Handbuch der Kunstzitate in der deutschsprachigen Literatur der Moderne
Handbuch der Kunstzitate in der deutschsprachigen Literatur der Moderne
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
-
Literature,
Art History
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Diskussion zum Verhältnis von Literatur und Bildender Kunst unter dem Aspekt des pictorial` beziehungsweise iconic turn` sprunghaft entwickelt; ebenso vielfältig sind die Untersuchungen zum Verhältnis bestimmter Schriftsteller und Schriftstellerinnen zu ästhetischen Vor-Bildern`, zu den Wort-Bild-Gattungen wie der klassischen Bildbeschreibung, der Visuellen Poesie und des iconograph` oder zur literarischen Rezeption einzelner Kunstwerke. Zwischen der avancierten Intermedialitätstheorie und der Unzahl der Einzelstudien gibt es aber so etwas wie ein Missing Link - eine Dokumentation, die für eine bestimmte Epoche den Überblick über die poetische Bilderwahl` bietet und damit zeitgenössische Präferenzen für spezifische Bildspender` ebenso darstellt wie die Entwicklung der literarischen Rezeptionsgeschichte Bildender Kunst. Das ist das Ziel des vorliegenden Handbuchs. Es enthält Beiträge zu 250 Autorinnen und Autoren und präsentiert die Verweise auf reale` Kunstwerke in ihren Texten. Die Vielfalt der Bezüge von expliziter Ekphrase, Kommentar und Deutung bis hin zur Narrativierung des Bild-Sujets, zur lyrischen Assoziation und zum dramaturgischen Bild- Requisit wird unter den von Heide Eilert geprägten Oberbegriff des Kunstzitats` als poetischer Umcodierung nicht- literarischer Künste gefasst. Die Eingrenzung auf die Moderne folgt einerseits dem mediengeschichtlichen Umbruch im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts mit der durch die neuen Reproduktionsmöglichkeiten ausgelösten Vervielfachung intermedialer Kontakte`, andererseits der damit zusammenhängenden Zunahme selbstreflexiv- poetologischer Kunstzitation. Die Beschränkung auf deutschsprachige Literatur ergibt sich sowohl aus typischen Traditionslinien, zu denen die Wirkungsgeschichte von Winckelmann und Lessing ebenso gehört wie der modellbildende romantische Künstlerroman oder die sujetzentrierte realistische Bildbeschreibung; dazu kommt auch eine signifikante deutsche` Künstlerrezeption (etwa hinsichtlich Dürers, Böcklins oder Barlachs). Das Handbuch versteht sich in erster Linie als Kommentar und Anschauungshilfe zu den literarischen Texten; es dokumentiert die jeweils spezifische Funktion der Kunstzitate, stellt exemplarische Textstellen mit den Reproduktionen der betreffenden Kunstwerke zusammen und dokumentiert die wichtigsten Texte und die einschlägigen Titel der Sekundärliteratur. Damit erschließt es indirekt auch die Zitationsketten zu einzelnen Kunstwerken und den kulturgeschichtlichen Wechsel von Bildspendern`. Auf dieser Grundlage können künftig die individuellen Text-Galerien` mit der epochentypischen Kunstzitation kontextualisiert werden. Zudem macht das Register auf einen Blick ersichtlich, welche Kunstwerke von welchen Schriftstellern und Schriftstellerinnen zitiert` worden sind: Auf diese Weise lassen sich Rezeptionshäufigkeiten sofort ausmachen. Schließlich liefern die Reproduktionen auch eine Galerie der meistzitierten - und der entlegensten Vorlagen`. Das Handbuch stellt also die individuellen literarischen Bildermuseen vor; es liefert eine Vergleichsbasis für epochentypische Zitatverfahren und es dokumentiert die literarische Rezeptionsgeschichte, die als kongenialer Diskurs der Bilddeutung die Kunsthistorie begleitet.
- Universität Wien - 100%