MRT-basierte In-vivo-Histologie bei Multipler Sklerose
MRI-based in vivo histology of Multiple Sclerosis
Weave: Österreich - Belgien - Deutschland - Luxemburg - Polen - Schweiz - Slowenien - Tschechien
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (50%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%)
Keywords
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Multiple sclerosis,
Magnetic resonance imaging,
Neuropathology,
Cortical pathology,
Remyelination,
Iron
Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste Ursache erworbener, nicht-traumatischer Behinderungen bei jungen Menschen. Früher wurde sie in erster Linie als entzündliche Erkrankung der weißen Substanz des Gehirns betrachtet, heute wird sie als komplexe Erkrankung angesehen, die fokale und diffuse pathologische Prozesse im gesamten Gehirn inklusive der Hirnrinde, die die Nervenzellen enthält, umfasst. Einwanderung von Entzündungszellen, Aktivierung von Fresszellen im Gehirn und darauffolgende Entmarkung (Verlust von Myelinscheiden, die die Nervenleitgeschwindigkeit im Gehirn gewährleisten) treten im gesamten zentralen Nervensystem auf, einschließlich der grauen Substanz, und prägen die Symptome bei den Betroffenen im Laufe der Zeit. Diese Prozesse können bei verschiedenen Menschen mit MS räumlich und zeitlich sehr unterschiedlich verlaufen und tragen zu den gewichtigen Unterschieden im Ansprechen auf die Behandlung bei. Die fortschreitende und kontinuierliche Zunahme von Einschränkungen im Alltag ist mit einer weit verbreiteten diffusen chronischen Entzündung und Verlust an Nervenzellen verbunden. Remyelinisierung, also Wiederherstellung der Markscheiden, stellt eine Möglichkeit der Reparatur von Entmarkung dar, die die Nervenzellfortsätze und auch die Nervenzellen schützt. Das Versagen von Remyelinisierung führt zu einem ungünstigen klinischen Verlauf. Die Eindämmung der langfristigen Einschränkung von Menschen mit MS ist das zentrale klinische Anliegen und erfordert eine frühzeitige Diagnose, die Vorhersage der Krankheitsaktivität und eine zeitnahe, individuell angepasste Behandlung. Derzeit stützen MS-Experten ihre diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen auf Informationen, die aus den Beschwerden der Patienten, der neurologischen Untersuchung und konventionellen Magnetresonanztomographie (MRT)-Untersuchungen gewonnen werden. Leider ist die konventionelle MRT nicht spezifisch für die pathologischen Mechanismen bei Menschen MS und wenig sensitiv und spezifisch gegenüber Veränderungen in der Hirnrinde. Die Behandlung chronischer Entzündung und die Förderung der Remyelinisierung sind unerlässlich, um vor Nervenzellverlust zu schützen. Dies erfordert jedoch die Entwicklung sensitiver und spezifischer, nicht-invasiver Bildgebungsmarker zur Beurteilung und auch Prognose von Neuroinflammation, Demyelinisierung und Remyelinisierung. Dies ist ein entscheidender Schritt bei der Bewertung von neuen Behandlungsstrategien. Mit diesem Projekt wollen wir anhand von Gewebsuntersuchungen an Gehirnen von verstorbenen Menschen mit MS in modernen hochauflösenden 7-Tesla-MRT-Geräten und anhand neuester Kombinationen von Sequenzen zusätzliche Gewebskontraste benützen, die zum Beispiel auch vom Eisen im Gehirn stammen, und damit die Darstellung des Myelins in der Hirnrinde verbessern. Wir glauben, damit die Darstellung auch von schützender Remyelinisierung in der Hirnrinde am Lebenden verbessern zu können, um neue Therapien testen zu können.
- Pierre Maquet, University of Liège - Belgien (Wallonien)
- Evgeniya Kirilina, MPI Leipzig - Deutschland