Filmästhetik
Filmästhetik
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Der Sammelband "Filmästhetik" dokumentiert "the state of the art" der zeitgenössischen philosophischen und kulturtheoretischen Beschäftigung mit dem Medium Film und der Institution Kino durch Beiträge einer prominenten internationalen Autorenschaft aus den USA, der BRD, aus Slowenien und den Niederlanden. Er will Anregungen liefern für den deutschsprachigen Diskurs über die Gestaltung des Profils der neuen, interdisziplinär verfaßten "cultural studies", die sich z.Z. institutionell formieren. Dem Rahmenkonzept der WIENER REIHE.THEMEN DER PHILOSOPHIE folgend, enthält der Band Originalbeiträge in deutscher und englischer Sprache, sowie Erstübersetzungen von Schlüsseltexten aus der zeitgenössischen amerikanischen Fachdebatte. Ohne Restriktion auf einen dogmatischen "Schul"begriff der Philosophie soll die volle Breite unterschiedlicher Zugänge zum Thema Film (z.B. spätanalytischer, hermeneutischer, durch die Psychoanalyse inspirierter, neopragmatistischer und dekonstruktiver Provenienz) vorgestellt werden. Nach einer Einleitung des Herausgebers zu "Denken und Kino`" in der die Themenvielfalt des Buches umrissen und im Bezugsnetz der Gegenwartsphilosophie verortet wird, präsentiert Teil eins des Bandes allgemeinere Erwägungen zur Filmphilosophie. Er zerfällt in zwei Untergruppen: Erstens in Arbeiten, die Elemente einer Filmästhetik erkunden (wie die Texte der jungen - von der Hermeneutik, bzw. von Ludwig Wittgenstein und Nelson Goodman inspirierten - Ästhetikerinnen Birgit Recki und Simone Mahrenholz) und die einer "ontology of film" zuarbeiten (wie der Beitrag von Stanley Cavell, Ästhetik-Professor an der Harvard University). Zweitens in Studien, die die Rolle des Films im Rahmen einer sozialphilosophisch und psychoanalytisch dimensionierten Theorie der Massenkultur untersuchen. Diese stammen aus der Feder von Fredric Jameson, Postmoderne-Theoretiker aus den USA, und Kaja Silverman, Professorin für Rhethorik der Universität Berkeley, deren Text sich mit Fragen der "Identifikation im Film" befaßt. Teil zwei des Bandes präsentiert Analysen einzelner Filme und Filmgenres. Sechs Filmlektüren führen das komplexe Panorama zeitgenössischer Filmphilosophie vor Augen: Sie gelten, z.B., dem neobarocken Kino Peter Greenaways; oder Orson Welles` Charakterstudie einer "split personality" in "Citizen Kane". Alfred Hitchcocks erotische Verwirrgeschichte "Vertigo" wird "postmodern" gelesen: ein Interpretationszugang, der im darauffolgenden Text ergänzt und konterkariert wird durch die "dekonstruktive" Sichtung des Genres "Animation". "Neopragmatistische", Analysen der jungen amerikanischen Filmsorte "Country Musical" stehen philosophischen Erkundungen des Genres "Horrorfilm" gegenüber. Die Autorenschaft von Teil zwei ist, wie diejenige des ersten Teils, international: neben führenden amerikanischen Phänomenologen und "dekonstructivists" wie Hugh J. Silverman (New York) und Wilhelm S. Wurzer (Pittsburgh) gehören ihr Denker aus dem Umfeld der Kritischen Theorie (Willem van Reijen, Utrecht; Matthias Kettner, Frankfurt/Essen), Kulturtheoretiker mit Lacanschen Hintergrund (Slavoj Zizek, Ljubljana) und postanalytisch argumentierende "Neopragmatisten" (Richard Shusterman, Philadelphia) an. Teil zwei sucht auf exemplarische Weise darzulegen, daß philosophische Beiträge zum interdisziplinären Projekt der "cultural studies" für die tiefenstrukturellen Erkundung filmischer "Kulturobjekte" von großem Belang sind.