Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Abstract
In der vorliegenden Publikation werden die Befunde und Funde des Kastells Mautern-Favianis, die aus den von
1950 bis 1994 im Stadtgebiet von Mautern durchgeführten archäologischen Untersuchungen stammen, vorgelegt.
Trotz der oft schwierigen Dokumentationslage konnten damit eine Reihe von neuen Erkenntnissen zur Geschichte
und Entwicklung des Kastells Favianis erarbeitet werden. Während die ältere Forschung davon ausging, daß das
Hilfstruppenlager ursprünglich direkt an der Donau lag und sich seine Reste noch teilweise unter dem
Schönborn`schen Schloß und der Stadtmauer feststellen lassen, hat die neue typologische Einordnung der
Befestigungsbauten, aber auch die diachronische Analyse des Fundmaterials gezeigt, daß sich die ersten
Kastellanlagen auf der flachen Terrasse rund 2 m über dem Donauufer befunden haben und erst in der Spätantike
mit der Befestigung des nördlichen Teiles der direkte Zugang zum Fluß gesichert wurde. Weiters läßt sich nun aber
auch die überragende Bedeutung des oppidum Favianis im 5. Jahrhundert besser erkennen, die bis jetzt vor allem
durch die schriftliche Quelle der Severinsvita bekannt war und nun durch die archäologischen Zeugnisse auf das
eindruckvollste bestätigt wird.
Im ersten Kapitel gibt H. Stiglitz einen kurzen Oberblick über die Forschungsgeschichte des Kastells. Darauf folgt
- nach Fundstellen gegliedert - eine Darstellung und Interpretation der einzelnen Grabungsbefunde. durch V.
Gassner und S. Jilek, wobei die Abschnitte über die Grabungen im Nikolaihof 1989-90 und in der Frauenhofgasse
1986 von H. Zabehlicky beziehungsweise S. Groh verfaßt wurden. Der große Abschnitt über die Funde beginnt mit
einer Darstellung der Terra Sigillata durch A. Kaltenberger, gefolgt von den übrigen Keramikfunden durch V.
Gassner sowie den archäometrischen Untersuchungen zur lokalen Keramik von Mautern durch R. Sauer. Den
Schluß bildet ein Kapitel von S. Jilek über die Kleinfunde. Die Auswertung beginnt mit einem weiteren Beitrag
von S. Jilek zu den Besatzungstruppen von Mautern. Von W. Pietsch stammt das Kapitel zu den spätantiken
Festungstürmen. Die zusammenfassende Darstellung der Kastellgeschichte nach den neuen Ergebnissen wurde von
den Autoren gemeinsam verfaßt.
Der Band wird durch zahlreiche Photos und Zeichnungen sowie durch eine umfangreiche Planbeilage
abgeschlossen.