der Alpen immer noch eine romanische Sprache, waren christlich und lebten in einer stark geschichteten Gesellschaftsstruktur, die sich laut Quellen nach spätantiken Rechtsgewohnheiten richtete. Im Gegensatz dazu erlebten die Bewohner der Ostalpen einen deutlichen Kultursprung, denn hier wechselten die Sprache, Religion und die Machtverhältnisse fast gänzlich.

Forschungsstätte(n)
  • Stadt Wien - 100%

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