Wissenschaftsdisziplinen
Erziehungswissenschaften (100%)
Abstract
Das Buch "Studien zum Werk von Carl R. Rogers" (Arbeitstitel) versteht sich als kulturpädagogische
Untersuchung, insofern die kritische Reflexion eines Kulturgebietes - der Therapeutik, repräsentiert durch die
Arbeit von Carl R. Rogers - ihre Absicht darstellt. Die Pädagogisierung und die Therapeutisierung verschiedener
Lebensbereiche ist evident, eine Tatsache, die nicht nur positiv gesehen werden muß. Pädagogik und Therapeutik
bemühen sich auf ihre Weise. dem Menschen "Hilfe zu Wort und Wahrheit" zukommen zu lassen. Implikationen
der Bemühungen, daß der Mensch sich selbst thematisiert und dadurch zu Größe verhilft, werden untersucht. Das
Geschehen in der Psychotherapie wird als Erzählung aufgefaßt, bei der es dem Begleiter um ein vorurteilsfreies
Verstehen geht.
Das Anliegen der vorliegenden Studien ist es, die Pluralitat der möglichen Lesarten des Werkes von Amerikas
einflußreichstem Psychotherapeuten für die Nachwelt hervorzuheben. Die einzelnen Kapitel (insgesamt zehn)
zeichnen eine sehr unterschiedliche, perspektivische Interpretation des Gesamtwerkes. Neben grundlegenden
Fragen aus pädagogischer Sicht, und dem kritischen Blick auf die Rezeption von Rogers in Österreich, werden
Fragen zu Rogers als Utopist (sein Beitrag zur Friedensarbeit, als Behaviorist (eine bestimmte Interpretation seines
therapeutischen Ansatzes), und als Konstruktivist (eine populäre zeitgenössische Option) aufgeworfen.
Ein ausführliches Kapitel behandelt ausdrücklich die Möglichkeit der Literaturinterpretation auf der Grundlage der
Arbeit von Rogers. Biographieforschung und eine Zuwendung zu "lokalen Erzählungen" in der Psychotherapie
stehen als Anwendungsfelder offen, die sich einer gewissen Konjunktur erfreuen. Mit dieser Erweiterung des Bücks
wendet sich die vorliegende Untersuchung auch an Literaturwissenschaftler, die jenseits von
Kommunikationstheorie oder Psychoanalyse an einem Instrument für Literaturkritik interessiert sind. Den
Abschluß bildet eine Betrachtung über das "Ende von Erzählungen", den Schluß in Psychotherapien.
Das Buch ist weniger als Einführung gedacht, Vielmehr als kritisches Korrektiv zu Dogmatik und Behäbigkeit.
Seine Zielgruppen sind: fortgeschrittene Studierende und Absolventen der Pädagogik, Psychotherapie, Psychologie,
Psychiatrie, Soziologie, Theologie, Literaturwissenschaften und Adressaten einschlägiger humanwissenschaftlicher
Berufe.