Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Abstract
jüdischen Theaters in Wien
Das erste Kapitel des vorliegenden Buches beschäftigt sich mit der Entstehung und Entwicklung der jiddischen
Dramatik und Theaterkunst, wobei versucht wird, neben der neueren Sekundärliteratur zum jüdischen Theater
besonders die jiddische Theatergeschichtsschreibung, die fast völlig unbekannt ist, miteinzubeziehen.
Das zweite Kapitel beginnt mit den Anfängen jiddischer Vortragskunst in Wien, und beschreibt dann die lokalen
Ensembles und Theaterinitiativen, die in jiddischer und deutscher Sprache spielten. Diese Darstellung fußt auf
Quellen, die noch kaum bearbeitet wurden: Archivmaterial betreffend die Theatersäle und -bauten, Dokumente zu
den jeweiligen Konzessionsverfahren, Eingaben der Theaterzensur (von 1880 bis 1918, vereinzelt bis Mitte der
zwanziger Jahre), Akten und Briefwechsel zu Gastspielen in den dreißiger Jahren. Diese in Wien vorhandenen
Unterlagen konnten aufgrund von Forschungsaufenthalten in New York und Jerusalem um wertvolle weitere
Materialien ergänzt werden. So fanden sich etwa im New Yorker YIVO Institute for Jewish Research Nachlässe
von Theaterleuten, die vor 1938 in Wien tätig waren, darunter die im Februar 1927 in Wien uraufgeführte jiddische
Revue Von Sechestow nach Amerika von Abisch Meisels, auf deren Inhalt und Zeitbezüge im Abschnitt Jüdisches
Künstlerkabarett eingegangen wird. Außer diesen hier nur kurz dargestellten Archivmaterialen waren jüdische
Periodika eine wichtige Quelle; ergänzend dazu sind die (leider nur wenigen) Interviews von Beteiligten zu
nennen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Buches sind die Bezüge des jüdischen Theaters zu seinem Umfeld, etwa zu
jiddischistischen oder assimilierten Kreisen. Die Quellen zu diesem (dritten) Kapitel reichen von jiddischen
Periodika bis zu Tagebucheintragungen prominenter deutschsprachiger Autoren.
Im letzten Abschnitt werden die Lebensläufe der wichtigsten jiddischen und deutschsprachigen jüdischen
Theaterleute aufgelistet, die auf verschiedenster Sekundärliteratur (wie Zalmen Zylbercweygs "Lexikon fun yidishn
teater") bis zu Archivforschung beruhen.
Das Ziel des Buches ist, einen Überblick über die Geschichte des jüdischen Theaters in Wien zu geben.
Theatergeschichte als Teil der Theaterwissenschaft geht sehr oft von literaturhistorischen Ansätzen aus, die hier nur
im Zusammenhang mit der Entwicklung der jiddischen Dramatik sowie einzelnen analysierten Dramen sinnvoll ist.
Dieses Buch beruht auf historischen Ansätzen, wobei versucht wurde, das zahlreich vorhandene Quellenmaterial zu
sichten und durch Vergleich abzusichern. Ein Schwerpunkt der Darstellung war es, auch Fakten wie Publikum,
Kritik und wirtschaftliche Einflüsse zu berücksichtigen, ein Anspruch, der von der traditionellen Theatergeschichte
oft wenig erfüllt wird, der aber im Falle dieser Theaterform als eines Theaters einer sprachlichen Minderheit
besonders wichtig ist.