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Abstract
Druckkostenbeitrag D 3179Johann Bernhardt Staudt, Mulier fortis (DTÖ Band 152)Walter PASS24.01.2000
Mulier fortis" von Johann Bernhardt Staudt zähIt zu den bedeutendsten Wiener Jesuitendramen und stammt aus der
Blütezeit dieser Gattung unter Leopold I. Interessant ist bei diesem Werk jedoch vor allem das Sujet und der Ort
der Handlung: die Darstellung eines idealen Christenmenschen anhand des Lebens und Leidens einer japanischen
[!] Prinzessin und Märtyrerin, der auch historisch verbürgten Gratia. Hosokawa (siehe die religionsgeschichtliche
Einleitung von Thomas Immoos). Obwohl zu dieser Zeit die Japan-Mission der Jesuiten bereits angelaufen war,
fällt dieses Land doch aus den im Hochbarock in der Musik, wie auch im Bereich des Theater bzw. der Bildenden
Kunst üblichen Exotika-Bereichen (Amerika, Indien, der Orient oder Schwarzafrika hingegen waren die
gebräuchliche Sujets). Daß jedoch eine Frau im Mittelpunkt der Handlung steht ist im Barock nicht die Ausnahme,
sondern eher die Regel. Sie sind nicht selten auch als Vorbilder im Glauben in Jesuiten- bzw. anderen geistlichen
Dramen der Zeit zu finden, entsprach doch die Mulier fortis dem Frauentypus aer Neuzeit bis ca. zur Mitte des 18.
Jahrhunderts.
Die Auführung der Mulier Fortis im Proreßhausgymnasium der Jesuiten Am Hof am Ignatiustag (31. Juli) 1698
ging unter den Auspizien eines Ludus caesareus (d.h. unter Anwesenheit von Kaiser und Kaiserin), mit seinen
Implikationen vom vordergründig pädagogischen und pastoralen Aspekt bis zur welt- und kirchenpolitischen
Dimension, vor sich.
Im Gegensatz zu dem schon früher in den DTÖ veröffentlichten "Ferdinandus Quintus" des selben Komponisten
(Band 132) ist der Musikanteil der "Mulier fortis" eher gering, lebt dieses Stück v.a. von seinen Texten, welche zur
besseren Betonung und Akzentuierung mit Musik unterlegt wurden. Aus diesem Grund wurde bei der vorliegenden
Edition Noten- und Textteil getrennt und das lateinische Libretto vollständig in deutsche Sprache übersetzt - auch
um nicht versierten Latinisten einen Eindruck der Sprachlichkeit der Jesuitendramen vermitteln zu können.
Die Herausgeber dieses Bandes, Walter Pass und Fumiko Niiyama-Kalicki, arbeiten seit Jahren an einem Projekt
zur Erforschung der japanisch-österreichischen Beziehungen in Geschichte und Gegenwart. Das vorliegende
Jesuitendrama zählt zu einern der frühesten Zeugnisse der Japan-Rezeption auf dem Gebiete der Musik.