Wissenschaftsdisziplinen
Medien- und Kommunikationswissenschaften (100%)
Abstract
Ab Mitte des 20. Jahrhunderts vollzieht sich ein medientechnologischer Wandel der Speicher-, Kommunikations-
und Entwurfsbedingungen. Ausgehend von den computertechnologischen Systemen der 40er und 50er Jahre und
begleitet von Kybernetik 1. Ordnung und komplexeren Modellen der Kybernetik 2. Ordnung, vollzog sich eine
kybernetische Wende. Sie stellt sich technologisch dar in Steuerungssystemen von C 3 (Communication-
Command-Control), in der PC-Entwicklung oder in digitalen Netzwerken. Sie stellt sich ebenso dar in
grundständig veränderten erkenntnistheoretischen, wissenschaftstheoretischen und ästhetischen Positionen. Einige
Stichworte hierfür sind: Entdeckung der rückbezüglichen Umgebung, Kommunikationsökologie, Mensch-
Computer-Interaktivität und Cyberspace. Der Kybernetischen Wende kommt einesteils außerordentliche Bedeutung
zu, weil sie die veränderten epistemologischen Grundlagen von Erkenntnis und Entwurf mit Forschungen der
Neurophysiologie und der Quantenphysik verbindet und damit neue Schwellenbereiche zwischen den
physikalischen, biologischen und technologischen Ebenen menschlicher Wahrnehmung und Handlung markiert.
Ihre Bedeutung ist andernteils deshalb so enorm, weil sie direkt in die Kommunikationsbedingungen eingreift, eine
historisch beispiellose Medienintegration forciert und neue virtuelle Entwurfs-, Experimentier- und
Gestaltungsräume ermöglicht.
Anhand der technologischen und theoretischen Entwicklung der kybernetischen Modelle, ihrer Verwendung in
zivilen, sozialen und künstlerischen Handlungsfeldern werden die Durchsetzungs- und Wirkungsgeschichten
dargestellt. Hier anschließend werden die kultur- und zivilisationstheoretischen sowie identitätstheoretischen
Fragen an elektronische (globale) Kommunikationsumgebungen behandelt. Abschließend wird unter dem Stichwort
"mediale Poiesis" den Fragen an eine differenzierte Wissenschaft vom Entwerfen nachgegangen.
Die vorliegende Arbeit stellt die Kybernetische Wende als einen globalen medientechnologischen
Transformationsprozeß dar. Dabei wird deutlich, daß die technologischen und kulturellen Grundlagen aller
beteiligten sozialen Systeme sich tiefgreifend verändern. Ebenen der Anschlußfähigkeit werden ebenso benannt wie
Bereiche, in denen ökonomisch, organisatorisch, wissenschaftlich, planerisch und künstlerisch intelligentes
Entwerfen neu gefaßt werden kann und muß.
- Manfred Fassler, assoziierte:r Forschungspartner:in