Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
-
Composition,
Computer Music,
Spatialisation,
Choreography
Auf der Basis kompositorischer und technologischer Fortschritte hat die Entwicklung des Räumlichen in der Musik seit Mitte des letzten Jahrhunderts einen außergewöhnlichen Aufschwung erfahren. Künstlerische Praxis sowie wissenschaftliche und künstlerische Forschung in den Bereichen der Computermusik, Akustik, Signalverarbeitung und Informationstechnologie haben zu einer rasanten Weiterentwicklung der Möglichkeiten der Klangproduktion und -projektion geführt. Mit dem vorliegenden Projekt, das sich als Teil dieser Tradition versteht, sollen die konzeptuellen und praktischen Voraussetzungen für (1) eine Form des Komponierens geschaffen werden, in die die räumlichen Aspekte des musikalischen Klanges vollkommen integriert werden können und (2) für eine Form der Aufführung, die mittels Tanz der Musik eine körperbasierte Interpretationsmöglichkeit eröffnet. Ziel ist es in beiden Fällen, den musikalischen Klang einer choreographischen Behandlung zugänglich zu machen. Neben diesen beiden Hauptanliegen soll im Rahmen des Projekts weiters (3) ein internationales Netzwerk von KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen gebildet werden, die an verwandten Themen arbeiten sowie (4) der methodische Ansatz des Projekts einer kritischen Beurteilung durch EEK-Kreise in Österreich und international unterzogen werden. Zentrum des methodischen Ansatzes bildet die künstlerische Fallstudie, die im Ästhetischen Labor - einer im FWF- Projekt Körperliche Präsenz in der Generativen Musik entwickelten Form künstlerischer Forschung - untersucht wird. Die Hauptaktivitäten des Projekts (künstlerische Gestaltung, ästhetische Erfahrung, wissenschaftliche Reflexion und technologische Entwicklung) werden dabei von einer Methodentrias aus Konzeptbildung, Modellierung und Experiment strukturiert. Als Projektpartner konnten zwei international sehr renommierte Institutionen gewonnen werden (IRCAM/Paris, CIRMMT/Montréal), die eine Zusammenarbeit auf höchstem Niveau garantieren und eine solide Basis für das Projektnetzwerk bilden. Das Projektteam, das sich sowohl aus jungen als auch aus etablierten KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen zusammensetzt, wird die Erreichung der anspruchsvollen Ziele dieses Projekt unter professionellem Management anstreben. Die Verbreitung der Projektergebnisse ist in Form von Konferenzbeiträgen, Journalartikeln, moderierten Konzerten, einem internationalen Workshop für junge KomponistInnen und MusikerInnen und einem internationalen Symposium zum Thema EEK als Teil des Projekts geplant.
Seit mehr als einem Jahrhundert ist die räumliche Wiedergabe von Klangereignissen über Schallwandler möglich. Bereits bei der internationalen Elektrizitätsausstellung 1881 in Paris wurden Aufführungen aus der Pariser Oper stereophon zum Ausstellungsgelände übertragen. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts werden Lautsprecher in unterschiedlichsten Anordnungen zur Aufführung elektroakustischer Musik sowie in Klanginstallationen verwendet. Die rasante Entwicklung der Möglichkeiten räumlicher Klangprojektion wurde allerdings hauptsächlich von den Anforderungen der Unterhaltungsindustrie geprägt. Zudem war besonders in den letzten Jahrzehnten Forschung zum Thema Raumklang fast ausschließlich wissenschaftliche Forschung. Komplementär dazu hat das künstlerische Forschungsprojekt Die Choreographie des Klanges neue Ansätze der Raumklangprojektion auf der Basis einer Praxis entwickelt, die Perspektiven der elektroakustischen Komposition und der Klangkunst vereint. In einem speziell für das Projekt als ästhetisches Labor eingerichteten Konzertsaal (der György-LigetiSaal im MUMUTH in Graz) sind durch eine radikal ortsspezifische Vorgangsweise Konzepte, Fallstudien, Werke und Softwarewerkzeuge entstanden, die künstlerisch motivierte Alternativen zum vorherrschenden Verständnis von Raumklang anbieten. Im Gegensatz zur Klangspatialisierung versteht die Choreographie des Klanges Klangsynthese und -projektion als untrennbare Einheit. Gestaltet wird dabei die komplexe Interaktion von Klangprozessen, Lautsprecheranordnungen, der Raumakustik und einem sich potentiell im Raum bewegenden Publikum. Choreographie steht hier sowohl für die Komposition räumlicher Dynamiken des Klanges als auch für eine Situation, in der der Klang die Dynamik des sich bewegenden Publikums moduliert. Junge KünstlerInnen wurden im Rahmen des Projekts bei internationalen Meisterkursen mit den Projektergebnissen vertraut gemacht, die auch bei Konferenzen und Symposien sowohl im Bereich der wissenschaftlichen wie auch der künstlerischen Forschung präsentiert wurden. Zahlreiche Konzerte, Installationen und Projektpräsentationen erlaubten auch dem allgemeinen Musikpublikum einen detaillierten Einblick in die vom Projekt verfolgten Ansätze und die damit gewonnenen Perspektiven. Die Projektergebnisse wurden europaweit präsentiert (Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Griechenland, Norwegen, Schweden, Schweiz, Slowenien, Spanien und Österreich) und sind in internationalen Publikationen dokumentiert. Die im Projekt entwickelte Open-Source-Software ist frei verfügbar und wird auch nach Projektende weiter entwickelt und gepflegt.
- Olivier Warusfel, Centre Georges Pompidou - Frankreich
- Sean Ferguson, McGill University - Kanada
Research Output
- 6 Publikationen
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2012
Titel A Framework for the Choreography of Sound. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Eckel G Konferenz Proceedings of the International Computer Music Conference (ICMC), Ljubljana. -
2011
Titel Physical modelling enabling enaction: an example. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Eckel G -
2013
Titel Towards a Plastic Sound Object. Typ Book Chapter Autor González-Arroyo R -
2013
Titel Improvisation as Epistemic Practice. Typ Book Chapter Autor (Re)Thinking Improvisation: Artistic Explorations And Conceptual Writing; Eds H Frisk -
2014
Titel StiffNeck: The Electroacoustic Music Performance Venue in a Box. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Eckel G Konferenz Proceedings of the International Computer Music Conference (ICMC), Athens. -
2011
Titel Reproducibility and Random Access in Sound Synthesis. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Eckel G Konferenz Proceedings of the International Computer Music Conference (ICMC), Huddersfield, UK.