Bildungsbenachteiligte Erwachsene - Basisbildung und das Potenzial der vitalen Teilhabe
Bildungsbenachteiligte Erwachsene - Basisbildung und das Potenzial der vitalen Teilhabe
Wissenschaftsdisziplinen
Erziehungswissenschaften (100%)
Keywords
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Basic Education,
Educational disadvantaged adults,
Didactic Research,
Teaching - Learning - Research
Die Habilitationsschrift nimmt den erwachsenenpädagogischen Teilbereich der Alpha-betisierungs- und Basisbildungsarbeit mit Erwachsenen in den Blick. Forschungsgegenstand sind Lehr-, Lern- und Bildungsprozesse in Basisbildungskursen. Fokussiert werden dabei Erwachsene, die Bildungsbenachteiligung erfahren haben und Basisbildungsbedarfe/-bedürfnisse aufweisen, sowie Kursleitende und deren Lehrhandeln. Die Forschungsarbeit geht zentral der pädagogischen Frage nach der Sichtbarkeit von Lehren, Lernen und Bildung nach und stellt die Frage, welche Chancen sich für Erwachsene, die Bildungsbenachteiligung erfahren haben, durch die Teilnahme an einem Basisbildungskurs tatsächlich eröffnen. Das Erkenntnisinteresse ist auf die Rekonstruktion subjektiver Handlungen und Deutungen der Teilnehmenden und Kursleitenden mit dem Ziel des Verstehens von Lehr-, Lern- und Bildungsprozessen in den untersuchten Basisbildungskursen gerichtet. Passend zu diesem subjektwissenschaftlichen Ansatz wurde der Forschungsarbeit der Forschungsansatz "Grounded Theory" zugrunde gelegt. Die qualitativ-empirische Forschungsarbeit fokussiert den Mikrokosmos Lehr-Lern-Situation und rekonstruiert innen liegende Befindlichkeiten, Handlungsbegründungen, Gefühle und Wahrnehmungen der Akteurinnen und Akteure im Lehr-Lern-Prozess. Im gegenstandsverankerten Erhebungs-, Interpretations- und Theoriebildungsprozess wurde folgendes Datenmaterial gesammelt und ausgewertet: " 24 episodische Interviews mit Kursteilnehmenden in zwei Basisbildungseinrichtungen " Neun leitfadengestützte Interviews mit Kursleitenden " Ein offenes Interview mit der Sozialarbeiterin, die in einer der Basisbildungseinrichtungen tätig ist " Datenerhebungen vor Ort, telefonisch und per E-Mail ca. ein Jahr nach der Durchführung der Interviews " Ein leitfadengestütztes Interview mit einem Vertreter des AMS (Arbeitsmarktservice) Die Darstellung der Interpretationsergebnisse folgt der im Auswertungsprozess vorgenommenen Strukturierung des Datenmaterials: " Gelungene Zugänge zum Basisbildungskurs " Lehrhandeln: Kursgeschehen aus der Perspektive der Kursleitenden " Lernprozesse: Kursgeschehen aus der Perspektive der Teilnehmenden " Effekte der Teilnahme und Bedingungen des Gelingens Resümierend kann festgehalten werden, dass aufmerksame Zuwendung und tragfähige Beziehungen als Kern des in den untersuchten Kursen vorgefundenen erwachsenenpädagogischen Handelns gelingende Basisbildungsprozesse ermöglichen. Die individuell abgestimmte Nutzen- und Ressourcenorientierung in Form von Abstimmungs- und Aushandlungsprozessen kann als Schlüssel für nachhaltiges Lernen verstanden werden. Die Kategorie Nachhaltigkeit bedeutet in der Basisbildung die Entwicklung von innerer Sicherheit im Lernen durch positiv verlaufende Lernprozesse. Im Ergebnis zeigt sich das in den Daten gegründete Phänomen der vitalen Teilhabe als gefühlsbetonte Reaktion von Teilnehmenden auf ihren Basisbildungskurs: Die Teilnahme ermöglicht einen Zuwachs an innerer Sicherheit durch die im Kurs erfahrene Stärkung. Gefühlte und tatsächliche Ausschlusserfahrungen werden begleitet bearbeitet und können so bewältigt werden (geteilte Perspektive in Episoden - "vor dem Kurs" und "seit Kursbeginn"). Die Erfahrungen von positiven Lernprozessen ermöglichen die Wahrnehmung von Lernen und Bildung als Wert an sich. Insgesamt verändern sich damit personenbezogene Voraussetzungen für die Beteiligung an Lernprozessen.
- Universität Klagenfurt - 100%