Anthropologie der Gerechtigkeit: Band I und Band II
Anthropologie der Gerechtigkeit: Band I und Band II
Wissenschaftsdisziplinen
Soziologie (100%)
Keywords
-
Gerechtigkeit,
Karibikforschung,
Rechtsanthropologie,
Maroon-Recht,
Jamaica-Ghana,
Ethnohistorie
Gerechtigkeit ist in aller Munde. Ist das Konzept der Bindung des Rechts an Legitimität daher entwertet, inhaltlich unbestimmbar und folglich aufzugeben? Mit dem dreibändigen Werk einer "Anthropologie der Gerechtigkeit" verneint der Autor die Frage, indem er eine Begriffsbestimmung auf prozeduralistischer (und nicht inhaltlicher) Ebene übernimmt und versucht, diese auf eine empirische Basis zu stellen. Dafür scheint sich ganz besonders eine Gesellschaft anzubieten, die aus einer der extremsten und längsten Unterdrückungsverhältnisse geboren wurde: der Sklaverei. "Karibische Geschichtsschreibung" beginnt mit einem ominösen Datum: 1492. Der sogenannten Entdeckung der "Neuen Welt". Von der Kultur der Arawak, Kariben und anderer "indianischer" First Nations, die jahrtausendelang die Insel bewohnten, blieben nur wenige materielle Zeugnisse. Ihre bis zum Genozid ausgebeutete Arbeitskraft ersetzten die europäischen Okkupatoren durch versklavte AfrikanerInnen. In Jamaica schufen kleine Gruppen von entflohenen Versklavten - die Maroons genannt wurden - Gegenwelten zur systematischen Ungleichheit auf den Plantagen der Weißen. Ihre Formen und Praktiken der sozialen Kontrolle und Selbstbestimmung überlebten bis in die Gegenwart des postkolonialen Nationalstaates. Seit dem Friedensvertrag mit der britischen Krone im Jahr 1739 bildeten sie eine Art "Staat im Staat". Wie keine andere soziale Gruppe in der "Neuen Welt" vermochten sie ihr afrikanisches Wissen zur Neugestaltung von gesellschaftlicher Integration zu verwenden. Im Mittelpunkt des empirischen Interesses steht die Rekonstruktion des Rechts jener Maroons von Jamaica. Diese Publikation verfolgt die Zielsetzung, anhand dieses konkreten empirischen Beispiels, einen Entwurf einer "Anthropologie der Gerechtigkeit" vorzulegen, der sich um den inneren Zusammenhang von Recht und Gerechtigkeit bemüht. Dabei werden die diskurstheoretischen Überlegungen der Kritischen Theorie mit der praxeologischen Analyse konkreter sozialer Beziehungen verknüpft. Ethnologische Untersuchungen im Bereich der Felder von Politik und Recht (Politische Anthropologie und Rechtsanthropologie) sollen in diesem Sinne ihre kritischen Bezüge zur sozialen Praxis ausweisen können.