Fallstudie von MusiklehrerInnen-Teams in Bläser-/Chorklassen
Case study on teacher teams in whole class ensembles
Wissenschaftsdisziplinen
Erziehungswissenschaften (100%)
Keywords
- Intervention,
- Professional development,
- Music education,
- Collaboration,
- Case study,
- Whole class ensemble teaching
Die Studie zielt darauf ab, die Zusammenarbeit von Musiklehrkräften und Instrumental- /Gesangslehrkräften in Klassenmusizierkonzepten in Österreich besser zu verstehen. Diese Klassenmusizierkonzepte werden in der Regel als Bläser-, Chor- oder Streicherklassen bezeichnet. Es gab bereits einige Studien in Deutschland, in denen Aspekte der Zusammenarbeit im Rahmen größerer Fragestellungen untersucht wurden, aber in Österreich sind diese Kooperationen bisher unerforscht. Im Rahmen der Studie wird eine Intervention in Form einer einjährigen Lehrerfortbildung für die teilnehmenden Lehrkräfte angegliedert, die begleitend beforscht wird. Die Untersuchung nimmt die individuellen Lehrpersonen mit ihren Einstellungen und Ansichten zur Zusammenarbeit sowohl in der Unterrichtsvor- und -nachbereitung, als auch im Unterricht selbst in den Blick. Ziel ist es zu verstehen, ob und wie sich die Einstellungen im Laufe des Schuljahres verändern und ob dies auch zu einer Veränderung der Teamarbeit allgemein oder des Co-Teachings im Unterrichts selbst führt. Dadurch können mögliche positive Faktoren der Fortbildung identifiziert werden, die in der Folge auf andere Kontexte übertragen werden könnten. Die Teilnehmer_innen werden aus vier Teams mit je einer Musiklehrkraft und einer Instrumental/Gesangslehrkraft bestehen, die gemeinsam in Bläser- oder Chorklassen unterrichten und die an der 60-stündigen Lehrerfortbildung teilnehmen. Zwei externen Moderator_innen leiten die Weiterbildung, deren Inhalt gemeinsam mit der Forscherin entwickelt wird. Die Fortbildung wird wichtige Themen In Bezug auf Zusammenarbeit, Unterrichtsplanung und -auswertung enthalten, sie wird aber auch genügend Platz lassen für Austausch zwischen den Teilnehmer_innen und auf ihre Wünsche und Bedürfnisse im Verlauf des Schuljahres eingehen. Es werden überwiegend qualitative Forschungsmethoden eingesetzt, darunter Einzelinterviews mit jeder/m Teilnehmer_in, Fokusgruppen, Tonaufnahmen von Planungstreffen und Videoaufnahmen des Unterrichts jeweils vor, während und nach der Weiterbildung. Alle Teilnehmer_innen, einschließlich der Schüler_innen, werden zu verschiedenen Zeitpunkten kurze Fragebögen ausfüllen. Einige zusätzliche Interviews mit Schüler_innen werden geführt um herauszufinden, ob sie eine Veränderung im Unterrichtsgeschehen und dem Co-Teaching der Lehrkräfte wahrgenommen haben. Die Interviews und das Material aus den Aufnahmen wird mit Hilfe von Software transkribiert und analysiert, die Auswertung wird anhand der Grounded Theory Methodologie vorgenommen. Am Ende der Studie soll es möglich sein, die Sichtweisen und Einstellungen der einzelnen Teilnehmer_innen zu Fallbeschreibungen zu verdichten. Außerdem kann die Studie Erkenntnisse über die Wirkung von Lehrerfortbildungen in der Musikpädagogik liefern. Damit kann sie Impulse für die Entwicklung zukünftiger Weiterbildungsangebote sowie für die universitäre Ausbildung von Musiklehrkräften geben.
In der qualitativen Studie wurden die Haltungen, Einstellungen, Erfahrungen und Erwartungen von Musik-Lehrpersonen zu Team-Teaching untersucht. Die Teams bestanden aus Lehramtsstudierenden, die an einer Mittelschule über ein halbes Jahr hinweg Musikunterricht gemeinsam geplant, unterrichtet und reflektiert haben. Die Teilnehmer*innen der Studie haben dabei eine Fortbildung erhalten, in der sie die Gelegenheit bekamen, mehr über Voraussetzungen und Formen des Team-Teachings zu erfahren und sich gemeinsam über das Erlebte auszutauschen. Vor dem Start und nach Ende des Team-Teachings wurden Einzel-Interviews geführt, zusätzlich gab es Gruppeninterviews, Video- und Audioaufnahmen und schriftliche Texte, die in die Auswertung einfließen. Die Studienteilnehmer*innen erleben das gemeinsame Unterrichten als große Chance und empfinden dadurch eine Entlastung bei der Planung und Gestaltung der Stunden. Sie nehmen insbesondere die vielfältigen Möglichkeiten im Team-Teaching wahr, Schüler*innen individueller zu unterstützen und sie genauer beobachten zu können. Dass die Verantwortung für das Lernen der Schüler*innen sich gemeinsam leichter tragen lässt, wird von ihnen immer wieder angesprochen. Insbesondere in der Organisation von Unterricht liegt hier eine Stärke der Teamarbeit. Aber auch in der Beobachtung der Team-Partner*innen liegt für sie ein großer Nutzen: Sie sehen andere Persönlichkeiten vor der Klasse agieren, können von den Stärken und Stilen der anderen profitieren und bekommen dadurch selbst den Mut, sich anders auszuprobieren. Vor allen Dingen im herausfordernden Kontext der innerstädtischen Mittelschule mit sehr heterogener Schüler*innenschaft, in der die Studie durchgeführt wurde, fühlen sich die Studienteilnehmer*innen gemeinsam besser aufgestellt. Der Lehrer*innenberuf ist auch heute noch geprägt von der Vorstellung, dass das selbstständige (autonome) Entscheiden ein wesentlicher Faktor und auch ein Vorteil des Berufs ist. Hier bemerken die Teilnehmer*innen, dass das Arbeiten im Team nur funktionieren kann, wenn man auch als Lehrkraft bereit ist, Kompromisse einzugehen, sich ehrliches Feedback zu geben und persönlich gut miteinander zu kommunizieren. Auf der einen Seite können die unterschiedlichen Arbeits- und Unterrichtsstile bereichernd sein und die eigene Entwicklung fördern. Gehen die pädagogischen Vorstellungen über Unterricht, Bildung und Ziele im Musikunterricht allerdings zu weit auseinander, so kann das gemeinsame Unterrichten in der Erfahrung und Vorstellung der Teilnehmer*innen nur schwerlich gelingen. Dass Unterricht vorzubereiten im Team zunächst deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, nehmen die Teilnehmer*innen zur Kenntnis und erhoffen sich doch eine Entlastung, sobald sich das Team einmal eingespielt hat. Das bedeutet auch, dass Team-Teaching in ihren Augen eine langfristige Angelegenheit sein sollte. Während die Ideensammlung gut digital funktioniert, erklären die Teilnehmer*innen rückblickend, dass persönliche Treffen die Stundenplanung ökonomischer machten. Aus den Ergebnissen der Studie kann gefolgert werden, dass ein Berufseinstieg im Team-Teaching bei sorgfältiger Begleitung eine große Entlastung und Bereicherung für den Musikunterricht sein kann. Da die heutige Schullandschaft ein geändertes Professionsverständnis von Lehrkräften erfordert, sollte es ein breiteres Angebot von Fortbildungen im Bereich geben, damit Lehrkräfte die Gelegenheit erhalten, sich in dieser Hinsicht weiterzuentwickeln.
- Heike Henning-Schmidt, Universität Bonn , assoziierte:r Forschungspartner:in
Research Output
- 1 Publikationen
- 1 Policies
- 1 Disseminationen
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2026
Titel "In theory, the shared responsibility was well-established, but the execution failed because of me." Music education students' reflections on team-teaching experiences Typ Conference Proceeding Abstract Autor Feneberg P Konferenz Advance Democracy
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2025
Titel Team Teaching Typ Contribution to new or improved professional practice
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2026
Titel University open day Typ Participation in an open day or visit at my research institution