Eingeborene im Paradies
Eingeborene im Paradies
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Literaturwissenschaft,
Tourismus,
Kulturwissenschaft,
Fremdheit,
Alpen
Am Beginn der Habilitationsschrift steht ein methodologisches Einleitungskapitel, in dem versucht wird, einen kulturwissenschaftlichen Ansatz im Kontext der Interkulturellen Hermeneutik auf seine Nützlichkeit bei der konkreten Textanalyse und Interpretation hin zu überprüfen. Darauf folgt ein kulturgeschichtlicher Abriss zum Reisen in den Alpen, der den hohen Anteil der Künstler und Literaten in der Veränderung der Wahrnehmung des Alpenraumes vom locus horribilis zum locus amoenus sowie die Folgen der alpinistischen Eroberung verdeutlicht. Diese Eroberung führt über die Sommerfrische zum Massentourismus und prägt die Alpen bis heute als Lebensraum und Konfliktfeld oder in der Spannung von Sehnsuchtslandschaft und Erlebnisraum der modernen Freizeitgesellschaft. Ein weiterer Abschnitt bringt einen kursorischen Überblick über die Alpen als literarische Landschaft. Er beginnt mit Albrecht von Hallers "Die Alpen", reflektiert den Einfluss von Jean Jacques Rousseau und die Funktionalisierung der Alpen bei Ferdinand Raimund und Adalbert Stifter. Darüber hinaus gilt das Interesse der Trivialisierung des Alpenmythos in Johanna Spyris Heidi-Romanen, den Alpen als Projektionsfläche psychosozialer Prozesse (Arthur Schnitzler) und dem Berg als politischer Bühne bei Ödön von Horvth. Der Hauptteil besteht aus einem Kaleidoskop literarischer Einzelanalysen: die Zeitschrift "Simplicissimus" wird unter dem Aspekt einer Exotik der Nähe für eine Art literarischer Feldforschung für das Aufeinanderprallen von bäuerlichen, kleinbürgerlichen Verhaltensweisen und großbürgerlichem Habitus genützt. Reimmichls (d.i. Sebastian Rieger) Bedrohungsszenario in der Tradition des Kulturkampfes und Ludwig Thomas Warnung vor der Gefährdung altbayrischer Lebensart zeigen Stereotypisierungen und Polarisierungen, die auch heute in der Auseinandersetzung mit dem Massentourismus zu finden sind. Angesichts des Wirtschaftswunders und dem damit verbundenen Aufschwung ab den 50er Jahren wirft die Literatur immer wieder einen kritischen Blick auf die "Hinterbühne", hinter die Kulissen der heilen Welt der Tourismuswerbung, und stellt neben satirischerVerspottung auch die Leidensgeschichte der Akteure vor (Gstrein, Mitterer). Schließlich gilt das Interesse der Literatur auch der Entlarvung trivialer Muster und der Komplexität des Alpenmythos, seiner medialen und mentalen (Re)Produktion der Alpenlandschaft und ihrer Vermarktung (n.c. kaser, Jandl, Jelinek).