Oberungarn (Slowakei) in den Wiener Vormärz-Zeitschriften
Oberungarn (Slowakei) in den Wiener Vormärz-Zeitschriften
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (100%)
Keywords
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Vormärz-Forschung,
Bibliographik,
Viennensia,
Slovakistik,
Kulturgeschichte der k.k. Monarchie,
Mentalitätsgeschichte
Methodisch den bereits publizierten Bänden "Rußland in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz" (Wien 1990, 1998), "Polen und Ruthenen in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz" (Wien 1992) sowie dem 3. Teilband: "Die Südslaven in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz" (Wien 1994) folgend, liegt nun das slowakistische Material in Form einer kritischen Bestandsaufnahme, gegliedert nach den Sachgruppen: Literatur und Schrifttum - Sprachwissenschaften - Philosophie, Ästhetik, Rhetorik - Geschichte - Bildungsinstitutionen - Kunst - Religion - Recht - Landeskunde - Politische Ökonomie - Naturwissenschaften und Mathematik, vor. Wie in den vorangegangenen Bänden geht es nicht bloß um die Nennung von Beiträgen und Notizen über die diversen Sachgebiete, sondern es wurden Zitate ausgewählt, so daß auch diese Bibliographie einen tieferen Einblick in die Art und Weise, wie berichtet wurde, zu geben imstande ist. Der komparatistische Ansatz der Reihe - die Bände können als Lesebuch, Nachschlagewerk, Arbeitsbuch und weiterführende Quellensammlung benutzt werden - wird komplettiert, und es wird ein facettenreiches Bild vom überaus komplexen oberungarischen Kulturraum zur Zeit des Vormärz vermittelt. Das Gebiet, welches heute die Slowakische Republik umfaßt, war integraler Bestandteil des Königreiches Ungarn im Verband der Habsburgermonarchie ohne autonomen Status. In Komitaten verwaltet, wurde noch bis 1842 Latein als Verwaltungssprache verwendet. Die moderne slowakische Schriftsprache war erst im Entstehen, das Tschechische wurde vielfach, besonders von den Protestanten, noch als Büchersprache verwendet, ungarisch, deutsch, ruthenisch (ukrainisch) rumänisch, jiddisch und Romadialekt wurde von der jeweiligen Bevölkerungsgruppe gesprochen, wobei sowohl aus Wien als auch aus Buda-Pest Germanisierungs- bzw. Magyarisierungsdruck ausgeübt wurde. Die Bestandsaufnahme der Werke aus oberungarischen Verlagen, welche in den Wiener gelehrten Zeitschriften rezensiert bzw. angezeigt wurden, belegt zum Teil diese Vielsprachigkeit. Viel Aufmerksamkeit schenkten die Wiener Zeitschriften zu Beginn des 19. Jahrhunderts dem protestantischen Schulwesen in Oberungarn. Das Wiener Theater- und Musikleben hatte einen dominanten Einfluß auf die Preßburger Spielstätten und auf die Bühnen in den Komitatsstädten, dies illustrieren die kontinuierlichen Korrespondentenberichte in den Unterhaltungsblättern, vor allem in der "Theaterzeitung". Zahlreiche Nachrichten über Brandunglücke, Überschwemmungen, ja Hungersnöte geben Zeugnis von der tristen Lage der bäuerlichen Bevölkerung und auch der Städter, welche sich in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts verschlimmerte. Die vorliegende Arbeit erschließt neue Quellen für die Kultur- und Geistesgeschichte der Slowakei und Ungarns, die tschechische, deutsch/österreichische und neulateinische Literaturgeschichtsschreibung und Buchgeschichte, die Wiener Theater- und Musikgeschichte; nicht zuletzt können neue Einsichten zur Erklärung politischer Konflikte in der Vergangenheit und noch bestehender Ressentiments gewonnen werden. Kulturelle Verbindungen zwischen Wien und dem oberungarischen Raum werden offengelegt.