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Neue Forschungen und Restaurierungen im byzantinischen Kaiserpalast von Instanbul

Neue Forschungen und Restaurierungen im byzantinischen Kaiserpalast von Instanbul

Werner Jobst (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/D2995
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Projektbeginn 12.10.1998
  • Projektende 21.09.1999
  • Bewilligungssumme 3.852 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Abstract

Kurzfassung der Beiträge: 1) E. Bolognesi Recchi-Franceschini, The Great Palace of Constantinople: Auf der Basis von Karten und Untersuchungen von E. Mamboury und Th. Wiegand (1934, resp. 1937) wurde versucht, die Höhenlage der einzelnen Grabungsgebiete zu untersuchen. Dabei konnten auf der oberen und unteren Palastterrasse jeweils kleinere Terrassen bei 21m, 26m und 31m über Meereshöhe bzw. bei 16, 10m und 6m über dem Meer entsprechend den Substruktionen festgestellt werden. Zusätzlich läßt sich anhand der antiken Quellen zum Palastgebiet ein deutlicher Wandel vom römischen Palast zur byzantinischen Kaiserresidenz erkennen, deren Hauptaufgabe die Inszenierung imperialer Macht darstellt. Im Zuge dieser Erscheinung wird der ältere Zugang zum, Palast verlegt. An seiner Stelle tritt ein gestaffelter Zugang durch das Chalke-Tor, über die Büros des Zeremonienmeisters und die kaiserliche Ehrentribüne im Hippodrom. 2) E. Bolognesi Recchi-Franceschini, The Great Palace Survey. The first season: Wesentliches Ziel dieses Surveys war die Erstellung eines Höhenschichtenplanes vom Areal der Kaiserpaläste. Auf der Basis dieser neuen Karte erfolgte die Untersuchung des Geländes nach unterschiedlichen Horizonten der Palastanlagen; Die bereits bekannten Hauptterrassen konnten dabei in jeweils drei kleinere Terrassen bei 21, 26m und 31m über Meereshöhe entsprechend den Substruktionen gegliedert werden. 3) H. Hunger, Das Auge der Welt. Enkomion auf Istanbul aus der Sicht des Byzantinisten: Die Bezeichnung Auge der Welt gibt am treffendsten die Bedeutung Konstantinopels wieder. Im antiken Sprachgebrauch steht unter anderem das Auge für das Antlitz bzw. den gesamten Körper. Wie das Auge das wichtigste Organ ist, so bildet Konstantinopel den Mittelpunkt des Reiches. Dieser zentralistische Gedanke wird besonders bei der Thronnachfolge deutlich. Erst wer in der Hauptstadt anerkannt wird, ist Kaiser. Darüber hinaus ließ sich das Leben in Konstantinopel an Pracht und Luxus mit keinem anderen Platz des Reiches vergleichen. Diese Position hielt sich auch mit leichten Abwandlungen nach der osmanischen Eroberung 1453. Die Anziehungskraft für Menschen unterschiedlichster Herkunft, sozialer Stellung und Berufe blieb ungebrochen. Von all dieser Pracht sind nur geringe Spuren erhalten. Um so mehr sind neue Forschungen und Ausgrabungen, wie jene am Kaiserpalast, unter der Kalenderhane Camii und bei der Kirche der Julia Anikia u.a., die die alte Pracht wieder ans Licht bringen, äußerst zu begrüßen. 4) Ü. Izmirligil, Istanbul Bisans mirasin korunmasi ve onariminda restorasyon ve konservasyon merkez laboratuvari: 1984 wurde Istanbul von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen und der Palasthügel im heutigen Stadtteil Sultanahmet zur archäologischen Schutzzone erklärt (Archäologischer Park). Auf Grund der zunehmenden Zerstörungsgefahren des archäologischen Erbes wurde das staatliche Konservierungs- und Restaurierungslaboratorium gegründet, dessen Tätigkeit in diesem Beitrag vorgestellt wird. Das Projekt "Palastmosaik" wird dabei als Beispiel eines Modellprojektes vorgestellt. 5).W. Jobst, Archäologie und Denkmalpflege im Bereich des "Großen Palastes" von Konstantinopel: Am Beispiel des "Großen Palastes" von Konstantinopel wird die Problematik der Erhaltung, Präsentation und Nutzung antiker Ruinenflächen im Verband der modernen Großstadt Istanbul deutlich. Im Rahmen des österreichisch - türkischen Kooperationsprojektes wurde die provisorische Überdachung des Grabungsgeländes durch einen modernen Museumsschutzbau ersetzt. Im Zuge der für die Restaurierung des Befundes notwendigen Abnahme der Mosaikfläche konnten in der Nordosthalle des Peristyls Ausgrabungen durchgeführt werden, welche neue, endgültige Aufschlüsse zur Chronologie des Mosaiks erbrachten. Die Mosaikflächen des Peristyls im Großen Kaiserpalast von Konstantinopel, stellen mit ihren auf der Vorstellung eines antiken "Paradeisos" beruhenden Darstellungen das größte und schönste erhaltene Landschaftsmosaik der Antike dar. Seine Bedeutung liegt auch in der Tradition der Bildmotive und in der künstlerischen Qualität der Herstellungstechnik. 6) Y. Ötüken, Opus Sectile-Fußböden in der Türkei: Die Nikolauskirche von Myra stand bereits seit dem 19. Jh. immer wieder im Blickpunkt der Forschung. 1965 wurde die gesamte Anlage durch das Deutsche Archäologische Institut neu aufgenommen. In den folgenden Jahren erfolgen weitere Grabungs- und Restaurierungsarbeiten. Im Verlauf der Grabungen 1989-90 im Bereich der Arkadenjoche konnte der in der mittelalterlichen Phase der im Kern aus dem 6. Jh. datierenden Anlage errichtete Opus Sectile-Boden in das 11. Jh. datiert werden. Damit läßt sich diese Ausstattung mit Johannes Orphanotrophos, dem Bruder des Kaisers Michael IV., verbinden. Mit den weiteren Opus Sectile-Böden ist es bezüglich ihrer Erhaltung eher schlecht bestellt. Ein markantes Beispiel ist der Fall der Sophienkirche von Iznik. Der in der inzwischen als Moschee genutzten Kirche vorhandene Opus Sectile-Boden konnte bei der Renovierung der Moschee infolge des heftigen Widerstandes der Vakiflar nicht gerettet werden. 7) C. Podgorschek, Methode und Technik der Restaurierung des Palastmosaiks: 1986 übernahm ein Restauratorenteam unter der Leitung von Peter Berzobohaty die Restaurierungsarbeiten am Palastmosaik. Als dringlichste Aufgabe galt es, Schäden, die bei der Abnahme des Mosaiks und der Aufbringung einer Interventionsschicht entstanden waren, zu reduzieren. Zunächst wurden an den in den Depots der Irenenkirche und Hagia Sophia gelagerten über 100 Teilen des Tessellates Entsalzungsmaßnahmen durchgeführt. Nach der Herstellung von Lage- und Formplänen mittels eines Rasters an der Plattenrückseite sowie der Aushärtung des Interventionsmörtels konnte die Verklebung auf ein geeignetes Trägermaterial erfolgen. Die Entfernung der Sicherungsverklebung (facing) ermöglichte schließlich erstmals einen Überblick über den Gesamtzustand des Mosaiks und stellte somit die Basis eines Konsolidierungsprogrammes dar. Dieses konzentrierte sich auf folgende, für die gelungene Präsentation des Mosaikfundes von Sultanahmet unverzichtbare Maßnahmen: a. Vorfestigung und Hinterfüllung der Mosaiken, b. Auftrag von Ammoniumcarbonatkompressen, Waschen der Platten, c. mechanische Nachbearbeitung, Vertiefen der Fehlstellen, d. Kittung der Fehlstellen. 8) P. Turnovsky, Typologie und Chronologie des Fundstoffes unter dem Palastmosaik: Der Fundstoff der Grabung von 1987 umfaßt vor allem keramische Funde, besonders Amphoren. Diese wurden, wie in der Antike nicht unüblich, das Bau- bzw. Schüttmaterial, in diesem Fall als Isolierungsschichte aus klein geschlagenen Fragmenten unter dem Mosaik verwendet. Die im Befund vertretene Feinware umfaßt vor allem die in Phokaia produzierte Late Roman C-Ware. African Red Slip-Ware ist in geringer Zahl vertreten. Die Fundgruppe der Amphoren besteht zu einem Drittel aus Gaza-Amphoren, Carthago LR-Amphora 4, Typ Peacock 49 Amphoren, die in Instanbul ab der 2. Hälfte des 5. Jh. auftreten. Weiters sind afrikanische Amphoren vertreten, die in die Zeit zwischen dem 2. Viertel 5. und dem früheren 6. Jh. datiert werden. In geringerem Maße sind weitere spätantike Amphorentypen vertreten. Aus den Keramikfunden ergibt sich eine Datierung der Mosaikisolierungsschichte zwischen 485 und der Mitte des 6. Jh. In dieser Zeitspanne wurde der Mosaikboden gesetzt.

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