Tiere im Leben der alten Kulturen. Schriftlose Kulturen, Alter Orient, Ägypten, Griechenland und Rom
Tiere im Leben der alten Kulturen. Schriftlose Kulturen, Alter Orient, Ägypten, Griechenland und Rom
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
MENSCH-TIER-BEZIEHUNG,
TIER (HISTORISCH),
TIEROPFER,
KULTURVERGLEICH,
ETHIK,
ALTERTUM
Druckkostenbeitrag D 3194Günther Lorenz "Tiere im Leben der alten Kulturen"Ingomar WEILER24.01.2000 Thema des Buches ist die Mensch-Tier-Beziehung im Rahmen jenes großen Kulturzusammenhangs, der aus der Vorgeschichte über die frühen Schriftkulturen des Alten Orients und Ägyptens bis zur griechisch-römischen Antike reicht; für die schriftlose Phase der Menschheitsgeschichte wird auch ethnologisches Material herangezogen. Obwohl die Geschichte der Tiernutzung als Basiswissen geboten wird, gilt doch den Vorstellungen vom Leben und Wesen der Tiere und der emotionalen Beziehung zum Tier ein tieferes Interesse. Die Neigung, menschliches Fühlen und Denken in Tiere spontan hineinzuprojizieren (negativ greifbar in Tierstrafen) , wird als anthropologische Grundkonstante betrachtet und mit gegenläufigen Entwicklungen konfrontiert - darunter dem Versuch der antiken Philosophen, eine generelle Grenze zwischen Mensch und Tier zu ziehen, was wiederum ethische Implikationen hat. Weiters informiert das Buch über die Entfaltung des zoologischen Wissens, über Seelenlehren und magische Vorstellungen. Tiertötungsrituale und die Kritik daran sowie Ansätze für Sympathie und Empathie, Tierschutz und Zeugnisse künstlerischer Einfühlung in Tiere bilden den Stoff des dritten Hauptteils. Das Buch ist im Sinne von Alltags- und Mentalitätsgeschichte angelegt und geht deshalb bewußt von der Gliederung des Stoffes nach zoologischen Arten ab; es konzentriert sich hingegen auf historische Gegebenheiten, die sich konkret in der realen Mensch-Tier-Beziehung ausgewirkt haben: Symbolbedeutungen von Tieren, Tiermythen und Fabeln bleiben daher weitgehend außer Betracht. Was bei lexikalischer Detailinformation leicht verloren geht, wird wiederholt angesprochen, nämlich Standort und Perspektive wichtiger Quellenzeugnisse, etwa im Sinne der historisch-analytischen Betrachtung des Alten Testaments. So wird keine statische Typisierung der einzelnen Kulturen geboten, sondern deren geschichtlicher Wandel berücksichtigt. Die Aspekte der Mensch-Tier-Beziehung sind in den Gesamtkontext der behandelten Kulturen, Epochen und Religionen eingearbeitet: etwa die Frage nach dem unterschiedlichen Stellenwert der Jagd in der Vorgeschichte, im Orient und in Hellas, wo sie lange eng mit der Initiation und entsprechenden Gottheiten verbunden war. Die priesterlichen Normen für Tieropfer und Tiernutzung im Alten Israel werden in ihrer identitätsstiftenden Funktion gesehen; andere Abschnitte befassen sich mit den soziokulturellen Voraussetzungen für die Vivisektion in der hellenistisch-kaiserzeitlichen Medizin oder mit der Bedeutung der stoischen Tierpsychologie für theologische Grundpositionen des antiken Christentums. Bei der Diskussion der Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den alten Kulturen ergeben sich unter anderem starke Indizien, daß das alte Hellas Tiertötungsrituale, magische Tabus und ähnliches aus dem syrisch-kilikisch- kyprischen Orient und aus Ägypten übernommen und teilweise neu gedeutet hat.
- Günther Lorenz, Universität Innsbruck , assoziierte:r Forschungspartner:in