Religion nach der Religionskritik
Religion nach der Religionskritik
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
-
Religionsphilosophie,
Post-analytische Philosophie,
Pragmatismus,
Neopragmatismus,
Kritische Theorie,
Dekonstruktion
Die Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich aus unterschiedlichen philosophischen Perspektiven mit der Wiederkehr des Themas Religion "nach der Religionskritik". In den letzten Dekaden sind einige Grundelemente der Selbstartikulation der Moderne zum Gegenstand einlässiger Neubesichtigung geworden: zu diesen rethematisierten Theoriebausteinen zählt die - oft für endgültig erachtete - nachkantisch radikalisierte Religionskritik vom Feuerbachschen, Marxschen und Nietzscheschen Typ, bzw. vom Typus des szientistisch motivierten "Sinnlosigkeitsverdachts" gegenüber aller religiösen Rede. Der vorliegende Band dokumentiert das rezente Interesse an einer komplexeren (und weniger dismissiven) Theorie der Religion. An diesem Theorieprojekt arbeitet eine Reihe von Denkern, die im Zentrum nicht-marginaler Diskurse stehen: im Brennpunkt der spät-und postanalytischen Philosophie, des Kommunitarismus und der Dekonstruktion. Dem Konzept der Wiener Reihe. Themen der Philosophie folgend, stellt der vorliegende Band den sich neu formierenden Diskurs zur Religion durch Beiträgen einer internationalen Autorenschaft vor, die in deutscher oder englischer Sprache abgefaßt sind: Leitintention dabei ist, daß die hier versammelten Arbeiten keinen schulhomogenen Charakter haben, daß in ihnen vielmehr die unterschiedlichen religionsphilosophischen Ansätze der Gegenwartsphilosophie in ihrer Differenz sichtbar werden. Der vorliegende Band umfaßt drei Teile: Nach einem post-analytischen Auftakt (1), in dem Hilary Putnam (Harvard) für einen pluralistischen, zugleich aber nicht-relativistischen Zugang zum Thema Religion plädiert, beschäftigt sich der Teil "Nach der Religionskritik" - Zur Denktopologie der zeitgenössischen Religionsphilosophie (2) mit der Genese des zeitgenössischen Denkorts "Religion". (Die hier versammelten Beiträge stammen von Charles Taylor, Montreal; Onora ONeill, Oxford; und Robert Spaemann, Stuttgart.) Auf diesen problemsituierenden Abschnitt folgen im Teil 3, Unterschiedliche neue Zugänge, spätanalytische, (neo)pragmatische, an Wittgenstein orientierte, dem Denken der Kritischen Theorie nahestehende und dekonstruktive Untersuchungen zum Status religiöser Rede. (Die Autoren sind Winfried Löffler, Innsbruck; Friedo Ricken, München; Hans Julius Schneider, Potsdam; Steven Burnes, Halifax/Kanada und Rudolf Langthaler, Wien.) Vor allem der (nach-phänomenologisch)-dekonstruktive Blick auf das Thema Religion ist seit der Publikation von La Religion: Séminaire de Capri sous la direction des Jacques Derrida et Gianni Vattimo (Paris 1993; engl: Stanford/Oxford 1998; dt.: Frankfurt/Main 2001) von wachsender Aktualtität. Auf der Jahrestagung der American Society for Aesthetics fand im November 2000 eine facettenreiche - von Derridas Erwägungen zur Religion inspirierte - Debatte statt, die im vorliegenden Band im amerikanischen Original erstveröffentlicht wird. (Die Beiträge dieses Abschitts stammen von Monique Roelofs, Pittsburgh; Nicholas Wolterstorff, Yale; Casey Haskins, New York; Hent de Vries, Amsterdam, und Joseph Margolis, Philadelphia.) Die Publikation dieser Debatte erfolgt nicht zuletzt in der Hoffnung, daß es dadurch gelingen möge, den sich entfaltenden deutschsprachigen Diskurs zum Themenkreis "Wiederkehr der Religion in der Philosophie" ohne Zeitverzug an die im Entstehen begriffene internationale Diskussion anzubinden.