Österreichische Verwaltung und nationale Opposition in Veneteien 1859 - 1866
Österreichische Verwaltung und nationale Opposition in Veneteien 1859 - 1866
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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Habsburgermonarchie 1859-1866,
Venetien 1859 - 1866,
Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte
Untersucht werden die letzten Jahre der österreichischen Verwaltung in Venetien, zwischen dem Verlust der Lombardei 1859 und der Abtretung Venetiens im Jahre 1866. In den Mona-ten nach dem verlorenen Krieg von 1859 sah sich Kaiser Franz Joseph gezwungen, den Forde-rungen der ökonomischen Eliten nach politischer Partizipation im Zentrum des Reiches und in den Ländern zumindest teilweise nachzukommen. Die neue Führungsschicht strebte einen konstitutionellen Rahmen an, in dem die wichtigsten liberalen Grundwerte verwirklicht wer-den sollten und das Staatsganze auf eine neue Grundlage gestellt wurde. Die Gründung des Königreiches Italien im Frühjahr 1861 und die stärker werdende italienische Nationalbewe-gung waren große politische Herausforderungen an das multiethnisch und multikulturell ge-prägte Habsburgerreich. Während man zunächst mit polizeistaatlichen Methoden reagierte, entschloss man sich ab 1861 dazu, die vom Reichsrat in Wien verabschiedeten und vom libe-ralen Denken geprägten Gesetze größtenteils auch in Venetien in Kraft zu setzen und auch im Kampf gegen die staatsfeindliche Opposition rechtsstaatliche Kriterien zu beachten. Die kon-stitutionelle Entwicklung Venetiens stagnierte dagegen. Das in der Februarverfassung ver-sprochene Landesstatut wurde nicht verwirklicht, und die Aufgabe der Landesvertretung wur-de nur von den nicht mehr zeitgemäßen, weil von den alten Adels- und Patrizierfamilien do-minierten Kongregationen wahrgenommen. Sie wurden zwar durch die Erweiterung ihrer Kompetenzen aufgewertet, konnten aber letztlich eine moderne parlamentarische Vertretung nicht ersetzen. Damit erhielt die staatliche Lokalverwaltung eine Schlüsselposition. Der Kon-servatismus der Bürokratie wirkte bremsend auf die anstehende Modernisierung und verzöger-te weitreichende politische Reformen. Vor diesem Hintergrund wird versucht, die Ereignisse und Entwicklungen der Jahre 1859-1866 nachzuzeichnen. In den Schwerpunkten Bürokratie, Landesvertretung und Landesstatut, Kirche, Bildung und Kultur, politische Opposition, Emigration, Wirtschaft sowie Gesetzge-bung wird ein Bild des italienischen Kronlandes in den Jahren vor seiner Abtretung gegeben. Es zeigt sich, dass die von der Regierung in Wien angestrebte und immer wieder proklamierte Integration Venetiens in das politische System der Habsburgermonarchie letztlich nicht ge-lang. Nichtsdestotrotz prägte die österreichische Verwaltung in den sechs Jahrzehnten der Zugehörigkeit Venetiens zur Habsburgermonarchie die Geschichte und Kultur des Landes nachhaltig.