Mitteleuropäische Schulen III
Mitteleuropäische Schulen III
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
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Illuminierte Handschriften,
Österreichische Nationalbibliothek,
14. Jahrhundert,
Ostmitteleuropa
Ziel des Projektes ist die Erstellung eines kunsthistorischen Katalogs der illuminierten Handschriften böhmischer, mährischer, schlesischer oder ungarischer Provenienz aus den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Der für diesen Band zu bearbeitende Zeitraum umfaßt die Jahre von ca. 1350 - 1400. Es erwies sich als sinnvoll, jene Prachtcodices, die für Kaiser Wenzel IV. und seinen Hof bestimmt waren, für diesen Katalog auszuklammern und den Schwerpunkt der Katalogisierungsarbeiten auf die Gebrauchshandschriften dieser Periode zu legen - dazu zählen Meßbücher, Breviere, Bibeln, Universitätsschriften, theologische und medizinische Sammelhandschriften u.v.m.Viele dieser Handschriften sind bereits auf Papier geschrieben. Das hatte zur Folge, dass das Medium Buch erschwinglicher wurde, was sich oftmals auch in einfacherer künstlerischer Ausstattung (Federzeichnungen und Fleuronnée) niederschlug. Die Österreichische Nationalbibliothek ist durch die Fluchtbewegungen während der Hussitenkriege des 15. Jahrhunderts einerseits und durch die unter Josef II. vorgenommenen Klosteraufhebungen andererseits im Besitze zahlreicher ostmitteleuropäischer Kloster- und Universitätshandschriften, die diese Entwicklung beispielhaft belegen. Da die meisten Papierhandschriften entweder durch Wasserzeichen oder Schreiberdatierungen zeitlich gut einzuordnen sind, stellen sie für andere, undatierte Codices eine wichtige Grundlage dar. (Die erstmalige Veröffentlichung dieses Materials wird insofern auch ein wichtiges Hilfsmittel für Bibliothekare und Kunsthistoriker auf diesem Gebiet sein.) Repräsentative Codices weisen dagegen immer Pergament als Beschreibstoff auf und konkurrieren in der Qualität ihrer künstlerischen Ausstattung durchaus mit der höfischen Kunst, zumal ihre Besitzer oder Stifter dem Adelsstand zugehörten. Als glanzvolle Höhepunkte seien das Evangeliar des Johann von Troppau (Cod. 1182), eine unvollendete Bibel aus Mähren (Cod. 1189) und das Geraser Missale (Ser.n. 3516) genannt. Des weiteren konnte eine ikonographische Einführung in den spezifischen Heiligenkult der böhmischen Länder anhand umfassender Erläuterungen zu den Legenden und Heiligenviten im Krumauer Bildercodex (Cod. 380) gegeben und in nachfolgenden Katalogbeiträgen durch weitere Beispiele aus der betreffenden Kunstregion vertieft werden.