Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Abstract
Die Uraufführungen von Schönbergs 1. und 2. Streichquartett und der Kammersymphonie op. 9 markieren einen
Wendepunkt in der Entwicklung der musikalischen Moderne. Die Konzerte erregten 1907 und 1908 im Wiener
Publikum enorme Skandale. Die rund 140 hier gesammelten Reaktionen auf diese Veranstaltungen (sowie auf zwei
zeitlich benachbarte Konzerte) eröffnen einen Ausblick auf die keineswegs nur konservative Ausrichtung der
Musik-kritik und auf den ästhetischen Paradigmenwechsel, durch den Schönberg das Publikum mehr irritierte als
durch technische Innovation. Eine innere, un-bewusst wahrnehmbare Ordnung macht äußere Ordnung überflüssig.
Das Gedächtnis der Hörenden ist nicht länger wichtigster Adressat der Musik; die Formteile werden isoliert und
schließen sich nicht notwendig mehr zu einem nachvollziehbaren Verlauf zusammen.
Eine ausführliche Einleitung zur Dokumentation widmet sich dem Skandal als Phänomen moderner Öffentlichkeit,
dem Hergang der Ereignisse, der Wiener Kritikerszene, Schönbergs Traditionsverbundenheit in technischer
Hinsicht sowie den Auswirkungen seiner neuen Ästhetik auf die Gestaltung der aufgeführten Werke.