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Mütter für Veränderung!

Mothers for Change!

Edit Schlaffer (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/TRP112
  • Förderprogramm Translational-Research-Programm
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2010
  • Projektende 31.03.2014
  • Bewilligungssumme 289.074 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Sozialwissenschaften (10%); Rechtswissenschaften (50%); Soziologie (40%)

Keywords

    Women, Peace building, Conflict resolution, Counter terrorism strategies, Empowerment, Deradicalization

Abstract Endbericht

Mütter für Veränderung! ist ein angewandtes Forschungsprojekt, das die Rolle von Frauen in De- Radikalisierungsprozessen untersucht. Frauen sind strategisch positioniert, im Zentrum ihrer Familien, wo sie als erste Resignation und Wut orten können. Sie sind der zentrale Ansatzpunkt eines Frühwarnsystems, sie können Alarm schlagen, wenn ihre Söhne, Töchter oder Ehemänner den falschen Weg einschlagen. Auf dieselbe Weise wie terroristische Organisationen versuchen, latent vorhandene Neigungen bei Jugendlichen zu nutzen, versucht das vorgeschlagene Projekt, das Potential von Frauen innerhalb ihrer Familien zu identifizieren und positiv ein- und umzusetzen. Zwei Fragestellungen stehen im Zentrum des Forschungsprojekts: Wie sehen Mütter ihre Rolle in Präventions- und De-Radikalisierungsprozessen und was benötigen sie, um tatsächlich einzugreifen, wenn sie das Gefühl haben, ihre Kinder oder Familienmitglieder rutschen in extremistische Gruppierungen ab? Insgesamt werden 900 Frauen in den fünf Zielregionen Israel, Palästina, Saudi Arabien, Pakistan und Nordirland mittels Interviews und Fragebogen befragt, um sowohl ihre tatsächliche als auch die von ihnen selbst empfundene Rolle in Präventions- und De-Radikalisierungsprozessen zu erfassen. Dieses innovative Forschungsvorhaben stellt Frauen in den Mittelpunkt der aktuellen Diskussionen um Extremismus und Terrorismus, ein Thema, bei dem sie gewöhnlich nur eine passive und untergeordnete Rolle spielen. Das Dreijahre Projekt basiert auf zwei Stufen: In einer ersten Phase liegt der Fokus auf Forschung und Analyse, um top aktuelle Daten zu erhalten, die die Rolle von Frauen in (De)Radikalisierung widerspiegeln und Aufschluss darüber geben, wie Fundamentalismus und gewalttätiger Extremismus eingedämmt werden können. In der zweiten Projektphase werden auf Basis der Forschungsergebnisse Trainingsunterlagen für Workshops mit Müttern erstellt. Ziel ist es, bedarfsgerechte Strategien einzusetzen, damit Frauen mehr Einfluss auf ihre Familien, Politik und die Gesellschaft ausüben können. Die drei Hauptergebnisse der Studie: a) Entwicklung einer Faktorenliste, die Aufschluss darüber gibt, warum Jugendliche in die Fallen von Radikalisierung tappen, b) neues Datenmaterial, das Aufschluss über die Rolle von Müttern in Präventions- und De-Radikalisierungsprozessen gibt, c) Aufbau von Müttergruppen, die mit De- Radikalisierungsstrategien arbeiten. Stabilität und Sicherheit sind die wichtigsten sozialen und politischen Themen unserer Zeit. Mütter spielen eine zentrale Rolle in der aktiven Umsetzung von präventiven Maßnahmen auf einem individuellen Level. Die Einbeziehung von Frauen in die aktuelle Sicherheitsdebatte ist notwendig, um neue Visionen zu schaffen, neue Stimmen mit einzubeziehen und neue Strategien anzuwenden.

Über die letzten Jahrzehnte waren globale Strategien zur Terrorismusvorbeugung in erster Linie auf Geheimdienste, Exekutive, militärische Operationen und Diplomatie fokussiert ohne nachhaltigen Erfolg. Nun explorieren SicherheitsexpertInnen parallel dazu mögliche soziale Interventionen, um Alternativen zu erschließen. Die Mütter für Veränderung!- Studie erforschte das Potential von Müttern, ihre heranwachsenden Kinder vor Radikalisierung und Rekrutierung zu bewahren ein gänzlich neuer Zugang zu den tradierten anti-Terror Strategien. Die Ergebnisse der Studie sprechen eine klare Sprache: Frauen, und insbesondere Mütter, sind im Mittelpunkt ihrer Familien so positioniert, dass sie als erste die latenten Gefühle von Wut und Machtlosigkeit in ihren Kindern erkennen können.Die 1023 befragten Mütter aus fünf Ländern Palästina, Pakistan, Israel, Nigeria und Nordirland sind sich durchaus bewusst, in welch prekärem und rachsüchtigem Umfeld ihre Kinder aufwachsen. Die Daten zeigen, dass sie geringes Vertrauen in lokale Autoritäten haben, wenn es darum geht, ihre Kinder vor Radikalisierung zu schützen: von Moscheen bis zur Polizei und lokalen Vertretungen zeichnet sich ein alarmierendes Sicherheitsdefizit ab. Die befragten Mütter weisen auch die gängigen Rechtfertigungen zurück, dass Radikalisierung eng verknüpft sei mit Armut, Religion und der Absenz der Väter.Diese Ergebnisse zeigen, dass Mütter sich durchaus bewusst sind, dass sie im Familienverband eine präventive Rolle einnehmen können. Sie fordern jedoch dringend Expertise und Techniken, diesen Herausforderungen kompetent zu begegnen. Die Stärkung des Selbstbewusstseins und die Bildung einer Plattform zur Begegnung mit Gleichgesinnten stehen ganz oben auf ihrer Prioritätenliste. Diese Ergebnisse sind ein Weckruf für alle Akteure im Bereich der Sicherheit. Die Studie zeigt, dass Mütter sich den Herausforderungen der Radikalisierung, mit denen ihre jungen Söhne konfrontiert sind, durchaus stellen wollen. Das stellt eine bislang unerforschte und nicht erkannte Quelle innerhalb der anti-Terror Interventionen dar: Mütter als eine noch nicht sichtbare Gruppe von Akteurinnen, die Verbündete im Bereich der Sicherheit werden, und so ihre Familien schützen und den Zusammenhalt der Gemeinschaften gewährleisten. Mit entsprechendem Training und Unterstützung durch lokale Organisationen können sie in kompetenter Weise auf ihre Kinder eingehen, ihnen zuhören und ihnen Alternativen anbieten, um gewalttätigem Extremismus aktiv entgegen treten zu können.

Forschungsstätte(n)
  • Frauen ohne Grenzen - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Arshi Saleem Hashmi, Quaid-e-Azam University Islamabad - Pakistan
  • Fawziah Al Bakr, King Saud University - Saudi-Arabien

Research Output

  • 1 Zitationen
  • 3 Publikationen
Publikationen
  • 2013
    Titel Framing Radicalization and De-radicalization: A case Study from Saudi Arabia.
    Typ Journal Article
    Autor Kropiunigg U
  • 2010
    Titel Kadims Dilemma: Fiktion und Gegenfiktion im islamischen Radikalismus
    DOI 10.1007/s00729-010-0319-9
    Typ Journal Article
    Autor Kropiunigg U
    Journal Psychotherapie Forum
    Seiten 116-127
  • 2014
    Titel Kadims Dilemma: Fiktion und Gegenfiktion im islamischen Radikalismus.
    Typ Journal Article
    Autor Kropiunigg U

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