Das Nymphaeum Traiani in Ephesos
Das Nymphaeum Traiani in Ephesos
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (50%); Geschichte, Archäologie (50%)
Keywords
-
Archaeology,
Architectural History,
Roman Architecture,
Ephesus,
Roman Asia Minor,
Fountain Architecture
Im Jahr 1957 wurde in der Stadt Ephesos an der kleinasiatischen Westküste das sogenannte Nymphaeum Traiani ergraben. Es handelt sich dabei um eine monumentale Brunnenanlage, die direkt am Embolos, der sog. Kuretenstraße, im Zentrum der antiken Stadt lag und vom bedeutenden ephesischen Bürger Ti. Claudius Aristion und seiner Gattin Iulia Lydia Laterane zu Ehren Kaiser Traians am Beginn des 2. Jh.s n. Chr. errichtet wurde. Trotz der Bekanntheit und wissenschaftlichen Bedeutung des Bauwerks, das als modern aufgestellte Architekturprobe das Bild der ephesischen Ruinenlandschaft entscheidend mitprägt, blieb es bisher, abgesehen von einem vorläufigen Rekonstruktionsvorschlag, unpubliziert. Das Nymphaeum Traiani besitzt ein langrechteckiges Brunnenbecken, das an drei Seiten von einer etwa 9,50 m hohen, zweigeschoßigen Tabernakelfassade gerahmt war, in deren einzelnen, durch das verkröpfte Gebälk gebildeten Ädikulen Statuen aufgestellt waren. Dem eigentlichen Brunnenbecken war das Schöpfbecken vorgelagert. Der Bauinschrift zufolge bildete es den Endpunkt einer ebenfalls von Aristion und seiner Gattin gestifteten, etwa 35-40 km langen Fernwasserleitung. Mit dieser Publikation wird eine Neubearbeitung des Nymphaeum Traiani nach archäologischen und architekturhistorischen Fragestellungen vorgelegt. In einem einleitenden Teil werden Fragestellung und Methodik diskutiert und die bisherige Erforschung der Brunnenanlage dargelegt. Die im Abbildungsteil auch grafisch aufbereitete, steingerechte Rekonstruktion der Brunnenfassade wird im Rahmen des Kapitels "Baubeschreibung und Rekonstruktion" ausführlich argumentiert und erläutert. Bautechnische Überlegungen und Charakteristika sowie Fragen zum Entwurf der Anlage sind in einem technischen Teil anderen bislang erforschten römischen Gebäuden vor allem aus Kleinasien gegenübergestellt. Danach folgen Erläuterungen zur Stifterfamilie des Brunnens und seiner Bauornamentik im Vergleich zu anderen kaiserzeitlichen Bauten Kleinasiens. Ein weiteres Kapitel behandelt die Skulpturenausstattung der Fassade, welche als integraler Bestandteil des Gesamtkonzeptes zu interpretieren ist. Abschnitte zur Wasserführung innerhalb des Bauwerkes und späteren Veränderungen runden die Behandlung des Monuments ab. In einem übergreifenden Kapitel wird das Nymphaeum Traiani in den Gesamtzusammenhang von Fassadennymphaea und anderen Gebäuden mit Tabernakelarchitekturen aus dem Osten des Römischen Reiches eingeordnet. Abschließend wird das Nymphaeum in seinem kulturgeschichtlichen Kontext betrachtet: Die Verbindung von Statuenaufstellung und Tabernakelarchitektur ist eine der wesentlichen Funktionen des Bautypus "Fassadennymphäum": Innerhalb der Fassade konnten Statuen optisch und damit auch inhaltlich zu einander in Bezug gesetzt werden. Damit eigneten sich derartige Fassadennymphäen ideal für die architektonische Umsetzung inhaltlicher Botschaften von Selbstrepräsentation und Statusdarstellung der kleinasiatischen Eliten. Während der von den Stiftern errichtete Aquädukt sicherlich einen wichtigen Beitrag zur ephesischen Infrastruktur leistete, gilt dies nicht für das Nymphaeum Traiani selbst: Im Rahmen seiner architektonischen Gestaltung ist es nur sehr bedingt für die Entnahme von Trinkwasser geeignet. Es handelt sich vielmehr um ein Monument zu Ehren seiner Stifter, mit dem diese sowohl ihre Wohltäterschaft für die ephesische Bevölkerung als auch ihre Nähe zum Kaiserhaus sehr effektvoll in Szene setzen konnten.