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Bevölkerungswissenschaft in Österreich in der Zwischenkriegszeit

Bevölkerungswissenschaft in Österreich in der Zwischenkriegszeit

Gudrun Exner (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/D3529
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Projektbeginn 05.05.2003
  • Projektende 12.02.2004
  • Bewilligungssumme 11.597 €

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (100%)

Abstract

Die Hauptzielsetzung der Studie lag angesichts des Fehlens systematischer Vorarbeiten in einer umfassenden Bestandsaufnahme und beschreibenden Darstellung jener Personen, Institutionen und Diskurse, welche den demographischen "Wissenschaftsbetrieb" in der Zwischenkriegszeit konstituierten. Einen Schwerpunkt der Untersuchung bildete die Fragestellung, inwieweit auch die österreichische Demographie den Weg für den Holocaust und die NS-Bevölkerungspolitik bis hin zum Euthanasieprogramm bereitete. Hier gelangten die Autoren zu folgenden Ergebnissen: Der demographische Diskurs dieser Zeit war frei von antisemitischen Inhalten. Belegbar dagegen ist das Eindringen eugenischen Gedankenguts vor allem von Seiten der medizinischen Wissenschaft und seine kritiklose Übernahme in die demographische Forschung. Der harte Kern der Fachdisziplin wurde von den beiden hauptberuflichen Bevölkerungsstatistikern Wilhelm Winkler und Wilhelm Hecke sowie der Abteilung Bevölkerungsstatistik am Bundesamt für Statistik und Winklers Institut für Statistik der Minderheitsvölker konstituiert. Daneben gab es bevölkerungswissenschaftlich interessierte Politiker und Vereinigungen, deren Hauptanliegen aber die Gesundheits- und Sozialpolitik war. Gesundheitsstadtrat Julius Tandler und die Österreichische Gesellschaft für Bevölkerungspolitik waren Träger des sozialen Reformprogramms des "Roten Wien". Hier waren am Rande auch Eugeniker wie Österreichs damals aktivster Rassenhygieniker Heinrich Reichel beteiligt. Im Vordergrund des demographischen Diskurses standen der Rückgang der Geburtenzahlen und die (vermeintliche) Bedrohung der Gesellschaft und Nation durch den Geburtenrückgang. Als Gegenmaßnahme wurde eine staatliche Familienpolitik gefordert, die auf die Erhöhung der Geburtenrate hinwirken sollte. Das alternative Konzept des Soziologen und Privatgelehrten Rudolf Goldscheid, die "Menschenökonomie", wurde dagegen nicht zur Kenntnis genommen.

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