Bauformen der Imagination. Ausschnitte einer Kulturgeschichte der architektonischen Phantasie
Bauformen der Imagination. Ausschnitte einer Kulturgeschichte der architektonischen Phantasie
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Architecture,
Literature,
Cyberspace,
Imaginary,
New Media
Die Verschränkung von Realem und Imaginärem schreitet in der Kulturtheorie wie in der Lebenswelt in erstaunlichem Tempo voran. In den Neuen Medien wie auch in den heutigen Metropolen spielt die Virtualisierung des (architektonischen) Raumes eine immer entscheidendere Rolle. Imaginäre Architektur wird in reale umgesetzt, reale ihrerseits zur Herstellung imaginärer Räume verwendet. Diese Durchlässigkeit folgt nicht immer aus der immanenten Logik (medien)technischer Entwicklung, sondern auch aus einer spezifisch künstlerischen Tradition und ist selbst Ergebnis kultureller Konstruktion. Entsprechend kann man die kulturelle Codierung der architektonischen Imagination als historischen Prozeß rekonstruieren und die Bauten als dessen Sedimentierung begreifen. Der Rückblick auf vergangene Architekturphantasien steht somit im Kontext einer noch ausstehenden Geschichte des Imaginären. Wie der Raum selbst so wird auch dessen architektonische Gestaltung nicht als starrer Hintergrund, sondern als gesellschaftlicher Prozeß, das Bauen als Plazierung von sozialen Gütern, Menschen und Orten verstanden. Im Sinne solcher soziokultureller Raumvorstellungen erscheint das Verhältnis von imaginierter und gebauter Architektur nicht als strenge Dichotomie, sondern als dialektische Wechselwirkung. Nicht nur die "soliden", sondern auch die vorgestellten Bauten sind Erinnerungsträger. Architekturvisionen als paradoxes Unterfangen, das Unsichtbare (als kollektiv Verdrängtes) sichtbar zu machen, sind ein signifikantes Element populärer Genres. In heutigen SF-Texten, SF-Filmen und in technisch- wissenschaftlichen Diskursen dient die Repräsentation digital erzeugter, virtueller Räume der Inszenierung innovativer Körper- und Subjektkonzepte ebenso wie apokalyptischer Prophetien. Architekturmetaphern strukturieren außerdem das Internet und transformieren es in einen "Cyberspace", der zwar erlebt und bewohnt, jedoch nie physisch betreten werden kann. Ähnliche Räume werden von Konstruktions- und Zeichenprogrammen erzeugt. Diese wiederum bilden die planerische Grundlage realer Bautätigkeit. Einmal mehr verbindet Simulation und Material ein gewundenes, aber undurchtrennbares Band. Architektur - als vorgestellte, erfahrene und erlebte - ist immer schon Teil sozialer und politischer (Trans)Formationen. Das Buch möchte einen Beitrag zu der Frage leisten, auf welche Art und Weise Repräsentationen (von Raum und Architektur) mit Bau- und Lebenspraxis verbunden sind. Welche Rolle spielt die architektonische Phantasie im Spannungsfeld von hierarchischen und heterarchischen Diskursen, von lokaler Tradition und globaler Modernisierung, in der Gefühlsstruktur heutiger Städte und Landschaften?