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Webschiffe, Kriegspfade

Loom Shuttles, Warpaths

Ines Doujak (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/AR19
  • Förderprogramm Entwicklung und Erschließung der Künste
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.2010
  • Projektende 30.04.2014
  • Bewilligungssumme 290.894 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (20%); Kunstwissenschaften (40%); Soziologie (40%)

Keywords

    Art, Ethnography, Knowledge Production, Textiles, Postcolonial critique, Gender Studies

Abstract Endbericht

Webschiffe, Kriegspfade ist ein kollaboratives Forschungsvorhaben, das wissenschaftliche, künstlerische und aktivistische Praktiken im Sinn einer "wilden Epistemologie" verbindet. Medium dieses translokal und transdisziplinär angelegten Vorhabens sind Textilien und andere Ethnographika aus der Andenregion Bolivien und Perus, von präkolumbianischen Webereien bis zu zeitgenössischen Karnevalskostümen. Ausgangspunkt der Forschung ist eine "exzentrische Kollektion" (im Sinn einer nicht-autorisierten, radikal subjektiven Sammlung), die aus historischen und zeitgenössischen Textilien, aus Interviews, Fotografien, Büchern, Zeitungsausschnitten, Tondokumenten und Filmen besteht und die auf einer 3-monatigen "Forschungsreise" von Ines Doujak und Catrin Seefranz (Dezember 2008 März 2009) entstand. Dieses spezifische Sammlung wird erforscht und kartografiert, erweitert und verändert durch Recherchen in anderen, offiziellen ethnografischen Sammlungen: der Lateinamerika- Sammlung des Museums für Völkerkunde (Wien) sowie der Textil- und Maskensammlung des Museo Nacional de Etnografa y Folclore (La Paz, Bolivia). Angebunden an das Wiener Institut für die Wissenschaft (IWM) vom Menschen setzt sich Webschiffe, Kriegspfade mit den Repräsentationen nicht-moderner, indigener, "wilder" Kulturen auseinander, die die institutionellen Felder Wissenschaft, Kunst und Museum auf spezifische Weise vermessen haben. Webschiffe, Kriegspfade will die Grenzen zwischen den Disziplinen, die selbst ein Produkt eurozentrischer Narrative sind, reflektierend übertreten und sucht eine Anbindung über das kulturelle und wissenschaftliche Feld hinaus an andere gesellschaftliche Formationen und gesellschaftlichen AkteurInnen wie MigrantInnen. Als Mitwirkende an dem Versuch - ausgehend von den Ethnografika - alternative Epistemologien und Narrationen exemplarisch zu entwickeln. Im Sinn dieser kollaborative Wissensproduktion werden verschiedene "Kontaktzonen" geschaffen, temporäre Arbeitsräume an etablierten Forschungszentren, ethnologischen Museen wie vorstädtischer Peripherie. Dort wird mitten in der migrantisch geprägten Stadtzone des 20. Wiener Gemeindebezirks ein öffentlich zugänglicher Archiv- und Ausstellungsraum eingerichtet, in dem das "Exzentrische Archiv" seinen Ort bekommt - und die Stadt einen ungewöhnlichen Wissenschaftstandort. Von der Relevanz von künstlerischer oder wissenschaftlicher Arbeit für eine Öffentlichkeit kann nie einfach ausgegangen werden, sie muss immer erst hergestellt werden. Und das bedeutet, Formate für diese Vermittlung zu finden. Webschiffe, Kriegspfade setzt hier auf "performativen Kolloquien", transdisziplinäre Symposien, die künstlerische und wissenschaftliche Formen verbinden. Durch eine künstlerische Forschung, die neue Formen der Übersetzung zwischen Disziplinene, Medien oder Öffentlichkeiten sucht, kann eine ästhetisch-wissenschaftliche Praxis entstehen, die auch neue soziale Fantasien freisetzt.

Die Arbeit nahm ihren Ausgangspunkt in einer Sammlung von 48 historischen und zeitgenössischen Textilien aus dem andinen Raum. Anhand derer wurde eine weltweite Geschichte von Stoff und seinen heutigen Realitäten erforscht. Sowohl dessen gesellschaftliche Bedeutung als auch die anerkannt außergewöhnliche Qualität der Webtechniken dieses geographischen Gebiets machte es für das Studium und die Darstellung von Stoffproduktion, Konsum, Gebrauch, globalem Handel und dem dafür benötigten Transport und globalen Wertschöpfungsketten naheliegend um diese dann auch zusammenzudenken. Normalerweise werden diese Untersuchungsbereiche getrennt betrachtet. In diesem Sinne ist die Arbeit außergewöhnlich.Die Forschung wurde in einer Vielzahl von Ausstellungsräumen, Konferenzen und Artikeln vorgestellt. Ihr Ausstellungsdisplay hat neue Formen der Publikumsbeteiligung hervorgebracht. Zwei Hauptkapitel wurden entwickelt, das eine davon ein Exzentrisches Archiv das aus collagierten Postern besteht, jeweils eines in Reaktion zu einem der Sammlungsteile. Die Poster beinhalten auch mehrere Referenzen die den/die BetrachterIn über Indexposter zu vier Texten in Buchform leiten. Die Texte bestehen aus historischen und praktischen Beschreibungen der 48 Archivgegenstände, Übersetzungen von Kommunikationen anderer KünstlerInnen und Schreibenden mit ihnen, Darlegungen von Arbeitskämpfen in der Textilindustrie über die Zeitspanne von 700 Jahren, und aus Texten über Stoffe, Farben und Färbemittel und deren Verbindung zu Kolonialgeschichte. In Ausstellungsräumen in Wien, Riga, Malmö, Busan, Stuttgart, Belgrad, London, und aktuell bei der Biennale in Sao Paulo erfüllt das Exzentrisches Archiv den umfassenden Charakter den die Forschung anstrebte und hat dabei mitgeholfen Österreich international als wichtigen Standort der arts based research zu etablieren. Weiters wurde dazu beigetragen Textilien als Teil zeitgenössischer Kunstausstellungen anzuerkennen und die angewandten Künste ihrer sachgerechten Bewertung zuzuführen.Dieser Versuch ganzheitlich zu argumentieren wurde weiters durch das zweite Kapitel, einer Haute-Couture-Linie erreicht, in welcher Information in dem Design und der Produktion von realen Stoffen eingeschrieben ist. Die Stoffe beinhalten darüber hinaus auch Schnittmuster, aus denen Kleidungsstücke hergestellt werden können. Ein weiteres Mal wurden dadurch Grenzen überschritten, denn hiermit betrat das Geschäft mit der Mode das Museum, aus dem es dann von den BesucherInnen wieder hinausgetragen werden konnte. Zusätzlich wurde jedes dieser thematischen Stoffe unterstützend und weiterführend durch eine Vielzahl von Medien wie Skulpturen, Publikationen, Filmen und Musik inhaltlich begleitet. Um die Forschungsinhalte möglichst weit zu verbreiten wurde diese künstlerische Untersuchung in verschiedenen Erscheinungsformen visualisiert. Nicht nur in dem was produziert, sondern auch wie die Darstellung dessen zugänglich gemacht wurde hat dieses Projekt völlig neue Wege beschritten.

Forschungsstätte(n)
  • Institut für die Wissenschaften vom Menschen - 100%

Research Output

  • 4 Publikationen
Publikationen
  • 2013
    Titel Loomshuttles / Warpaths: Not Dressed for Conquering.
    Typ Book Chapter
    Autor Agency
  • 2011
    Titel Telares, Senda Guerrera / Loomshuttles, Warpaths, FKW.
    Typ Journal Article
    Autor Doujak I
    Journal Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur
  • 2013
    Titel A Stitch in Time: The 'Orchestrated Networks' of Bloody Taylorism.
    Typ Journal Article
    Autor Barker J
    Journal Mute magazine, July 3rd 2013, based on a talk given to a Technopolitics Study Group at Cafe Boehm, Vienna
  • 0
    Titel STITCHED UP: Andean textiles in an irrational world talk.
    Typ Other
    Autor Barker J

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