Wissenschaftsdisziplinen
Medien- und Kommunikationswissenschaften (45%); Philosophie, Ethik, Religion (35%); Soziologie (20%)
Keywords
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Digital Culture,
Digital Communication,
Frankfurt School,
Capitalism,
Critical Theory,
Media Culture
Das Buch Universale Vermittlung stellt die Frage nach den spezifischen sozialen Beziehungen, die in die Geschichte digitaler Medien eingegangen sind und durch diese fortgeschrieben werden. Was bedeutet es, wenn soziale Beziehungen durch digitale Endgeräte vermittelt werden? Vor dem Hintergrund einer in die Geschichte der Druckmedien und des Kinos wird Mediengeschichte als eine Geschichte sozialer Vermittlung, als eine Geschichte durch Medien bestimmter sozialer Beziehungen vorgestellt. Diese Dynamik sozialer Beziehung oszilliert, wie in allen vorangegangenen Leitmedien, zwischen der Universalisierung von Inhalten (im Sinne von Reichweite und Verbreitung) und Partikularisierung (im Sinne von ökonomischer Steuerung durch Medienmonopole, Aneignung durch dominante ökonomische Interessensgruppen etc.). Im Theoriekontext der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule sind die sozialen Beziehungen, die sich in digitalen Medien konkretisieren, nicht ohne die primären ökonomischen Beziehungen zu denken. Die Grundthese des Buches ist insofern, dass sich marktförmige Beziehungen (kompetitive Beziehungen, die auf individueller Gewinnoptimierung basieren und insofern vereinzelnde, entsolidarisierende Implikationen haben) in digitalen Medien fortschreiben. Insofern bedeutet universale Vermittlung die Verallgemeinerung einer Struktur gesellschaftlicher Beziehungen, die sich in Medien materialisiert. Medialität realisiert sich als partikulare, strategische Kommunikation, schafft aber auch eine Form universaler Vermittlung und damit das Telos universaler, verständigungsorientierter Kommunikation. Solche Tendenzen kompetitiver Vereinzelung haben zugleich, wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat, politisch autoritäre Wirkungen. Die effektive Bildung von Kollektiven erfolgt, so eine zweite These des Buches, in der sich die Grundthesen der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule fortschreiben, innerhalb der Matrix antagonistischer und atomisierender Vergesellschaftung. Sie ist insofern besonders anfällig für autoritäre Tendenzen und für eine affekthafte Überkompensation primärer Vereinzelung. Zugleich ergibt sich, so die dritte Kernthese des Buches, aus der Dynamik kybernetischer Kontrolle und algorithmischer Steuerung, auch ein historisches Potenzial, das bereits in der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule eine zentrale Rolle spielt: Mit der Möglichkeit exakter algorithmischer Bedürfnisantizipation werden Distributionsformen denkbar, die nicht mehr primär über den Markt organisiert sind. Wie in der historischen Debatte um die Möglichkeit der Planwirtschaft (zwischen u.a. Hayek und Neurath) betont wurde, bedarf es für die Möglichkeit des Plans hinreichend komplexe Berechnungsmethoden, die in den 1920er und 1930er Jahren nicht erkennbar waren. Mit dem algorithmischen Plattformkapitalismus der Gegenwart werden globale Steuerungssysteme erkennbar, die dieser Aufgabe gewachsen sein könnten, sofern sie aus der Logik des Verwertungszwangs entlassen würden. In diese Sinne sind die Strukturen universaler Vermittlung auch Medien einer globalen Verteilungsstruktur, die postkapitalistische Perspektiven aufzeigt.