Die Rechnungsbücher des Klosters Aldersbach
The Accounts of Aldersbach Monastery
Weave: Österreich - Belgien - Deutschland - Luxemburg - Polen - Schweiz - Slowenien - Tschechien
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (50%); Soziologie (25%); Wirtschaftswissenschaften (25%)
Keywords
-
Account books,
Economic History,
Monastery,
Digital analysis,
Transkribus,
Social History
Mittelalterliche und frühneuzeitliche Klosterrechnungen erlauben vielfältige Einblicke, in den Alltag der Mönche ebenso wie in die sogenannte große Geschichte. Deshalb reihte der große österreichische Historiker Alphons Lhotsky Rechnungen explizit unter die Tagebücher ein. Rechnungsbücher erlauben vielfach Einblicke, die sonst verwehrt blieben. Oft wurden nämlich - unabsichtlich und daher zumeist umso wertvoller - Ereignisse und Vorkommnisse dokumentiert, die sonst in der übrigen schriftlichen Überlieferung fehlen. Wohlgemerkt sind die für verschiedene historische Fachdisziplinen relevanten Informationen oft zwischen den Zeilen zu finden, denn die Intention der Rechnungsschreiber war es ja mitnichten, der Nachwelt über die Vorkommnisse jener Jahre zu berichten, sondern es ging darum, für Prüfungen einen möglichst lückenlosen Nachweis der Einnahmen und Ausgaben präsentieren zu können. Selbstverständlich werden in diesen Quellen aber auch die wirtschaftlichen Angelegenheiten eines Klosters umfänglich dokumentiert. Aldersbach kann als typisches Beispiel für ein bayerisches Zisterzienserkloster während des 15. und 16. Jahrhunderts gelten. Zwar ist die Geschichte dieser Gemeinschaft selbst vergleichsweise schlecht erforscht, die gute Überlieferung gerade der Rechnungen im genannten Zeitraum selbst sowie die Tatsache, dass Aldersbach eine durchschnittliche religiöse Gemeinschaft war, die es in vergleichbarer Größe hundertfach in ganz Europa gab, lassen das niederbayerische Kloster als geradezu prototypisch erscheinen. Der Einsatz KI-gestützter, automatisierter Handschriftenerkennung mit Transkribus zur Entzifferung der schwer lesbaren lateinischen und deutschen Rechnungsbücher und die automatisierte Datenverarbeitung und -analyse durch die Digital Humanities für eine auf dieser basierenden wirtschafts- und sozialhistorischen Klassifizierung kann in dieser Kombination als sehr effizient und innovativ angesehen werden. Ziel einer geplanten fachwissenschaftlichen Dissertation mit dem Arbeitstitel Leben und Arbeiten im spätmittelalterlichen Kloster. Eine Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Klosters Aldersbach 1449-1567 ist es, erstens die wirtschaftlichen Grundlagen des Klosters im Zeitablauf herauszuarbeiten. Zweitens soll die Sozialstruktur der immerhin etwa 50 Beschäftigten herausgearbeitet werden. Idealerweise wird es auch möglich sein, Realeinkommen für bestimmte Berufsgruppen zu ermitteln und damit einen Beitrag zur seit gut zwanzig Jahren boomenden internationalen Forschung zum Lebensstandard in der Vormoderne beizusteuern. Eine weitere Dissertation aus dem Bereich Digital Humanities und Studien zu Fragestellungen weiterer historischer Fachdisziplinen runden die Publikationstätigkeit des Projekts ab.
- Roman Kern, Technische Universität Graz , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Georg Vogeler, Universität Graz , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Bernhard Luebbers - Deutschland
- Mark Spoerer, Universität Regensburg - Deutschland