Deutschsprachig-jüdische Literatur seit der Aufklärung
Germanspeaking jewish Literature since Enlightenment
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (15%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)
Keywords
- Canon and Decanonizing,
- Contested and Shared Spaces,
- Exile and Migration,
- Diaspora and Belonging,
- Topografical Literary Genres
Das vorliegende Handbuch ist integraler Teil und Ergebnis des Verbundprojekts I 4177 (2019- 2024), an dem vier Standorte aus Österreich, der Schweiz und Deutschland beteiligt waren. Es zielt auf die systematische Darstellung des für die jüdische Kultur und Geschichte zentralen Paradigmas Raum in der deutschsprachig-jüdischen Literatur seit der Aufklärung/Haskala. Aufbauend auf einem kulturwissenschaftlichen Textverständnis, auf Ansätze aus der Rezeptionsästhetik, der Raum- und Medientheorie werden raumbezogene Konzepte und Genres, Raumdiskurse und Topografien, Konstruktionen jüdischer Orte und Räume sowie die räumliche Dimension der Literatur selbst anhand exemplarischer Analysen klassischer, aber auch weniger bekannter Texte untersucht. Dabei wird eine in dieser Form bislang kaum berücksichtige Vielfalt an literarischen und essayistischen Texten, publizistischen Quellen und Medien bis hin zum Cyberspace als Untersuchungsgegenstand herangezogen. Eingeleitet werden die exemplarischen Analysen durch Überblicksartikel, die synoptische Perspektiven auf das jeweilige Untersuchungsfeld bieten. Entortung und Entzogenheit von räumlichen Bindungen strukturieren die jüdische Literatur von den biblischen Geschichten über Wanderung/Migration, Landgabe und -verlust, Diaspora und Exil bis hin zu zeitgenössischen Werken im Zeichen der Globalisierung. Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels verlagern sich räumliche Ordnungen jüdischer Kultur zunehmend in raumunabhängige Dimensionen wie Sprache, Öffentlichkeit oder Gedächtnis sowie in die Literatur selbst, die zum Medium wird, das kollektive Räume nicht nur abbildet, sondern auch stiftet. Somit stehen einerseits die Dynamik von De- und Reterritorialisierung, daraus hervorgegangene gelebte Räume oft zugleich shared und contested spaces im Mittelpunkt, andererseits symbolische Topografien und Erinnerungsräume, die in ihrer kulturellen Hybridität auch den Konstruktionscharakter von Raum und Räumlichkeit exponieren. Das Handbuch knüpft dabei an den spatial turn in den Kulturwissenschaften an, der von deutschsprachig-jüdischen, aber auch französischen (Vor-)Denkern (unter anderem Cassirer, Benjamin, De Certeau, Lefebvre) auf den Weg gebracht und durch aktuelle Ansätze literatur- und kulturwissenschaftlicher Raumforschung (Ernst, Fonrobert, Mann, Schloer u. a) profiliert wurde. Die Einzelbeiträge verstehen sich zum einen als Vermessungen des Forschungspanoramas zu vorgegebenen Themenstellungen; zum anderen reflektieren sie, wie spezifisch jüdische Raumkonfigurationen über die Jewish Studies hinausgehend auch für die allgemeine Literatur- und Kulturwissenschaft fruchtbar gemacht können. Das Handbuch, an dem rund 40 Forscher:innen aus Europa, den USA und Israel mitgewirkt haben, ist mit einer digitalen Plattform verknüpft, die in Form lexikalischer Beiträge weitere Informationen zu den in den Beiträgen behandelten Personen und Werken bereitstellt.
- Universität Klagenfurt - 100%