Soziale Bewegungen, Plattformen und Un/Sichtbarkeit
Social Movements, Platforms, and In/Visibility (VISIMOVE)
Wissenschaftsdisziplinen
Informatik (15%); Politikwissenschaften (70%); Soziologie (15%)
Keywords
- Social Movements,
- Digital Platforms,
- In/Visibility,
- Organizing,
- Mixed Methods,
- Interdisciplinarity
In der dritten Vergaberunde, im Juni 2025, wählte der FWF im Rahmen der 1000-Ideen- Förderung ein Forschungsprojekt zum Zusammenhang zwischen Sichtbarkeit, Plattformen und sozialen Bewegungen. Das Forschungsprojekt wird am Linz Institute of Transformative Change umgesetzt. Das Projekt befasst sich mit gegenwärtigen sozialen Bewegungen und erforscht die Rolle digitaler Plattformen für deren Macht und gesellschaftlichen Einfluss. Die grundlegende Annahme der Forscher:innen hierbei ist, dass die Mobilisierung und Organisation sozialer Bewegungen von deren Sichtbarkeit auf digitalen Plattformen abhängen. Plattformen, wie Instagram, Telegram, oder Tiktok nehmen durch Filtereinstellungen und Inhaltsmoderationen Einfluss auf die Sichtbarkeit sozialer Bewegungen und prägen die Möglichkeiten der Akteur:innen sich kollektiv zu organisieren. Somit sind die Herstellung und Gestaltung von Sichtbarkeit auf (mehreren) digitalen Plattformen der Schlüssel für das Entstehen und den Erfolg sozialer Bewegungen. Dieses Forschungsprojekt zielt darauf ab, Verläufe von Sichtbarkeiten und Unsichtbarkeiten sozialer Bewegungen zu verstehen, die sich aus dem Zusammenspiel zwischen den Moderations- und Filtereigenschaften von Plattformen (was Plattformen mit Aktivist:innen machen) sowie den Praktiken von Aktivist:innen (was Aktivist:innen mit Plattformen machen) ergeben. Das Projekt soll ein neuartiges Verständnis dafür schaffen, wie Sichtbarkeitsverläufe auf digitalen Plattformen die Fähigkeit sozialer Bewegungen zur Mobilisierung und zum Vorantreiben des sozialen Wandels verändern. Empirisch sollen zwei radikale und konträre soziale Bewegungen erforscht werden: die sogenannte Tradwife-Bewegung und die 4B-Bewegung. Tradwives sind traditionelle Hausfrauen, die für eine Rückkehr zu konservativen Werten und Rollen aus dem vergangenen Jahrhundert eintreten. Die 4B-Bewegung ist eine südkoreanische Bewegung, die etwa 2015 entstand und Ende 2024 im US-amerikanischen Kontext Fuß gefasst hat. Die Aktivistinnen von 4B wenden sich radikal gegen das Patriarchat, indem sie sich gegen Dating, Sex, Ehe und die Geburt eigener Kinder aussprechen. Je nach Projektverlauf könnten auch andere gegenläufige soziale Bewegungen zur Analyse ausgewählt werden beispielsweise Bewegungen im Kontext von Abtreibung, die zur aktuellen Polarisierung und Radikalisierung gesellschaftlicher Diskurse beitragen. Die Projektleiterin Milena Leybold freut sich zusammen mit Oana Albu, Wissenschaftlerin an der Copenhagen Business School (Dänemark) und dem Projektteam darauf, die kommenden eineinhalb Jahre mit diesem spannenden Thema verbringen zu dürfen.
- Universität Linz - 100%