Das Buch greift ein für die unterschiedliche kulturhistorische Prägung der Gesellschaften im mediterranen, im
westlichen und im östlichen Europa sehr wichtiges Element heraus: das Erbsystem im nichtstädtischen Milieu. Es
bestehen bereits viele Untersuchungen der Erbmuster und -varianten für das westliche und mediterrane Europa; für
das östliche Europa liegt noch keine übersichtliche, analytische Gesamtdarstellung vor. Auf der Grundlage des
gegenwärtigen Forschungsstandes zeigt sich im gesamten östlichen Europa die klare Dominanz eines Erbmusters,
das auf dem gleichberechtigten Männererbe unter Ausschuß der Frauen und Töchter beruht. Dieses Erbmuster, das
historisch auf bestimmte Formen der geschlechtsspezifischen Arbeitsorganisation zurückzuführen sein dürfte,
bestimmte - wie im Untertitel angedeutet - Geschlechterbeziehungen, Besitzverhältnisse sowie Familienstrukturen
entscheidend mit. Besonderes Augenmerk wird auf die Rekonstruktion der Übergangszonen zum westlichen und
mediterranen Europa gelegt. Erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts tritt dieses traditionelle Muster durch den Einfluß
der modernen Gesetzgebung in den Hintergrund.
In der Einleitung wird der Forschungsstand zusammengefaßt; das erste Kapitel skizziert die drei großen
Erbrechtszonen Europas; im dritten Kapitel werden die wichtigsten Auswirkungen dieses Erbmusters auf die
Gesellschaften des östlichen Europa untersucht. Das Erbmuster wies Varianten auf, die von den unterschiedlichen
Milieus, in denen es sich entfaltete, geformt wurden. Dem wird im vierten Kapitel nachgegangen. Die Ergebnisse
des Buches werden eine Neubewertung der Sozialgeschichte Osteuropas ermöglichen und eine solide Grundlage für
weiterführende Detailforschungen darstellen.