Außenpolitische Dokumente der Republik Österreich 1918 bis 1938 (ADÖ) Band 5: Unter der Finanzkontrolle des Völkerbundes 7. Dezember 1922 bis 15. Juni 1926
Außenpolitische Dokumente der Republik Österreich 1918 bis 1938 (ADÖ) Band 5: Unter der Finanzkontrolle des Völkerbundes 7. Dezember 1922 bis 15. Juni 1926
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Druckkostenbeitrag D 3161ADÖ, Bd. 5Klaus KOCH, Walter RAUSCHER, Arnold SUPPAN29.11.1999 Die ersten Jahre nach Abschluß der innenpolitisch so umstrittenen Genfer Protokolle standen ganz im. Zeichen, den österreichischen Staat wirtschaftlich zu sanieren und wiederaufzubauen. Ignaz Seipels Bemühungen um die Staatssanierung und seine "Politik der Freundschaft nach allen Seiten" führten in den Jahren nach Abschluß der Genfer Protokolle österreichische Regierungschefs und Minister nach Budapest, Paris, London, Belgrad, Rom, Warschau, Bukarest, Genf Bern und Berlin, während auch Wien von zahlreichen wichtigen ausländischen Staatsmännem besucht wurde. Die Ergebnisse dieser Reisediplomatie fielen im allgerneinen eher bescheiden aus. Meist dienten sie dem Abschluß von Schiedsgerichtsverträgen und handelspolitischen Erleichterungen, die der östeffeichischen Wirtschaft angesichts des Protektionismus der Nachfolgestaaten. jedoch keinen entscheidenden Nutzen brachten. Sein Nachfolger, der Salzburger Abgeordnete Rudolf Ramek, sollte schließlich vom 20. November 1924 bis zum. 20. Oktober 1926 amtieren. Nach der Sanierung von Budget und Währung nahm die Bundesregierung verstärkt eine Handelspolitik im Sinne des Freihandels mit Hilfe von Handelsverträgen auf Basis der Meistbegünstigung in Angriff. Bis zur großen Depression wollte man von protektionistischen Maßnahmen nichts wissen. Die Wirtschaft der Alpenrepublik zeigte sich bis 1929 einerseits am billigen Import von Lebensmitteln, Brenn- und Rohstoffen sowie andererseits am erleichterten Export von industriellen. Erzeuguissen und an der Förderung der Bundeshauptstadt als Handelszentrum. interessiert. Aufgrund der durch steigende Arbeitslosigkeit und die Absperrungspolitik der Nachbarn wirtschaftlich nach wie vor mißlichen Situation ließ der Völkerbund prüfen, ob die Saniernug in Österreich als beendet betrachtet werden konnte. Der Bericht des Völkerbundes vom September 1925 hielt Österreich demnach für lebensfähig, wies allerdings gleicbzeitig daraufhin, daß die Alpenrepublik ganz besonders an den Problemen der neuen Ordnung in Mitteleuropa zu leiden habe und sprach sich daher für dessen Eintritt in ein größeres Wirtschaftsgebiet aus. Genf sicherte darauf noch im selben Monat zu, daß Generalkommissär Zimmermann Anfang 1926 seine Kontrolle auf die für die Völkerbundanleihe verpfändeten Staatseinnahmen beschränken und nach Erledigung des neuen Budgets und der Genehmigung des Rechnungsabschlusses für 1925 seine Tätigkeit in der Bundeshauptstadt einstellen werde. Am 9. Juni 1926 erkannte der Völkerbundrat die finanzielle Stabilität Österreichs endlich als gesichert an und rief demzufolge Zimmermann mit 30. Juni desselben Jahres ab. Die Sanierung Österreichs war somit am 30. Juni 1926 im wesentlichen abgeschlossen. Die schleichende Wirtschaftskrise in Europa, das Mißtrauen der Nachfolgestaaten der Habsburgermonarchie und deren Unfähigkeit zu wirklich konstruktiver Zusammenarbeit vor allem. in ökonomischer Hinsicht stellten die Pariser Nachkriegsordnung jedoch erst recht wieder - gerade auch, was die Position der Alpenrepublik betraf in Frage.
- Klaus Koch, Forschungsstelle Josefsplatz , assoziierte:r Forschungspartner:in