Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Abstract
Der Katalog "Die Handschriften des Benediktinerstiftes Michaelbeuern bis 1600" bietet Beschreibungen von 127
Katalognummern. Der überwiegende Teil gehört dem 15. Jh. an, etwa 5% datieren in die Zeit vor 1400, darunter
einige wichtige Fragmente aus dem 9. Jh. Der Bestand der Bibliothek des 12.-14. Jh. muß anhand der Fragmente
rekonstruiert werden. Die ansteigende Handschriftenproduktion des 15. Jh. steht in Zusammenhang mit der 1434 in
Michaelbeuern durchgeführten Melker Reform.
Inhaltlichen Schwerpunkt der Stiftsbibliothek bilden lateinische theologische Gebrauchshandschriften mit
homiletischem, aszetischem und hagiographischem Charakter. Der Anteil der volkssprachlichen Texte ist im
Vergleich dazu gering. Etwa ein Drittel der Codices ist mit Sicherheit im Michaelbeurer Skriptorium des 15. Jh.
entstanden, zahlreiche Schreibernamen konnten eruiert werden. Auch durch Kontakte über benachbarte Klöster und
Stifte gelangten zahlreiche Handschriften in die Bibliothek. Das Stift besitzt drei Codices, die aufgrund ihres
Buchschmuckes zu den repräsentativen Handschriften gezählt werden dürfen: die Walther-Bibel, ein vom
Michaelbeurer Mönch Leonardus Pictor gefertigtes Graduale aus dem 15. Jh. sowie eine von Ulrich Schreier
illuminierte Gebetssammlung. Ab der Mitte des 15. Jh. verfügte das Stift über eine eigene Buchbinderwerkstätte,
die ab den achtziger Jahren des 15. Jh. auch eigene Stempel verwendete.
- Beatrix Koll, assoziierte:r Forschungspartner:in