Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Abstract
Druckkostenbeitrag D 3214Im Nebel. Georg Lukcs und WienKroly KKAI06.03.2000
Im Forschungsprojekt Georg Lukcs und Wien wurde das Verhältnis zwischen der intellektuellen Entwicklung des
jungen Georg Lukcs und der Kultur der Wiener Jahrhundertwende untersucht. Schwerpunkt war es daher, Lukcs`
Tätigkeit nach Aspekten zu untersuchen, welche mit der Wiener Kultur um 1900 in Zusammenhang stehen.
Als erstes wurde das über das Thema. `Lukcs und Wien` in der bisherigen Forschung Gesagte festgehalten. Es
wurde anschließend das methodische Vorgehen der als Standardwerke geltenden Kulturstudien über die Wiener
Jahrhundertwende skizziert und die Methode der vorliegenden Arbeit bestimmt. Die relevanten biographischen
Fakten wurden in den zwei Kapiteln über Lukcs` Leben und über seine Ausbildung mit Schwerpunkt auf der Frage
nach der Vermittlung der Probleme der zeitgenössischen österreichischen Philosophie an ihn - festgehalten.
Wesentlich erscheint die Wirkung von Rudolf Kassner auf Lukcs` Denken um 1910 zu sein. Eine zentrale Stelle
nehmen Lukcs` literaturkritische Texte über das moderne österreichische Drama und insbesondere über die
Literatur von Arthur Schnitzler und Richard Beer-Hofmann ein. Die in diesen Texten entwickelten Theorien
wurden von Lukcs in einer Diskussion mit Mihly Babits bzw. im Text Ästhetische Kultur präzisiert.
Anschliegend wurden die für die Fragestellung des Projekts relevanten Thesen von Lukcs` Heidelberger
ästhetischen Schriften analysiert. Die Einsicht in die in Lukcs-Texten erscheinenden Theorien, welche im
Forschungsprojekt mit den soeben aufgezählten Schritten gewonnen worden ist, wurde mit Überlegungen zur
`jüdischen Frage` bzw. mit der Analyse der Begriffe `Liberalismus`, `Kultur` und `Moderne` vertieft. Gleichzeitig
wurde Lukcs` Tätigkeit in den Kontext von `Mitteleuropa` gesetzt. Abschließend wurde die Frage beantwortet,
welche Bedeutung Lukcs` Verhältnis zu Wien für seine weitere Entwicklung hatte.
Ergebnis des Projektes ist die Einsicht, daß Georg Lukcs im Kontext von Modernität und Mitteleuropa betrachtet
werden muß, um seine Tätigkeit, und auch ganz konkret seine einzelnen Texte verstehen zu können. Berücksichtigt
man sein widersprüchliches Verhältnis zu Wien um 1900, zur Moderne und zu Mitteleuropa nicht, bleibt er ein
verirrter Einzelner. Ein weiteres, und vielleicht noch bedeutenderes Ergebnis ist: Stellt man Lukcs in den
Zusammenhang mit jenen geistesgeschichtlichen. Erscheinungen, gewinnen diese Erscheinungen selbst an
Dimensionen, welche ihr Verstehen erst ermöglichen.