Die Logotherapie und Existenzanalyse Viktor E. Frankls (so die volle Bezeichnung) ist im Wesentlichen ein
medizinisch-psychotherapeutisches System, allerdings mit einem ausgeprägten philosophisch-theologischen
Menschen- und Weltbild. Die Sinnfrage des Lebens ist das zentrale Thema. Diese Studie will das Ganze des
Frankl`schen Systems erfassen und gliedert sich somit in (I.) einen historischen Teil (die Entstehung und
Entwicklung der Logotherapie), (II.) einen philosophischen Teil (Menschen- und Weltbild), (III.) den ausführlichen
klinischen Teil (Theorie und ansatzweise die Praxis) und (IV.) den theologischen Teil. In letzterem wird zunächst
versucht, das Religionsverständnis Frankls zu erfassen. Es erweist sich aufgrund der Über-Ich-Prägung
(psychologisch gesehen) und der Über-Sinn-Prägung (theologisch gesehen) als wenig brauchbar für praktisch-
therapeutische Zwecke. Aus diesem Grund wurde versucht, ein anderes Gottes und Religionsverständnis zu
konzipieren, das im Prinzip allgemein anwendbar sein soll. Es wurde ein "kosmisches Gottesverständnis" und ein
"individualisiertes Religionsverständnis" gewählt. Die Gesamtstudie will eine immanent kritische sein (das
Augenmerk ist auf system-eigene Widersprüche), weshalb neben dem nicht haltbaren Religionsverständnis die für
therapeutische Zwecke fehlende tiefendynamische Dimension angemahnt wird. Die positiven Aspekte der
Logotherapie (Sinnfindungsprinzipien, Freiheit der persönlichen Einstellung zu Lebensschicksalen; Individualität
und Unmittelbarkeit im therapeutischen Umgang z.B.) werden honoriert. Person und Werk Frankls werden in ihren
Stärken und Schwächen miteinander korreliert.