Byzantinische Epigramme auf Ikonen und Objekten
Byzantinische Epigramme auf Ikonen und Objekten
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (10%); Kunstwissenschaften (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
-
Epigram,
Inscription,
Objects,
Poetry,
Icons
Die Byzantiner waren auf dem Gebiet der Epigrammatik besonders produktiv. Viele der byzantinischen Epigramme, die mitunter von beträchtlicher Länge sein können, sind tatsächlich auch noch in situ erhalten. Ihre Aufarbeitung zum Ziel setzt sich das auf vier Bände angelegte Projekt "Byzantinische Epigramme in inschriftlicher Überlieferung". Der zweite Band der Reihe ist byzantinischen Epigrammen auf Ikonen und Objekten der Kleinkunst gewidmet. Aus dem im Rahmen des Projekts definierten Untersuchungszeitraum (600 n. Chr. - 1500 n. Chr.) sind 67 Ikonen, 115 Metallobjekte, 34 Elfenbeine, 9 aus Holz gefertigte Objekte, 4 Steatitobjekte und 11 Textilien überliefert bzw. bekannt, die Verse als Inschriften tragen. Der vorliegende Band umfasst auch Addenda zu Band 1 (Byzantinische Epigramme auf Fresken und Mosaiken), insgesamt 33 Nummern. Im Addenda-Teil sind solche Epigramme ediert, die erst nach Drucklegung des ersten Bandes bekannt wurden, so etwa die Verse des Ignatios Diakonos zu den äsopischen Fabeln im Höhlenkomplex von Eski Gümü? (Kappadokien) oder die bislang unedierten metrischen Inschriften in der Kirche Timios Stauros tou Hagiasmati (Zypern). In der Einleitung wird auf die Spezifika der auf den erwähnten Objekten überlieferten Epigramme hingewiesen. Daneben wird auch auf Autoren, Metrik und Prosodie, Sprache, die Interaktion von Wort, Bild und Betrachter und paläographische Fragen eingegangen. Im Bereich der Metrik überwiegt wenig überraschend der byzantinische Zwölfsilber, nur ganz vereinzelt sind auch andere Metren anzutreffen. Der Großteil der Epigramme ist in der byzantinischen Hochsprache abgefasst, die über weite Strecken stark an Formulierungen der Hymnographie und Liturgie angelehnt ist. Mitunter sind aber auch volkssprachliche Formen nachweisbar, die - sofern sie sinnvolle Varianten darstellen - bei der Textkonstitution berücksichtigt werden. Für die zeitliche Einordnung der inschriftlichen Epigramme wird auch eine kurze paläographische Analyse geboten, die zum großen Teil auf der vorhandenen Sekundärliteratur fußt. Da für die Mehrheit der Inschriften die Majuskel verwendet wird, ist vom paläographischen Gesichtspunkt her oft nur eine grobe Datierung möglich; komplementär sind daher inhaltliche Kriterien heranzuziehen. Bemerkungen zur gelungenen oder teilweise abweichenden Interaktion von Wort und Bild, d.h. zwischen Epigramm und Dargestelltem, finden sich sowohl in der Einleitung als auch bei den einzelnen Lemmata, weiters in den das Projekt begleitenden Studien (vgl. Literaturverzeichnis). Der Hauptteil der Arbeit ist der kritischen Edition der Epigramme, deren deutscher Übersetzung und dem philologisch-sprachlichen sowie historisch-realienkundlichen Kommentar zu den einzelnen Stücken gewidmet. Daneben wird auch auf nur handschriftlich überlieferte Epigramme verwiesen, ebenso auf Parallelen, die sich innerhalb des inschriftlichen Epigrammmaterials auffinden lassen. Auf diese Weise sind wiederkehrende Strukturen bzw. Topoi aufzuspüren, etwa in Stifterpigrammen. Diese sind sowohl auf Ikonen - entweder auf der (Holz)ikone selbst oder auf ihrem Gold-/Silber-Beschlag - als auch auf Objekten der Kleinkunst angebracht, so auf Reliquiaren wie der bekannten Staurothek von Limburg. Indices zu Epigrammanfängen, griechischen Wörtern, biblischen, antiken und byzantinischen Stellen und ein allgemeiner Index zu Orten und Personen runden den Band ab. Zur optischen Veranschaulichung sind fast alle behandelten Epigramme auch bildlich in einem Tafelteil (Farbe und Schwarzweiß) dokumentiert. Durch das im vorliegenden Band präsentierte Material wird abermals die Bedeutung inschriftlicher Epigramme für die byzantinische Kultur unterstrichen.