A Maya Palace in Mexico; Structure IV at Becan - Campeche
A Maya Palace in Mexico; Structure IV at Becan - Campeche
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (100%)
Es gibt mehrere sehr komplexe mehrgeschoßige und vielräumige Paläste mit bis zu 90 Räumen in der Maya-Kultur aus der Zeit der späten Maya-Klassik. Bauwerk IV in Becan ist einer dieser Paläste. Eine so komplexe Architektur soll in dieser Arbeit erstmalig in der Maya-Forschung möglichst vollständig exemplarisch dargestellt und zeichnerisch rekonstruiert werden. Mit Hilfe einer Kombination aus traditioneller und moderner geodätischer Vermessungstechnik wurde der Gebäudekomplex erfaßt. Die anschließende Analyse seiner Form und Konstruktion soll Indizien über die Art seiner Planung und seine Nutzung ergeben. Die letzte Bauphase dieses Palastes in Becan wurde in mehreren Grabungskampagnen durch Archäologen vollständig erschlossen und der Bestand weitgehend konsolidiert. Alle heute sichtbaren Bauteile dürften aus der Zeit der Maya-Spätklassik stammen. Das vollständig überbaute kleinere aber doch über 16m hohe vorklassische Vorgängerbauwerk war nur für eine kurze Zeit partiell freigelegt und ist dann nach seiner Dokumentation wieder mit dem Material der letzten Phase zugeschüttet worden. Das Gebäude wird zunächst durch alle Stockwerke an Hand der Pläne möglichst vollständig beschrieben und die Rekonstruktion fehlender Teile diskutiert. Die Art der zeichnerischen Darstellung differenziert zwischen Bestand und induktiv geschlossener (strichlierte Linie) und hypothetischer (punktierte Linie) Ergänzung. Die Dokumentation der Architektur des Bauwerks IV von Becan umfaßt ca. 150 maßstäbliche Architekturzeichnungen und eine begleitende textliche Diskussion und Beschreibung. Ergänzt wird sie durch etwa 50 Fotografien als Beleg. Danach folgt eine systematische Zerlegung der Architektur des Palastes in Architekturelemente unterschiedlicher Größenordnung. Es werden fünf vollständige Beschreibungen des Bauwerks mit fünf Serien unterschiedlich großer Architekturelemente vorgenommen. Die unterschiedlichen Elementgrößen ergeben so in fünf Beschreibungsebenen jeweils ein verschieden fein strukturiertes Bild der selben Architektur - von der Grobbeschreibung bis zur Feinstruktur des verwendeten Baumaterials. Der Beschreibung bzw. Rekonstruktion der Bauform folgen die Analyse der Gebäudekonstruktion und der Funktion der Architekturelemente nach dem gleichen System. Durch die systematische Bearbeitung wurden etliche Zusammenhänge zwischen der Architekturform und der Konstruktion aufgedeckt. Auch Abhängigkeiten zwischen der Architekturform und ihrer Funktion ließen sich ableiten. Das Studium der äußeren Form des Palastes ergibt, daß die Symmetrie der Fassaden intendiert war. Ein Vergleich dieser Fassaden mit den Grundrissen und Schnitten zeigt, daß die Architektur hinter den Fassaden oft aus funktionellen oder konstruktiven Gründen asymmetrisch ist. Die Untersuchung ergab weiters, daß der Palast eine ganze Reihe von Bauphasen hatte. Eine Zeitlang dürfte der Bau in der zweiten Phase aus zwei unabhängigen Gebäudeteilen bestanden haben. In der dritten Bauphase wurden zumindest die oberen zwei Geschosse des Palastes sehr komplex räumlich ineinandergreifend und raumökonomisch geplant und realisiert. Vielleicht hat man in der Maya-Klassik solche Architektur an Hand eines mehrteiligen Tonmodells geplant. Ein solches Modell könnte das über mehrere Stockwerksebenen reichende dreidimensionale Konzept des Palastes bereits vor dem Bau veranschaulicht haben. Eine Untersuchung der Symmetrieachsen der unterschiedlichen Bauabschnitte brachte zwei markante Schnittpunkte. Vielleicht könnten archäologische Grabungen an diesen Stellen deren Bedeutung klären. Die angewandte Art der Vermessung, Dokumentation und Untersuchung des Palastes könnte vielleicht ein Modell für die Bearbeitung anderer ähnlich komplexer Maya-Paläste sein.