Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (40%); Kunstwissenschaften (60%)
Keywords
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Black Studies,
Slavery,
Colonialism,
White Innocence,
Wake Work,
Adjacency
"Fabricating Adjacence" ist ein künstlerisches Forschungsprojekt, das sich mit der einzigartigen Beziehung zwischen Vorarlberg, dem westlichen Teil Österreichs, und Westafrika beschäftigt: Seit den 1960er Jahren produzieren Vorarlberger Fabrikanten zarte Spitzen und glänzende Damaststoffe, welche Fashionistas in Ländern wie Nigeria, Ghana und Senegal einkleiden. Auf dem Höhepunkt dieses Handels in den 1970er und 80er Jahren wurden wöchentlich bis zu hundert Tonnen Spitzen und Damaste aus Vorarlberg nach Lagos geflogen - trotz eines Einfuhrverbots für Luxusgüter, das der Staat Nigeria 1976 zum Schutz der einheimischen Textilindustrie erlassen hatte. Dieses seltsame Zusammentreffen von Österreicher*innen und Westafrikaner*innen in Sachen Textilien beruht auf einer soliden Geschichte: Im 18. und 19. Jahrhundert war Leinen aus Vorarlberger Flachs eine beliebte Währung in der transatlantischen Sklaverei, und die von versklavten Westafrikaner*innen auf US- Plantagen gepflückte Baumwolle ermöglichte schließlich den Aufstieg der europäischen Textilindustrie, inklusive der Vorarlberger. Geleitet von den methodischen Erkenntnissen des Neuen Materialismus und der Black Studies vermittelt dieses Projekt Begegnungen mit Textilien, Handel und Terror; es trifft auf einige Geister, die in den verborgenen Nähten der Kolonialgeschichte lauern, und greift in die Fabrikation von Geschichten ein. Das Konzept der Fabrikation spielt mit seiner doppelten Bedeutung - etwas zu erschaffen, aber auch zu täuschen, d.h. sich etwas anders vorzustellen. Fabrikation, verstanden als Methodik und Ästhetik, ist von den unterschiedlichen Herstellungsprozessen von Textilien (Spinnen, Weben, Schlingen, Löcher machen, Schneiden usw.) inspiriert. In Zusammenarbeit mit Protagonist*innen in Österreich, der Schweiz, Nigeria, Ghana und Senegal zielt das Projekt darauf ab, einen kollektiven Quilt herzustellen, der Bezeugungen der Vergangenheit enthält und Konflikte eher hält als auflöst. Im Umfeld des Quiltens erforscht es Methoden wie Zuhören (Einstimmung auf den Stoff), Piercen (Eingreifen in das Archiv), Fürsorge (Trauerarbeit für die Verschwundenen), Reparieren (Aufzeigen von Narben) und Neuverweben (desire-driven narratives). Das Projekt ist eine Studie mit, und nicht über, Textilien. Es versucht, mit Textilien zu arbeiten, um Menschen jenseits von Zeit und Ort zu verknüpfen, dominante Erzählungen zu durchlöchern und die Blutung zu stillen. Es ist eine künstlerische Erkundung der Möglichkeiten von adjacency, d. h. des Ausbuchstabierens von Beziehungen der Kompliz*innenschaft und Kontamination, Nähe und Distanz. Zum Kernteam gehören Anette Baldauf, Susanna Delali A. Nuwordu, Milou Gabriel, Moira Hille, Sasha Huber, Janine Jembere, Esther Oje, Jumoke Sanwo, Mariama Sow.
- Theresia Anwander, vorarlberg museum , nationale:r Kooperationspartner:in
- Jumoke Sanwo, rai Foundation - Alternative Art Space Lagos - Nigeria
- Mandana Roozpeikar, Textilmuseum St. Gallen - Schweiz