Karl Bühler, Manuskripte und Korrespondenz (annotiert)
Karl Bühler, Manuscripts and Correspondence (annotated)
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (20%); Philosophie, Ethik, Religion (20%); Psychologie (60%)
Keywords
- Theoretical Psychology,
- Vienna Circle,
- Practical Semiotics,
- Orientation Behaviour Of Living Beings,
- Action,
- Language
Karl Bühler gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Psychologen des 20. Jahrhunderts, seine wissenschaftliche Karriere erreichte ihren Höhepunkt in Wien, wo er 1922 auf einen der drei Philosophielehrstühle mit der Ausrichtung Philosophie, Psychologie und experimentelle Pädagogik berufen wurde und die Leitung des psychologischen Instituts übernahm. 1938, nach dem Anschluss Österreichs, wurde Bühler zwangspensioniert und emigrierte in die USA. Im Dezember 1963, wenige Monate nach seinem Tod, schickte Charlotte Bühler den Großteil der Manuskripte ihres Mannes an das Wiener Psychologische Institut. Dieser Nachlass Karl Bühlers befindet sich seit den 1970er Jahren an der Forschungsstelle für Österreichische Philosophie der Universität Graz. Da Bühler seit seinem Weggang aus Wien nur noch ganz wenig publizierte, sind diese Nachlassmaterialien die einzige Quelle, um seine Forschungen, Studien und Lehrveranstaltungen in den letzten Wiener Jahren und im Exil zu rekonstruieren. Diese erweisen sich nicht nur für die Geschichte der Psychologie von Interesse, sondern bieten auch interessante Anknüpfungspunkte für aktuelle Diskussionen, so z.B. zum Lebensbegriff in der Psychologie oder zum Begriff des Sprechverkehrs, der heute in der Konversationsanalyse breite Verwendung findet. 2014 erwarb das Universitätsarchiv Wien den Exilnachlass von Charlotte und Karl Bühler, der neue bisher unbekannte Materialien enthält: so den Briefverkehr Bühlers und eine Reihe von Lebensdokumenten. Hier finden sich neue Informationen zum Entstehungskontext der Manuskripte Karl Bühlers. Damit wurde es möglich, das Projekt einer digitalisierten und kommentierten Faksimile-Ausgabe der Karl Bühler Nachlässe in Graz und in Wien in Angriff zu nehmen. Diese wird auf der Archiv- und Editionsmanagement-Tool Virtual Archive of Logical Empiricism (VALEP: valep.vc.univie.ac.at) hochgeladen und ist allen Forschern und Interessierten frei zugänglich. Die Digitalisierung aller Nachlassmanuskripte und des Briefverkehrs Karl Bühlers (1939-1963) ist geplant; gleichzeitig werden vorhandene Transkriptionen zur Verfügung gestellt. Um eine erste Einleitung in viele der bisher unbekannten Texte zu ermöglichen, werden Kommentare von international anerkannten Bühler-Spezialisten erarbeitet. Ziel des Projektes ist es: 1. eine Vernetzung der in Wien und Graz befindlichen Nachlässe zu erreichen; 2. eine intensive internationale Diskussion der Bestände zu initiieren und 3. eine Rekonstruktion und Präsentation der Manuskripte im Einklang mit den neuesten Erkenntnissen der Bühler-Forschung vorzunehmen und zur Diskussion zu stellen. Die Wahl von VALEP ermöglicht es außerdem, die Beziehungen zwischen der Bühler-Schule und den um Moritz Schlick versammelten Wiener Kreis genauer zu untersuchen, es werden neue Ergebnisse zu den Interaktionen und den theoretischen Debatten zwischen beiden Kreisen erwartet.
- Sigmund Freud Priv. Univ. - 100%