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Schönberg und Mozart. Aspekte einer Rezeptionsgeschichte

Schönberg und Mozart. Aspekte einer Rezeptionsgeschichte

Matthias Schmidt (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/D3416
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Projektbeginn 05.03.2002
  • Projektende 11.03.2004
  • Bewilligungssumme 8.684 €

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (100%)

Keywords

    SCHÖNBERG, MOZART, KLASSIK, MODERNE

Abstract

Schönbergs Komponieren stellt sich als komplexes Geflecht von rezeptionsgeschichtlich produktiven Rückgriffen auf die Überlieferung dar, in dessen Rahmen Mozart als Beispiel für eine legitimatorische, aber auch ungemein kreative Auseinandersetzung mit den eigenen kulturgeschichtlichen Voraussetzungen betrachtet werden kann. Schönberg hat zwar immer wieder selbst mit Nachdruck auf die Bedeutung Mozarts für sein eigenes Komponieren hingewiesen; und kaum eine Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts scheint ohne den Hinweis zumindest auf ein Nahverhältnis der "Wiener Schule" zur "Wiener Klassik" auszukommen. In der Wissenschaft lassen sich aber dennoch nur außerordentlich wenige Versuche nachweisen, detailliertere Erkenntnisse hierzu aus dem Notenbild selbst zu gewinnen. Ein bedeutsamer Grund für diesen Umstand ist, daß die Musik zwischen Mozart und Schönberg in ihrem klanglichen Erscheinungsbild von außerordentlichen Wandlungen geprägt wurde. Daß zwischen der Musik Mozarts und der Schönbergs die Symphonien Beethovens und Mahlers, die Streichquartette Schuberts und Brahms`, aber auch die Musikdramen Wagners liegen, drängt sich als klanglicher Erfahrungsunterschied, den Schönberg notwendig besaß, nachgerade auf. Und stilistische Übereinstimmungen oder eine Bezugnahme durch genau zuzuordnende Zitate, Allusionen oder Texturmodelle lassen sich kaum gewärtigen. Als tatsächliche Wirkungsträger der Mozartschen Musik hat Schönberg dagegen immer wieder musikalische "Gedanken" hervorgehoben. Eine bedeutsame Eigenschaft solcher "Gedanken" ist es Schönberg zufolge, daß sie vom jeweiligen Personal- oder Epochenstil unabhängige, abstrakte Strategien und Verfahrensweisen des Komponierens vermitteln, die nur in einer geschichtlich sich wandelnden Veranschaulichung Bedeutung entfalten können. Diese methodische Voraussetzung bedingt den Aufbau der Studie: Zunächst wird ein Überblick zu Aspekten insbesondere des Wiener Musikdenkens zwischen Mozart und Schönberg vermittelt, die Schönberg als Traditionsfermente kennengelernt hat (im abschließenden Kapitel noch einmal exemplarisch verdichtet auf den idelogiebelasteten Begriff der "Wiener Klassik"). Dabei geht es vor allem um verschiedene Gesichtspunkte der Mozart-Rezeption, die Schönbergs eigentümlichen Deutungsansatz beeinflußt haben. Danach werden die Grundzüge von Schönbergs Geschichtsbild im Allgemeinen und seine Äußerungen und Beschreibungen Mozarts im Besonderen dokumentiert. Wie Schönberg in eigenen Analysen sein Wissen um Mozarts Musik vermittelt hat und wie er (und sein Kreis) zur musikalischen Mozart-Interpretation seiner Zeit standen, führt die Arbeit in den Bereich der Kompositionspraxis. Ein Vergleich des zeit-räumlichen Strukturdenkens von Mozart und Schönberg geht der genauen Analyse vierer ausgewählter Werke Schönbergs voran, die zwischen den zwanziger und den vierziger Jahren entstanden sind und insbesondere Mozarts Wirkung auf Schönbergs Komponieren mit der Zwölftontechnik nachvollziehbar werden lassen. Das Ergebnis bildet eine kulturgeschichtliche Studie, die Schönbergs Denken als radikal der Tradition verpflichtetes analysiert, gerade in dieser Haltung aber zugleich wesentliche Elemente des innovativen Entwicklungspotentials der "Wiener Moderne" entdeckt.

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