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Amorphe Eisphasen und ihre Beziehung zu ultraviskosen Flüssigkeiten

Amorphous ices and their relation to ultraviscous liquids

Katrin Amann-Winkel (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/T463
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.02.2010
  • Projektende 31.10.2014
  • Bewilligungssumme 192.330 €

Wissenschaftsdisziplinen

Chemie (60%); Physik, Astronomie (40%)

Keywords

    Water, Amorphous, Ice, Glass Transition, High Pressure, Metastable Equilibrium

Abstract Endbericht

Wasser in seiner festen Form - Eis - ist ein faszinierendes System. Erscheint es doch in seiner molekularen Struktur so einfach, geben zahlreiche Anomalien des Wassers Forschern weltweit noch immer Rätsel auf. Wasser ist von großer Bedeutung für unsere Umwelt und das Leben auf unserer Erde. Neben diesem allgemeinen Interesse, ist ein grundsätzliches Verständnis der physikalischen Eigenschaften des Wassers von fundamentaler Wichtigkeit. Ein Verständnis des anomalen Verhaltens von Wasser ist eng verknüpft mit dem Verständnis des Phasendiagrams der metastabilen nicht-kristallinen Zustände von Wasser. Mishima et al. gelang es 1984 erstmals hexagonales Eis, durch Druck-induzierte Amorphisierung bei 77 K, in einen hochdichten amorphen Zustand (HDA) zu überführen. Er fand des weiteren einen Phasenübergang zwischen HDA und einem amorphen Zustand niedrigerer Dichte (LDA), welcher einem Übergang erster Ordnung gleicht. Durch diese Entdeckung wurde erstmals der Begriff "Polyamorphismus" geprägt. Seither wird in der Literatur äußerst kontrovers diskutiert, ob es sich bei den gefundenen Zuständen tatsächlich um ein Glas handelt, oder um einen nanokristallinen Festkörper. Die direkte Messung eines möglichen Glasübergangs wird durch das Kristallisations-Verhalten von Eis erschwert. Die bisher gemessene Glasübergangstemperatur bei 1 bar liegt nur wenige Kelvin unterhalb der Kristallisationstemperatur, daher sind Untersuchungen der ultraviskosen Flüssigkeit äußerst schwierig. Dies erklärt auch, warum bisher fast ausschließlich Nicht-Gleichgewichtszustände der amorphen Eisphasen experimentell untersucht wurden. In meiner Dissertation habe ich erstmals gezeigt, dass es durchaus möglich ist, vollständig equilibrierte amorphe Zustände zu erzeugen. Das sogenannte "equilibrated high density amorphous ice" (eq-HDA) zeigt einen Übergang erster Ordnung zu einem weiteren niedrigdichten Zustand LDAII. Meine Ergebnisse weisen darauf hin, dass es sich hierbei um einen Übergang zwischen zwei ultraviskosen Flüssigkeiten handelt. Ziel meines Projektes ist es nun, diese equilibrierten amorphen Eisphasen und ihre ultraviskosen Zustände detaillierter zu untersuchen. Dabei hilft die Tatsache, dass Gläser grundsätzlich bestrebt sind, einen Gleichgewichtszustand einzunehmen, ob dieser erreicht wird, hängt jedoch von Temperatur und Zeitskala ab. In meinem Projekt soll diese Zeitskala anhand komplementärer Messmethoden bestimmt werden. Dies sind zum einen volumetrische Messungen und zum anderen Deuteronen-Festkörper NMR. Desweiteren sollen Neutronenstreuexperimente am ISIS/ILL Aufschluss über die Frage geben, ob amorphes Eis nanokristallin oder ein echtes Glas ist. Die Ergebnisse meiner Dissertation lassen vermuten, dass zahlreiche Experimente an amorphem Eis, welche bislang gegen eine Glas-Charakteristik sprechen, mit unrelaxiertem amorphen Eis durchgeführt wurden. Ziel meines Projektes ist es, einige dieser fundamentalen Experimente nun mit vollständig equilibriertem amorphen Eis durchzuführen. Zusätzlich sollen Messungen an amorphem Eis stattfinden, welches nicht durch Druck-amorphisierung von kristallinem Eis, sondern durch direkte Vitrifizierung von Wasser hergestellt wurde.

Im Rahmen dieses Hertha-Firnberg Projekts konnten erstmals gezeigt werden, dass Wasser sogar bei tiefkalten Temperaturen unterhalb -123C in zwei flüssigen Zuständen unterschiedlicher Dichte existiert.Warum ist das interessant? Wasser mag auf den ersten blick wie eine normale, einfache und gut verstandene Flüssigkeit aussehen, aber das Gegenteil ist der Fall. Über 70 Anomalien von Wasser sind bisher bekannt, die es von einer sogenannten normalen Flüssigkeit unterscheiden. Diese Anomalien versucht man durch unterschiedlichste theoretische Ansätze zu erklären. Eine der wichtigsten, und zugleich auch kontrovers diskutiertesten Theorien beschäftigt sich mit der Frage, ob es bei tiefen Temperaturen (und hohen Drücken) zwei unterschiedliche Flüssigkeiten von Wasser gibt. Bereits in der 80er Jahren wurden zwei amorphe Eisphasen unterschiedlicher Dichte entdeckt. Die beiden amorphen Eisformen HDA (high density amorphous ice) und LDA (low-density amorphous ice) unterscheiden sich deutlich in Dichte und Struktur. Seitdem wird in der Literatur äußerst Kontrovers diskutiert, ob diese zwei festen Zustände mit den oben genannten flüssigen Zuständen verbunden sind, d.h. ob es sich um ein Glas (erstarrte Flüssigkeit) und seine zugehörige Flüssigkeit (Wasser) handelt. Der Glasübergang in LDA wurde bereits 1989 von Prof. Erwin Mayer in Innsbruck per Kalorimetrie nachgewiesen, doch die Interpretation der experimentellen Daten wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Innerhalb dieses Hertha-Firnberg Projekts wurde nun der Glasübergang in LDA mit einem breiten Spektrum unterschiedlicher experimenteller Methoden untersucht. Die Messungen zeigen, dass es sich bei LDA um einen sogenannten starken Glasbildner handelt. Die Glasübergangstemperatur von 136 K konnte ebenfalls bestätigt werden. Besonders hervorzuheben ist, dass es mittels Kalorimetrie und dielektrischer Spektroskopie erstmals gelungen ist auch den Glasübergang im hoch-dichten amorphen Eis HDA zu messen. Beim Aufwärmen des HDA-Eises bei Normaldruck geht der erstarrte Zustand bei 116 K in einen hoch-viskosen flüssigen Zustand über. Es konnte somit erstmals gezeigt werden, dass Wasser bei tiefen Temperaturen unterhalb 150 K in zwei flüssigen Zuständen unterschiedlicher Dichte existiert.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Burkhard Geil, Georg-August-Universität Göttingen - Deutschland
  • Franz Fujara, Technische Universität Darmstadt - Deutschland
  • Daniel T. Bowron, Rutherford Appleton Laboratory - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 967 Zitationen
  • 13 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Limits of metastability in amorphous ices: the neutron scattering Debye–Waller factor
    DOI 10.1039/c2cp42797d
    Typ Journal Article
    Autor Amann-Winkel K
    Journal Physical Chemistry Chemical Physics
    Seiten 16386-16391
    Link Publikation
  • 2011
    Titel How many amorphous ices are there?
    DOI 10.1039/c0cp02600j
    Typ Journal Article
    Autor Loerting T
    Journal Physical Chemistry Chemical Physics
    Seiten 8783-8794
  • 2011
    Titel Cryoflotation: Densities of Amorphous and Crystalline Ices
    DOI 10.1021/jp204752w
    Typ Journal Article
    Autor Loerting T
    Journal The Journal of Physical Chemistry B
    Seiten 14167-14175
  • 2011
    Titel Equilibrated High-Density Amorphous Ice and Its First-Order Transition to the Low-Density Form
    DOI 10.1021/jp203985w
    Typ Journal Article
    Autor Winkel K
    Journal The Journal of Physical Chemistry B
    Seiten 14141-14148
  • 2011
    Titel Structural study of low concentration LiCl aqueous solutions in the liquid, supercooled, and hyperquenched glassy states
    DOI 10.1063/1.3528000
    Typ Journal Article
    Autor Winkel K
    Journal The Journal of Chemical Physics
    Seiten 024515
  • 2011
    Titel Volumetric study consistent with a glass-to-liquid transition in amorphous ices under pressure
    DOI 10.1103/physrevb.83.100201
    Typ Journal Article
    Autor Seidl M
    Journal Physical Review B
    Seiten 100201
  • 2013
    Titel Limits of metastability in amorphous ices: 2 H-NMR relaxation
    DOI 10.1039/c2cp43543h
    Typ Journal Article
    Autor Löw F
    Journal Physical Chemistry Chemical Physics
    Seiten 576-580
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Water’s second glass transition
    DOI 10.1073/pnas.1311718110
    Typ Journal Article
    Autor Amann-Winkel K
    Journal Proceedings of the National Academy of Sciences
    Seiten 17720-17725
    Link Publikation
  • 2013
    Titel From parallel to single crystallization kinetics in high-density amorphous ice
    DOI 10.1103/physrevb.88.174105
    Typ Journal Article
    Autor Seidl M
    Journal Physical Review B
    Seiten 174105
  • 2010
    Titel Reversibility and isotope effect of the calorimetric glass ? liquid transition of low-density amorphous ice
    DOI 10.1039/b917662d
    Typ Journal Article
    Autor Elsaesser M
    Journal Physical Chemistry Chemical Physics
    Seiten 708-712
  • 2014
    Titel Anomalously large isotope effect in the glass transition of water
    DOI 10.1073/pnas.1411620111
    Typ Journal Article
    Autor Gainaru C
    Journal Proceedings of the National Academy of Sciences
    Seiten 17402-17407
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Ultra-slow dynamics in low density amorphous ice revealed by deuteron NMR: indication of a glass transition
    DOI 10.1039/c3cp50818h
    Typ Journal Article
    Autor Löw F
    Journal Physical Chemistry Chemical Physics
    Seiten 9308-9314
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Amorphous ICES
    DOI 10.1002/9781118540350.ch7
    Typ Book Chapter
    Autor Giovambattista N
    Verlag Wiley
    Seiten 139-173

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