Hanghaus 2 in Ephesos. Die Wohneinheiten 3 und 5
Terrace House 2 in Ephesus. Dwelling Units 3 and 5
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (30%); Geschichte, Archäologie (70%)
Keywords
- Ephesos,
- Terrace House 2,
- Building Research,
- House Inventory,
- Contextual Analysis,
- Roman Imperial Period
Das Hanghaus 2 in Ephesos zählt aufgrund seines außergewöhnlichen Erhaltungszustandes zu den bedeutendsten Bauten der römischen Wohnarchitektur. Kaum ein anderes antikes Wohngebäude wurde bislang in mehreren Bänden in vergleichbarer Ausführlichkeit publiziert; die Rekonstruktion seiner Bau- und Nutzungsgeschichte gilt als Referenzwerk der mediterranen Archäologie und Bauforschung. Der vorliegende Band schließt nun eine wichtige Lücke: Erstmals werden auch die bisher unveröffentlichten Wohneinheiten 3 und 5 umfassend vorgestellt. Damit wird ein lange bestehendes Forschungsdesiderat erfüllt und das Gesamtbild des Hanghauses 2 weiter vervollständigt. Die beiden Wohneinheiten auf der mittleren Bauterrasse wurden im frühen 1. Jahrhundert n. Chr. als sogenannte Peristylhäuser errichtet, also Wohnhäuser, deren Räume um einen von Säulen umgebenen Innenhof organisiert sind. Bis zu ihrer Zerstörung durch ein Erdbeben im 3. Viertel des 3. Jahrhunderts wurden sie mehrmals umgebaut, modernisiert und neu ausgestattet. Dem bewährten Publikationskonzept der Hanghausbände folgend, führt der reich illustrierte Band durch diese Bau- und Nutzungsgeschichte und präsentiert neben den baulichen Strukturen auch die eindrucksvolle Ausstattung mit farbenfroher Wandmalerei, kunstvollen Mosaikböden und hochwertigen Marmorverkleidungen. Archäologische Nachuntersuchungen unter Bodenniveau erweitern das Bild: Sie zeigen, dass das Areal bereits in hellenistischer Zeit genutzt wurde. Jüngere Befunde belegen zudem, dass in frühbyzantinischer Zeit eine sogenannte Mühlenkaskade in den westlichen Bereich der Wohneinheiten eingerichtet wurde ein Hinweis auf veränderte wirtschaftliche und soziale Bedingungen nach dem Ende der römischen Blütezeit. Ergänzend liefern zahlreiche Objekte aus Keramik, Glas, Bronze, Marmor und Terrakotta, die in den beiden Wohneinheiten und unter Bodenniveau gefunden wurden, wertvolle Informationen über die Nutzung der Häuser. Die auf den Wandmalereien erhaltenen Graffiti ermöglichen darüber hinaus direkte Einblicke in den Alltag der damaligen Bewohner. Auf Grundlage der kontextuellen Analyse von Baustruktur, Ausstattung und Fundmaterial wird untersucht, wie die einzelnen Räume genutzt wurden und welche Rückschlüsse sich auf soziale Stellung und Besitzverhältnisse ziehen lassen. Obwohl direkte Namenszeugnisse fehlen, deuten bauliche Verflechtungen und Umbauten zeitweise auf gemeinsamen Besitz oder zumindest enge funktionale Verbindungen zwischen den einzelnen Wohneinheiten des Hanghauses 2 hin. Architektur und Ausstattung machen jedenfalls deutlich, dass die Bewohner der Wohneinheiten 3 und 5 zur städtischen Elite gehörten: Trotz ihrer vergleichsweise geringen Größe verfügten beide Häuser über differenzierte Räume für Repräsentation und Gästeempfang. Ihre hochwertige Gestaltung zeigt, wie sich sozialer Status auch auf begrenzter Fläche wirkungsvoll inszenieren ließ.